Nordwestring: Grüne wollen Spur nur für Radler und Busse

15.11.2018, 05:53 Uhr
Das ist bitterer - und gefährlicher - Alltag für Radfahrer am Nordwestring: Der Grünen-Landtagsabgeordnete Markus Ganserer demonstriert, wie dort Fahrradfahrer durch parkende Autos ausgebremst werden.

© Michael Matejka Das ist bitterer - und gefährlicher - Alltag für Radfahrer am Nordwestring: Der Grünen-Landtagsabgeordnete Markus Ganserer demonstriert, wie dort Fahrradfahrer durch parkende Autos ausgebremst werden.

Dass die angepeilte Verkehrswende schmerzhaft sein kann und Widerstand provozieren wird, ist Achim Mletzko klar. Einen Vorgeschmack hat er in seinem Knoblauchsländer Fußballverein bekommen, wo die Idee auf Kopfschütteln stieß. Allerdings ist der Klub so etwas wie politisches Feindesland. Mletzko: "Die einzigen Grünen dort sind der Rasen und ich."

Dennoch ist seine Fraktion entschlossen, den Pilotversuch im Stadtrat einzufordern. Es sind die vielen roten Stellen auf den Plänen im aktuellen "Masterplan für die Gestaltung nachhaltiger und emissionsfreier Mobilität in Nürnberg", die Mletzko alarmieren. Rot steht für zu viel Stickoxid in der Atemluft. Man könne nicht ein Gutachten in Auftrag geben und sich dann nur die Rosinen herauspicken, "die keinem wehtun", glaubt der Fraktionschef.

Tatsächlich spricht die Studie eigenen Bus- und Fahrradspuren am Ring "höchste Minderungswirkung" auf Abgase zu und hält sie für kurzfristig umsetzbar. Zunächst aber müssten Prognosen her, wie sich solche Umweltspuren auf den Autoverkehr auswirken, sagt Achim Mletzko. "Wenn der Autoverkehr dann in die Wohngebiete abhaut, macht das keinen Sinn."

Positivbeispiel Hauptbahnhof

Der Nordwestring sei für das Pilotprojekt gut geeignet, weil dort viele Fahrradwege zugeparkt würden - oder in Richtung Maximilianstraße gar nicht vorhanden seien. Wie VAG-Busse und Fahrradfahrer hier neben- oder hintereinander vorankämen, müsse vorher mit Blick auf die Fahrbahnbreite natürlich sorgfältig untersucht werden.

Dass der Radwege-Etat ab 2019 mit 3,5 Millionen Euro verdoppelt wurde, gebe mehr Spielraum für solche Experimente. "Wir müssen die Verkehrsflächen langfristig neu aufteilen, daran führt kein Weg vorbei", sagt der Stadtrat.

Ein Verkehrsinfarkt sei keineswegs programmiert. Der Masterplan verweise etwa auf die langfristige Baustelle mit weggefallener Spur vor dem Hauptbahnhof, die wider Erwarten fast keine Staus produziert habe. So, hoffen die Grünen, könne das am Ring auch funktionieren.

Erste Kritik wird laut

Die ersten Gegner gehen schon in Stellung. Während Baureferent Daniel Ulrich überzeugt ist, dass der Verkehr auf dem Ring mit nur einer Spur zusammenbrechen würde, glaubt FDP-Stadtrat Alexander Liebel, dies würde "von den Verkehrsteilnehmern als reine Schikane empfunden". Für die Radler widerspricht Jens Ott vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club: "Wir begrüßen das." Die Radwege am Ring seien generell zu knapp bemessen, Autos müssten Platz zurückgeben.

Auch wenn er grundsätzlich für eine Umverteilung des öffentlichen Raumes zuungunsten des Autos ist - das Thema einspuriger Ring sieht Prof. Harald Kipke kritisch. "Man müsste auf jeden Fall zuvor etliche Modellrechnungen durchführen", sagt der Leiter des Studiengangs Urbane Mobilität an der TH Nürnberg. Grundsätzlich sei es denkbar, den Verkehr nur auf einer Spur zu führen - wenn man für Kreuzungen eine Lösung finden und dort wieder mehrere Spuren anbieten würde. "Das größte Hindernis sind diese Knotenpunkte." Als Pilotprojekt könne er sich ein Experiment vorstellen, betont der Professor, wünscht sich aber einen anderen Weg: "Es darf nicht mehr so viele Anreize geben, mit dem Auto nach Nürnberg reinzufahren."

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