Nürnberg: Kommkino erinnert an "Dogma 95"

17.2.2020, 11:38 Uhr
Ebenfalls im Kommkino zu sehen: „Idioten“ von Regisseur Lars von Trier. Er erzählt von der Auflehnung gegen die bürgerlichen Vorschriften und Verhaltensweisen.

Ebenfalls im Kommkino zu sehen: „Idioten“ von Regisseur Lars von Trier. Er erzählt von der Auflehnung gegen die bürgerlichen Vorschriften und Verhaltensweisen. © Foto: Nimbus Film Productions

Am 13. März ist es 25 Jahre her, dass vier Regisseure aus Dänemark ein Manifest mit dem Namen "Dogma 95" unterzeichneten: Lars von Trier, Thomas Vinterberg, Søren Kragh-Jacobson und Christian Levring. Dem Quartett schien damals das Kino nicht nur in Hollywood, sondern auch in Europa zur reinen Illusionsmaschine degeneriert zu sein, die mit der Abbildung des echten Lebens nichts mehr zu tun hatte; heute würden sie dafür vielleicht den Begriff "Fake-Kino" verwenden . . .

Tags darauf traten sie mit ihrem Manifest in einem Pariser Theater vor die Öffentlichkeit und stellten die zehn Gebote vor, denen sich Filme ab sofort zu unterwerfen hätten. "Keuschheitsgelübde" nannten sie es. Der Ort war nicht zufällig gewählt – Frankreich gilt mit Pionieren wie den Brüdern Lumière und Georges Méliès als Geburtsland des Kinos.

Ab sofort, so hieß es in den mit heiligem Ernst vorgetragenen Regeln, sollte beispielsweise kein künstliches Licht verwendet werden, der Film dürfe keine "oberflächliche Action" enthalten und keine Spezialeffekte, gefilmt werden solle nur noch mit Handkamera. Letztere sorgte für wacklige Bilder und bei den Zuschauern in den ersten Kinoreihen für Schwindelanfälle; aber okay, es war ja für die Kunst.

In der Realität hielt sich kaum ein Regisseur an die neue Religion, bald wurden die ersten Jünger abtrünnig. Kreativität braucht Freiheit, und Illusionen waren schon immer Teil des Kinos. 2005 erklärten die Dänen ihr Konzept für beendet.

„Das Fest“ von Thomas Vinterberg war der erste Film, der sich den Geboten von „Dogma 95“ verschrieb – ein intensives Drama über sexuellen Missbrauch.

„Das Fest“ von Thomas Vinterberg war der erste Film, der sich den Geboten von „Dogma 95“ verschrieb – ein intensives Drama über sexuellen Missbrauch. © Foto: Nimbus Film Productions

Neue Impulse hatte der Vorstoß aber durchaus gegeben. Das Kommkino (Künstlerhaus, Königstr. 93) erinnert nun mit vier Filmen an eine Bewegung, die so abwegig nicht war – man denke nur an das uninspirierte Kino, das seinerzeit in Deutschland dominierte. Vom 18. bis 21. Februar sind "Das Fest" von Thomas Vinterberg, "Mifune" von Kragh-Jacobsen, "Idioten" von Lars von Trier und "Open Hearts" von Susanne Bier zu sehen; "Dogma"-Filme, die noch heute zeigen, wie intensiv ein Film sein kann, der sich einer Ästhetik der Ablenkung verweigert, um sich stattdessen auf die Kraft zurückgenommener Stilmittel zu besinnen.

Infowww.kommkino.de

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