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Nürnberger Erzieherin betreut heute drei statt 130 Kinder

Es sei plötzlich "so merkwürdig still" - Volkert hat großen Respekt vor Eltern - 31.03.2020 09:11 Uhr

Hat Respekt vor Eltern, die jetzt auch Lehrer und Erzieher sind: Verena Volkert. © Foto: privat


Normalerweise geht es in unserem "Haus für Kinder" jeden Tag extrem wuselig zu. Wir haben hier 130 Plätze, und meistens sind bis auf ein paar, die wegen Krankheit fehlen, alle Kinder da.

Die Kleinsten sind Kindergartenkinder ab zwei Jahren und neun Monaten und die Größten Viertklässler, die bei uns den Hort besuchen. Aktuell haben wir drei Kinder in der Notbetreuung. Und plötzlich ist es in unserem großen Haus so merkwürdig still.

Freitag, der 13 März, war der letzte Tag, an dem wir für alle Kinder geöffnet hatten. Eigentlich hatte ich da frei, aber ich wusste, dass ich besser zur Arbeit gehe. Es war bislang der emotional anstrengendste Tag. Die Eltern kamen alle mit vielen Sorgen und Fragen auf uns zu. Wir konnten nicht auf alles eine Antwort geben. Und nicht alle Eltern hatten für die Schließung der Kita Verständnis. Wie überhaupt die Reaktionen recht unterschiedlich waren.


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Manche Eltern waren extrem frustriert und fragten: "Was mache ich die ganzen fünf Wochen mit meinem Kind?" Andere sahen es eher positiv und meinten, sie hätten dann endlich mal Zeit, mit den Kindern ein Brettspiel zu Ende zu spielen. Klar: Es kommt sehr auf die jeweiligen Lebensumstände in den Familien an.

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Seit Montag, 16. März, ist unser Haus nur noch für die Notbetreuung von Kindern geöffnet, deren Eltern in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten und deshalb nicht zu Hause bleiben können. Am ersten Tag war das gerade mal ein Kind, später zwei, momentan betreuen wir drei Kinder. Unser Erzieherinnen-Team – insgesamt sind wir neun Stammkräfte plus vier Praktikantinnen – hat das genutzt, um alles mal komplett rauszuräumen, zu putzen und wieder einzuräumen. Das haben wir sonst nie geschafft.

Außerdem konnte man endlich mal in Ruhe und ohne Zeitdruck alle Büroarbeiten erledigen. Das war auch sehr angenehm. Seit vergangener Woche haben wir uns in zwei Teams aufgeteilt. Eines arbeitet hier, das andere ist auf Abruf zu Hause, arbeitet Bastel-, Spiel- und Lernmaterial aus, das wir den Eltern zur Verfügung stellen.


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Die drei Kinder, die wir derzeit in der Einrichtung betreuen, genießen das schon sehr, dass wir jetzt so viel Zeit für sie haben. Und dass es so ruhig ist. Ihre Eltern arbeiten alle in Gesundheits- beziehungsweise Pflegeberufen, machen da gerade einen Knochenjob und sind dankbar, dass ihre Kinder bei uns gut versorgt sind. In den nächsten Tagen werden noch ein paar Kinder mehr zu uns kommen, weil die Politik beschlossen hat, die Notbetreuung auch zu ermöglichen, wenn nur ein Elternteil einen Pflegeberuf ausübt. Ich finde das auch gerechtfertigt.

Eines muss ich auch noch sagen: Ich ziehe den Hut vor Eltern, die momentan im Homeoffice zu Hause arbeiten und daneben für ihre Kinder Erzieher und Lehrer gleichzeitig sind. Vielleicht wächst bei manchen in dieser Zeit der Respekt vor unserer täglichen Arbeit. Aber bei den meisten ist der ohnehin schon da.


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Protokoll: HANS-PETER KASTENHUBER

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