Montag, 09.12.2019

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NN-Veranstaltung zu Sicherheitsgefühl: Frauen, gestaltet die Stadt mit!

Am Montag, 4. November können Sie Ihre Meinung sagen - 18.10.2019 11:01 Uhr

Der Karl-Bröger-Tunnel bekommt bald eine bessere Beleuchtung, um das Sicherheitsgefühl zu erhöhen. © Michael Matejka


Abends alleine nach Hause zu gehen oder mit einem öffentlichen Verkehrsmittel zu fahren, löst bei vielen Ängste aus. Das ist ein Ergebnis der großen Fragebogenaktion der Nürnberger Nachrichten zum diesjährigen Weltfrauentag. Warum das so ist, wird die Chefin des Ordnungsamts, Katrin Kurr, mit den Besuchern der NN-Veranstaltung "Was sich für Frauen ändern muss" am Montag, 4. November, um 18.30 Uhr im Historischen Rathaussaal diskutieren.

Frau Kurr, die Angst der Frauen vor Attacken auf der Straße oder vor Anmache in öffentlichen Verkehrsmitteln ist viel größer als die der Männer. Obwohl Männer viel häufiger zu Opfern werden. Wie erklären Sie sich das?

Katrin Kurr: Das Thema ist komplex und beschäftigt alle Städte. Es stimmt, dass das Unsicherheitsgefühl der Frauen sogar noch zunimmt. Einige sagen sich vielleicht, dass sie im Zweifel dem Angreifer physisch unterlegen sind, und haben deshalb Ängste. Wenn Frauen an einer Gruppe Betrunkener vorbeigehen, die gar nicht mal aggressiv, aber laut sind und unberechenbar wirken, fühlen sie sich viel unwohler als Männer.

Was noch nichts über die Ursachen dieser Ängste aussagt.

Kurr: Eine Rolle spielen mit Sicherheit Erfahrungen, die Frauen in der Öffentlichkeit mit Männern gemacht haben, die anzügliche Bemerkungen fallenlassen oder ihnen nachpfeifen. Das gibt Frauen nicht das Gefühl, dass sie im öffentlichen Raum vor Belästigungen sicher sind. Und klar ist auch, dass Opfer von Sexualstraftaten meistens weiblich sind.

Katrin Kurr (43) reiste nach dem Abi ein halbes Jahr nach Neuseeland. Danach studierte sie Jura in Erlangen. Mit 27 Jahren fing die gebürtige Fürtherin bei der Stadt Nürnberg als Justiziarin im Rechtsamt an. Von dort wechselte sie ins Ordnungsamt, weil sie aktiv am Geschehen in der Kommune mitwirken wollte. Seit 2008 ist sie Amsleiterin. © Foto: Horst Linke


Welche Möglichkeiten hat die Stadt, das Sicherheitsgefühl zu verbessern?

Kurr: Man sollte sich immer wieder die Fakten in Erinnerung rufen, um sich die Situation zurechtzurücken. So geht die Kriminalitätsbelastung in Nürnberg insgesamt zurück und die Aufklärungsquote steigt. Es gibt in Nürnberg auch keine Hotspots, also Orte, an denen Frauen besonders häufig belästigt werden. Außerdem zeigen Polizei, Sicherheitswacht und der städtische Außendienst verstärkt dort Präsenz, wo wir von Problemen erfahren. Wenn uns Frauen melden, dass sie bestimmte Orte als unsicher empfinden, nehmen wir das sehr ernst.

Die Stadt sollte auch dafür sorgen, dass möglichst keine Angsträume entstehen. Wo ist das aus Ihrer Sicht noch nicht gelungen?

Kurr: Der Klassiker ist der Karl-Bröger-Tunnel. Das ist ein langer, dunkler Schlauch, den aber durchqueren muss, wer von Norden nach Süden gelangen will. Demnächst bekommt er endlich eine bessere Beleuchtung. Damit sich Frauen sicherer fühlen, ist es gut, Orte zu beleben. Der Jeppe-Hein-Brunnen hat für den Aufseßplatz viel gebracht. Er zog viele Menschen an, Kinder haben um ihn herum gespielt, und endlich ging es in der öffentlichen Debatte nicht mehr nur um die Trinkerszene. Ich finde es sehr wichtig, dass das dortige Kaufhaus wieder hochwertig genutzt wird. Das würde den Stadtteil aufwerten und den Aufseßplatz einer intensiveren Nutzung durch ein breites Publikum zuführen.

Bilderstrecke zum Thema

Umfrage: Ist Videoüberwachung in der Stadt notwendig?

An vielen Ecken in Nürnberg hängen sie: Videokameras. Ist diese permanente Überwachung notwendig? Fühlen sich die Passanten wirklich sicherer oder eher in ihrer Privatsphäre eingeschränkt? Wir haben nachgefragt.


Ist es möglich, Parks so zu gestalten, dass sie Frauen abends ohne Angst durchqueren können?

Kurr: Gute Beleuchtung und Übersichtlichkeit sind wichtig. Nehmen Sie das Beispiel Kontumazgarten. Vor der Umgestaltung verlief der in einer Sackgasse und es gab viele hohe Gehölze. Jetzt hat der Park mehrere Zugänge und das Grün ist so zurückgeschnitten, dass das Licht aus den Fenstern der benachbarten Häuser zu sehen ist. Das alles führt zu mehr Sozialkontrolle. Ich kann Frauen nur ermutigen, bei Bürgerbeteiligungen zu sagen, wie sie sich öffentliche Plätze wünschen.

Am Montag, 4. November, 18.30 Uhr, stellen sich bei der NN-Veranstaltung "Was sich für Frauen ändern muss" Katrin Kurr sowie die Leiterin des städtischen Personalamts, Christine Meyer, Christian Rester vom Jugendamt, Dirk Firnges von der Deutschen Bank und Kathrin S. Trump vom Institut für Diversity Management den Fragen. Der Eintritt zu der Veranstaltung im Historischen Rathaussaal, die in Kooperation mit dem Frauenbüro stattfindet, ist kostenlos. Die Veranstaltung finden Sie auch auf Facebook.

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