"Mentor" startet neu

Nürnberg: Wie Lesenlernen Kindern psychisch helfen kann

3.8.2021, 12:00 Uhr
Lesen lernen mit Erwachsenen (wie hier an einer Schule in Bremen): Das Programm

Lesen lernen mit Erwachsenen (wie hier an einer Schule in Bremen): Das Programm "Mentor" kümmert sich auch in Nürnberg um Grundschüler, die beim Lesen Unterstützung brauchen. © imago images/epd

Der frühere Grundschulleiter Peter Gruber hatte einen leicht verhaltenauffälligen Jungen als Lesepartner: "Er war der ,negative Star' der Klasse, es gab immer wieder Auseinandersetzungen mit den Mitschülern." Gruber las mit ihm eine Schulstunde pro Woche einen Text, den sich der Bub ausgesucht hatte - während seine Mitschüler Unterricht hatten.

"Du bist mein bester Freund"

Der erfahrene Pädagoge nahm nicht nur die Fortschritte beim Lesen wahr. Er spürte auch, wie die persönliche Zuwendung das Selbstbewusstsein des Heranwachsenden stärkte. Es tat dem Grundschüler psychisch gut, dass sich jemand eine Schulstunde lang nur um ihn kümmerte. "Einmal sagte er: ,Herr Gruber, du bist mein bester Freund'", berichtet der Leselernhelfer.


Schule und Corona: ein schwieriges Kapitel


Im Januar 2019 hatte er mit 40 weiteren Erwachsenen das bundesweit existierende "Mentor"-Programm in Nürnberg gestartet. Eine Schulstunde pro Woche ein Jahr lang - das war der zeitliche Aufwand, mit dem die ehrenamtlichen Leselernhelfer den Grundschülern Spaß am Lesen vermitteln wollten.

Deutlicher Unterschied

Doch bereits wenige Wochen später war weitgehend Schluss: Wegen der Corona-Pandemie schlossen die Schulen ihre Türen. Manche Lesementoren arbeiteten digital weiter. Seit kurzem ist auch wieder Präsenz möglich, natürlich unter Wahrung der AHA-Regeln. "Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht", meint Gruber, "wenn man sich direkt gegenüber sitzt, kommt man ganz anders rüber als beim Bildschirm."

Im September soll das "Mentor"-Programm wieder voll starten. Von den einst 40 Lesetrainern haben sich bisher 15 auf Grubers Anfrage hin zum Weitermachen bereit erklärt. Er hofft noch auf Rückmeldungen, sucht aber auch neue Ehrenamtliche für die Aufgabe. Bei der Altenakademie im Oktober stellt er das Projekt erneut vor.

Dank an Sponsoren

Der Pädagoge bedankt sich herzlich bei den Sponsoren, die das Vorhaben finanziell unterstützt haben: wbg, Lions Club, Inner Wheel, Bürgerstiftung und zuletzt Buchhaus Thalia, das gerade wieder 1000 Euro gespendet hat.

"Mentor" hat zwar einen umfangreichen Bücherfundus, aus dem die Kinder auswählen können. Doch auch digitales Rüstzeug wie Laptop, Verbindungskabel und separater Bildschirm sind notwendig, um gegebenenfalls auf Distanz wieder lesen zu üben.


Leseförderung einmal anders


Besonders gefragt sind bei den Mädchen übrigens Pferdegeschichten, die Jungen stehen mehr auf Fußball-Erzählungen oder Artikel über den 1. FC Nürnberg. An den Lesestunden beteiligen sich etwa gleich viele Schülerinnen wie Schüler.

Bei den Mentoren sind es dagegen drei Viertel Frauen und ein Viertel Männer. Gerade männliche Leselernhelfer könne man noch brauchen, meint Gruber, weil die Kinder in den Grundschulen fast nur weibliches Lehrpersonal erleben. Aber natürlich ist bei Mentor jeder interessierte Erwachsene willkommen.

Wer als Leselernhelfer aktiv werden will, kann sich per E-Mail melden: info@mentor-nuernberg.de

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