Nürnberg: Empörung nach Vogelmord an Adler "Dieter"

4.12.2018, 17:13 Uhr

"Dieter" war ein solcher Schreiadler. Die Art gilt als besonders bedroht. © dpa

Anfang Oktober übermittelte ein Peilsender, den Ornithologen "Dieter" umgeschnallt hatten, seine letzte Position. Er befand sich gerade in der Nähe des Dorfes Aadbil, das sich im Norden des Libanon befindet, als ihn offenbar Schüsse aus einem Jagdgewehr trafen. Das Gebiet ist nicht nur eine Hochburg des Vogelzugs, sondern auch der Wilderei im Mittelmeerraum.

"Dieter" brütete in den letzten Jahren im Landkreis Vorpommer-Rügen, wo er mit seiner Partnerin seit 2009 insgesamt drei Mal gesunde Küken zur Welt brachte. Besonders tragisch: Erst im Sommer diesen Jahres wurde er noch einmal Vogel-Vater, ehe er wenige Monate später abgeschossen wurde. Ornithologen hatten "Dieter" im Jahr 2009 einem Peilsender umgeschnallt, mit dem sie seitdem seine Flugbewegungen verfolgten - darunter auch den jährlichen Zug ins Winterquartier im Libanon.

Tausende Tötungen

Naturschützer gehen davon aus, dass dort jedes Jahr etwa 5000 Schreiadler getötet werden, wie das Komitee gegen den Vogelmord e. V. vermeldet. Die Schätzung beruht unter anderem auf Funden abgeschossener Adler, Augenzeugenberichten, Daten beringter und besendeter Vögel und Trophäenfotos von Wilderern. Das Komitee gegen den Vogelmord fordert jetzt einen stärkeren politischen Druck auch aus der Europäischen Union auf die Regierung im Libanon.

"Denn in zahlreichen Ländern der EU werden mit erheblichen Summen Maßnahmen zum Erhalt der Art unterstützt. Diese verpuffen aber buchstäblich im Pulverdampf der Vogeljäger“, kritisieren Thomas Krumenacker und Axel Hirschfeld, Autoren des "Falken", einem Journal für Vogelbeobachter.

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