Norisring: Deshalb sollte es kein "Weiter so" geben

Nuernberg , 20.06.2016..Ressort: Politik Fotografie: Stefan Hippel..Chefredakteuere der Nürnberger Nachrichten , Michael Husarek , Portrait
Michael Husarek

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11.7.2020, 09:43 Uhr
Am Norisring demonstrieren vor allem Boliden mit Verbrennungsmotoren ihre Leistungsstärke.

Am Norisring demonstrieren vor allem Boliden mit Verbrennungsmotoren ihre Leistungsstärke. © Sportfoto Zink / JüRa, NN

Als Kind dieser Stadt bin ich mit dem Norisring groß geworden. Einmal im Jahr galt es das dreitägige monotone Brummen der Motoren auszuhalten. Wirklich schlimm war das nicht, weshalb mein Plädoyer für ein dauerhaftes Norisring-Aus auch nicht auf den Sorgen und Nöten der lärmgeplagten Anwohner fußt. Im Gegenteil: Ich finde, wer in der Großstadt lebt, muss auch Großveranstaltungen in Kauf nehmen. Es sprechen aus meiner Sicht andere, gewichtige Gründe dafür, über ein Ende des Motorsports in Nürnberg nachzudenken.


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Denn am Norisring demonstrieren vor allem Boliden mit Verbrennungsmotoren ihre Leistungsstärke. Alle Versuche, E-Autos oder andere Antriebe auf den Kurs zu schicken, würden beim Publikum mehr Kopfschütteln als Begeisterung auslösen. Denn für viele gehören der permanente Motorenlärm und die benzingeschwängerte Luft untrennbar zum Motorsporterlebnis dazu. Warum aber soll diesen Auslaufmodellen auf vier Rädern weiterhin eine innerstädtische Bühne geboten werden?


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Zum Mobilitätswandel, der in vollem Gang ist, passt dieses Spektakel jedenfalls schon lange nicht mehr. Allenfalls die Tradition könnte als Begründung für ein "Weiter so" hergezogen werden. Doch damit begeben sich Befürworter auf dünnes Eis. Schließlich sind auch die Stierkämpfe in Spanien ein seit langem gepflegtes Ritual – eine Zukunft haben sie meines Erachtens dennoch nicht.

Das Aus als Chance begreifen

Bleibt noch der geschichtsträchtige Ort, um den die Rennwagen düsen – die Zeppelintribüne. Seit Jahren propagiert die Stadt die Baufälligkeit der von den Nazis erbauten Anlage. Für viel Geld soll das Areal „trittfest“ (so lautet das von der Kommune erfundene Synonym für die aufwändige Sanierung) gemacht werden. Muss das wirklich in dem bisher gedachten Umfang geschehen?

Voll belegt ist die Zeppelintribüne genau einmal pro Jahr: beim Norisring-Wochenende. Die coronabedingte Absage des PS-Spektakels könnte also auch als Chance begriffen werden, die künftige Nutzbarkeit des NS-Erbes eine Spur kleiner zu denken. Eine Zukunft ohne den Norisring würde Nürnberg vielleicht sogar Perspektiven eröffnen.

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