Ungewöhnlicher Gast

Nürnberg: Plötzlich steht ein Pfau vor der Tür - wer vermisst das Tier?

Marco Puschner

Lokalredaktion Nürnberg

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7.8.2022, 16:48 Uhr
Ein Pfau vor der Tür: Überraschender Besuch für einen Nürnberger in Thon.

© Anton Wörner Ein Pfau vor der Tür: Überraschender Besuch für einen Nürnberger in Thon.

Fast möchte man die Floskel "staunte nicht schlecht" verwenden: Jedenfalls war Anton Wörner doch ziemlich verdutzt, als er am Donnerstag in sein Haus im Nürnberger Stadtteil Thon zurückkehrte - stand doch dort urplötzlich ein Blauer Pfau.

Durch die Terrasse rein

"Ich war zuvor im Garten und hatte die Terrassentür offengelassen. Da muss er rein sein", vermutet der 72-Jährige. Es gelang Wörner, seinen Überraschungsgast Richtung Garten zu komplimentieren. Doch am Freitag sei der Pfau wieder ins Haus geschlüpft: "Er stand dann in der Diele und hat sich ausgiebig im Spiegel betrachtet."

Momentan befinde sich der Vogel wieder im Garten, erzählt Wörner. "Ich weiß natürlich nicht, wie lange er noch dableibt." Seine Anrufe bei Tierheim und Tiergarten seien erfolglos gewesen: "Die haben gesagt, dass sie nicht zuständig sind."

Auch im Haus hat sich der Pfau schon umgesehen. 

Auch im Haus hat sich der Pfau schon umgesehen.  © Anton Wörner

Das bestätigt für den Tiergarten der stellvertretende Direktor Jörg Beckmann. "Wir dürfen nur Eulen, Greifvögel und Störche in unserer Auffangstation aufnehmen." Das sei durch das Veterinäramt so geregelt.

Diese Auflagen gebe es, um die Bewohner der Anlage am Schmausenbuck zu schützen. "Wir haben ja selbst genügend Tiere", sagt Beckmann schmunzelnd. Er hofft für Wörner und den Pfau, dass sich ein Besitzer meldet. "Irgendwem muss er ja gehören."

Haltung abgeschafft

Die Haltung von Pfauen habe der Nürnberger Tiergarten eingestellt. "Das war vor meiner Zeit", sagt Beckmann. Aber seiner Kenntnis nach habe das mit der Vogelgrippe zu tun gehabt, die eine Stallpflicht für alle Vögel zur Folge hatte. "Das ist bei Pfauen schwierig, das sind Freigänger."

Dass die Tiere als Freigänger gerne auch mal die Zoogrenzen ignorieren und in der Nachbarschaft unterwegs sind, mache die Haltung des imposanten Federviehs für Tiergärten generell nicht gerade einfach, erläutert Beckmann.

Wörner berichtet, dass er auf Anraten des Tierheims beim Veterinäramt angerufen habe, das ihn wiederum an die Polizei verwies. Bisher sei aber niemand ausgerückt, den Pfau einzufangen. Tiergarten-Vize Beckmann hat zumindest noch einen Tipp: "Nicht füttern. Sonst bleibt er nämlich da."

Großer Baum als Schlafplatz

Doch genau das macht der 72-Jährige. Er versorgt das Tier mit Obst, damit es wieder kommt. Denn tagsüber ist der Pfau stundenweise verschwunden, abends schläft er auf einem großen Baum im Garten. Wörner: „Es liegt mir am Herzen, dass der Pfau dort hinkommt, wo er hingehört – sicher nicht in die Stadt.“

Als Reaktion auf unseren Online-Aufruf hat sich ein Wendelsteiner mit einer kleinen Pfauen-Zucht gemeldet. Falls der Besitzer nicht gefunden wird, würde er das Tier einfangen und abholen.

Wer den Pfau vermisst, kann sich unter redaktion-nuernberg@vnp.de melden, wir vermitteln den Kontakt.

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