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Nürnberger Epitaphienkunst soll Weltkulturerbe werden

Dagmar Wöhrl bringt Bewerbung bei der Unesco auf den Weg - 16.10.2015 21:59 Uhr

Thomas Weitzenfelder und Dagmar Wöhrl beobachten Epitaphienkünstler Thomas Haydn bei der Arbeit. © Roland Fengler


„Uns liegt ein Kulturschatz zu Füßen!“, betont die Nürnberger Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Staatssekretärin a.D., Dagmar G. Wöhrl.

Im Wandel der Zeit: Auch das Aussehen der Epithaphien hat sich über die Jahrhunderte weiterentwickelt. © Roland Fengler


Gemeinsam mit Epitaphienkünstler Thomas Haydn, Stadtheimatpflegerin Claudia Maué und Thomas Weitzenfelder, Vertreter des künftigen Fördervereins zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der Nürnberger Epitaphienkultur, bringt sie die Bewerbung bei der Unesco bis 30. Oktober auf den Weg. Die Epitaphienkultur soll damit bewahrt und die Epitaphienkunst auch unter den Nürnberger Bürgern bekannter werden.

„Über einen Zeitraum von 500 Jahren präsentieren sich in Nürnberg auf engstem Raum Tausende von Epitaphien in einem geschlossenen Ensemble“, schildert Haydn die einzigartige Situation. Bis in die Gegenwart hinein entstehe so „ein Buch, in dem man Stadtgeschichte lesen kann“, erläutert er. Die Bewerbung allerdings, die zunächst auf Landesebene reüssieren muss, bevor sie auf Bundesebene und schließlich international bestehen könnte, forderte den Antragstellern einiges ab: „Das ist recht komplex“, umschreibt Haydn die vielen Kriterien, die erfüllt sein wollen.

Verein zum Erhalt der Epitaphienkultur

Neben Erläuterungen und Begründungen müssen auch zwei qualifizierende Empfehlungsschreiben beiliegen – verfasst von Frank Matthias Kammel, Leiter der Skulpturensammlung des Germanischen Nationalmuseums und Peter Fleischmann, Leiter des Staatsarchivs Nürnberg. In wenigen Wochen soll zudem ein Förderverein zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der Nürnberger Epitaphienkultur gegründet werden. „Diese lebende Tradition ist Teil der DNA dieser Stadt – die Friedhöfe werden erst durch die Epitaphien zum Ereignis!“, so Weitzenfelder.

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"Kein Ort wie jeder andere" ist in diesem Jahr das Motto des Tages des Friedhofs. Friedhofsgärtner und -verwaltungen, Bestatter und Religionsgemeinschaften haben ihn 2001 ins Leben gerufen, um diesen teilweise mystisch und unheimlich wirkenden Ort den Menschen wieder näher zu bringen. Friedhof ist dabei nicht gleich Friedhof. In und um Nürnberg gibt es die unterschiedlichsten Begräbnisstätten.



Eine Konkurrenz zu anderen örtlichen Unesco-Bewerbungen sieht Dagmar Wöhrl nicht. „Hier geht es um immaterielles Kulturerbe“, verweist sie auf den Bereich der Bewerbung. „Zu diesem Punkt gibt es aus Nürnberg bislang nichts. Die Stadt hat mit dieser Bewerbung auch nichts zu tun.“Der Begriff „immaterielles Kulturerbe“ umfasst lebendige Ausdrucksformen kulturellen Erbes, wie Bräuche, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten, die Gruppen, Gemeinschaften oder auch Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes ansehen.

2003 wurde das Unesco-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes beschlossen; am 10. Juli 2013 trat die Bundesrepublik bei.

Anabel Schaffer

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