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Noch keine Entscheidung: VAG-Tariferhöhung wurde vertagt

Parteien wollen noch einmal verhandeln - hoher Einnahmeausfall droht - 12.06.2018 05:47 Uhr

Noch ist keine Entscheidung gefallen, ob die VAG ihre Tarife zum Jahresende anhebt. © Horst Linke


Auf Anfrage teilte Bürgermeister Christian Vogel mit, dass über die Tariferhöhung in einer Sondersitzung des Aufsichtsrats Ende Juni oder Anfang Juli entschieden werden soll: "Die Fraktionen von SPD und CSU in der Rathaus-Kooperation werden in den nächsten Tagen beraten, wie es weitergehen wird. Zum jetzigen Zeitpunkt ist alles offen." Ein Einfrieren der Preise, was sich sicherlich alle Beteiligten wünschen würden, habe weitreichende Folgen. "Der ganze VGN-Verbund würde dann vor einer Zerreißprobe stehen", befürchtet der Bürgermeister.

Die CSU-Stadtratsfraktion hatte eine Zustimmung zur Erhöhung der VAG-Ticketpreise verweigert. Es handelt sich dabei um eine routinemäßige Anhebung der Fahrscheinpreise, die Lohnerhöhungen und steigende Betriebskosten im ÖPNV ausgleichen sollen. Allein bei der VAG würde dies 2019 zu einem Einnahmeausfall von 3,8 Millionen Euro führen. Bislang ist unklar, wer das Defizit übernehmen soll. Für Vogel steht jetzt schon fest, dass die Debatte nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird: "Man sollte sich jetzt zusammensetzen und nach einer Lösung suchen – und das gemeinsam."

Umstieg vom Auto auf ÖPNV müsse extrem einfach sein

Die Erhöhung sollte auf der Grundlage der Atzelsberger Beschlüsse erfolgen, die im Jahr 2000 vereinbart worden waren. Während es bis dato keine festen Regularien für die Mitglieder im VGN gegeben hat, auf welcher Basis Ticketpreise erhöht werden, legten die Atzelsberger Beschlüsse einen tragfähigen Modus fest: Es wurde ein ÖPNV-spezifischer Warenkorb gebildet und die Preissteigerung der einzelnen Komponenten bildeten die Basis für die Erhöhung der Ticketpreise. Dieses jährliche Ritual will der CSU-Fraktionsvorsitzende Marcus König durchbrechen.

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Vor 51 Jahren entschied sich der Nürnberger Stadtrat zum Bau einer U-Bahn. 1967 haben die Arbeiten begonnen, der erste "Pegnitzpfeil" fuhr 1972 durch die Röhre. Nürnberg war damit die vierte Stadt in Deutschland - nach Berlin, Hamburg und München - mit einer Bahn unter der Erde. Unsere Bilderstrecke mit historischen Fotos nimmt Sie mit in den Untergrund.


Die JU Mittelfranken und die JU Nürnberg-Fürth-Schwabach möchten den ÖPNV neu organisieren und haben deshalb ein Eckpunktepapier beschlossen. "Wir müssen den ÖPNV ausbauen und das komplizierte Tarifsystem vereinfachen", fordert Johannes Eichelsdörfer, JU-Bezirksvorsitzender von Nürnberg-Fürth-Schwabach. Der Umstieg vom Auto auf den ÖPNV müsse extrem einfach sein. Für Konrad Körner, JU-Vorsitzender des Bezirks Mittelfranken, steht vor allem die bessere Anbindung des ländlichen Raums im Mittelpunkt: "Bis 2030 muss untertags jede Gemeinde in Mittelfranken mindestens einmal pro Stunde mit Bussen oder Bahnen angefahren werden." Nur so könne man junge Leute auf dem Land halten. Auch Nachtbusse müssten im ländlichen Bereich eingeführt werden. "Sie sind für die Jugend ein Zeichen von Lebensqualität", so Körner.

Kompliziertes Tarifsystem soll abgeschafft werden

Die Entscheidungsfindung im VGN sei zu kompliziert. "Wir brauchen einen Befreiungsschlag. Wir müssen einfacher entscheiden können", fordert Eichelsdörfer. Der VGN, so die beiden JU-Vorsitzenden, soll deshalb in eine öffentliche Trägerschaft überführt und zu einem Mobilitätsdienstleister weiterentwickelt werden. Über den VGN sollten alle Mobilitätsangebote schnell zugänglich sein.

Die Einstimmigkeit bei Entscheidungen, wie sie derzeit im VGN gilt, wollen sie abschaffen. Das komplizierte Tarifsystem des VGN soll durch wenige Tarifzonen ersetzen werden. "Jede Fahrt innerhalb einer Tarifzone kostet dann denselben Fahrpreis", erklärt Körner. Er lehnt auch das "Drängen zum Abo" ab, denn im ländlichen Raum werde der öffentliche Nahverkehr nie das alleinige Verkehrsmittel sein können. "Gelegenheitsfahrten sollen nicht länger unattraktiv gemacht werden", meint Körner. Die Digitalisierung mache es möglich, individuell abzurechnen.

Rabatte für Vielfahrer

Und wer häufiger fährt, könne Rabatt bekommen. In jedem Fall soll der günstigste Fahrpreis abgerechnet werden. Viele Anreize zum Umsteigen auf den ÖPNV seien mit einer elektronischen und automatisierten Abrechnung möglich. Einen kostenlosen Nahverkehr lehnt Körner ab, denn das sei nicht finanzierbar, aber ein Ausbau schon. "Der ÖPNV-Anteil in den Haushalten der Landkreise ist noch sehr gering", so der Nachwuchspolitiker. Sprich ausbaufähig.

Weitere Forderungen der JU sind: Wenn Senioren freiwillig ihren Führerschein abgeben, dann sollen sie ein auf sechs Monate befristetes Gratis-Abo des VGN bekommen. Inhaber einer Ehrenamtskarte könnten Rabatte erhalten. Die U-Bahn in Nürnberg soll komplett auf autonomes Fahren umgestellt werden.

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André Fischer

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