Nur noch 52 Prozent: Immer weniger Christen in Nürnberg

19.10.2017, 05:49 Uhr
Blick vom Rathaus auf die Sebalduskirche und die Altstadt: Die Christen könnten in Nürnberg bald in der Minderheit sein. Der Anteil der evangelischen Bevölkerung ist  dabei noch stärker gesunken als der der katholischen.

Blick vom Rathaus auf die Sebalduskirche und die Altstadt: Die Christen könnten in Nürnberg bald in der Minderheit sein. Der Anteil der evangelischen Bevölkerung ist dabei noch stärker gesunken als der der katholischen. © Horst Linke

Die Experten im Amt für Stadtforschung und Statistik haben das Reformationsjubiläum 2017 zum Anlass genommen, einmal die Religionszugehörigkeit der Nürnberger Bevölkerung unter die Lupe zu nehmen. Und zwar gleich in dem großen Zeitraum von 1812 bis 2016. Erfasst werden bei der Meldung zum Hauptwohnsitz allerdings nur die Zugehörigkeit zur evangelischen oder katholischen Kirche, weil beide Steuern erheben können, nicht aber für andere Religionen.

Im Jahr 1812 wohnten 27.000 Menschen in Nürnberg. 95 Prozent der Bevölkerung war evangelisch, nur etwa vier Prozent katholisch. Im Jahr 1900 hatten sich die Anteile schon deutlich verschoben. Da gehörten 69 Prozent dem evangelischen Glauben an, 28 Prozent dem katholischen und zwei Prozent dem jüdischen. Ein wesentlicher Grund lag in der Industrialisierung.

Mit ihr "wuchs Nürnbergs Attraktivität und damit auch die Zuwanderung in die Stadt", schreiben die Stadtforscher. Innerhalb von 88 Jahren war die Bevölkerung auf 261.000 Personen enorm gestiegen. Und damit wuchs auch wieder der Anteil der Katholiken und Angehöriger weiterer Religionen.

Die Schere zwischen evangelischer und katholischer Bevölkerung schloss sich in den folgenden Jahrzehnten mit dem weiteren Anwachsen der Bevölkerung immer weiter. So gab es zum Zeitpunkt der Volkszählung 1970 rund 256.000 Einwohner (54 Prozent) mit evangelischer Konfessionszugehörigkeit und rund 176.000 (37 Prozent) mit katholischer.

"Mit inzwischen 41.506 Einwohnern hatte sich mit 'sonstiger' Religionszugehörigkeit eine dritte Gruppe etabliert", betonen die Autoren. Zu dieser Rubrik zählten damals auch die türkischen und griechischen "Gastarbeiter", erläutern sie. Die brachten die bis dato eher wenig wahrgenommene islamische und griechisch-orthodoxe Glaubensrichtung mit in die Frankenmetropole.

Andere Arbeitsmigranten etwa aus Italien, Portugal oder Spanien hätten wiederum die katholischen Gemeinden gestärkt. Aber auch die Zahl der Konfessionslosen habe in der Zeit stetig zugenommen.

Mittlerweile halten sich die Anteile der evangelischen Bevölkerung (143.661 Personen oder 27 Prozent) und der katholischen (130.203 oder 25 Prozent) laut Melderegister fast die Waage. Für sich genommen größte Gruppe in der Stadt sind mit 255.543 Personen (oder 48 Prozent) längst die Konfessionslosen oder Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften. "Die Verhältnisse der religiösen und konfessionellen Zugehörigkeiten der Bürger Nürnbergs haben sich in wenigen Jahrzehnten drastisch verändert", lautet ein Fazit der Stadtforscher und -statistiker. Die beiden großen christlichen Kirchen haben nach den Mitgliedern nur noch eine hauchdünne "Mehrheit" in der Stadt.

Dabei ist der Anteil der evangelischen Bevölkerung noch stärker gesunken als der katholischen. Diese Entwicklung hängt nach Aussage der Stadtforscher aber nur zum Teil mit den Kirchenaustritten zusammen. Beide Konfessionen verlieren dadurch im Schnitt zwischen 2000 und mehr Mitglieder pro Jahr. Der Trend ergibt sich vielmehr aus der geänderten Zusammensetzung der Bevölkerung durch Zuwanderung und Alterung.

Im Vergleich lag 2016 das Durchschnittsalter der gesamten Nürnberger Bevölkerung bei 43 Jahren (1970: 39 Jahre), die katholische Bevölkerung war im Durchschnitt 47 Jahre alt (1970: 38 Jahre), die evangelische 48 Jahre (1970: 40). Die übrige mit Hauptwohnsitz in Nürnberg gemeldete Bevölkerung mit einer anderen Religionszugehörigkeit ist dagegen im Schnitt 38 Jahre alt (1970: 39).

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