Tourismus in Corona-Zeiten

Nürnberger Hotels profitieren von den Lockerungen noch nicht

8.5.2021, 05:57 Uhr
Auch der Tiergärtnertorplatz lockt in normalen Zeiten viele Touristen an.

Auch der Tiergärtnertorplatz lockt in normalen Zeiten viele Touristen an. © Stefan Hippel, NNZ

Peter Löw hat mitgezählt. Seit 185 Tagen ist seine Branche im Lockdown, die Schließung während der ersten Corona-Welle ist da noch nicht einmal berücksichtigt. Zwar kann der Chef des Ringhotels Loew's Merkur immer mal wieder einige Geschäftsreisende begrüßen, doch von einem normalen Betrieb ist sein Haus, wie alle anderen Betriebe in der Stadt, noch meilenweit entfernt.

"Das Geschäft dümpelt auf niedrigstem Niveau vor sich hin", sagt Löw und hat gleich die passenden Zahlen parat. Im Januar zählten die Statistiker 29.000 Übernachtungen in Nürnberg, vor einem Jahr waren es dagegen 237.000. Ähnlich im Februar, hier brachen die Übernachtungszahlen von 247.000 im Vorjahr auf aktuell 36.000 ein. Immerhin, ein kleines Licht am Ende des Tunnels sei mittlerweile zu sehen, sagt der Hotelier. "Aber an Pfingsten wird Nürnberg wohl noch zu bleiben." Wenigstens die versprochenen Zuschüsse seien mittlerweile größtenteils angekommen, aber ohne Privatkredit käme er trotzdem nicht über die Runden. Und er vermutet, dass die Lage für Städte wie Nürnberg schwierig bleiben wird, auch wenn die Unterkünfte öffnen dürfen. "Die Leute wollen eher ans Meer und in die Natur."

Ganz so skeptisch ist Daniela Hüttinger nicht, sie rechnet mit einem Nachholeffekt. "Ich gehe davon aus, dass das Reisen wieder boomen wird", sagt die Chefin des Hotels "Drei Raben", die auch Mitglied im Vorstand des Hotel- und Gaststättenverbandes ist. Schon 2022, so hofft sie, könne die Branche wieder "zu alter Stärke" zurückfinden. Aktuell ist die Lage jedoch auch aus ihrer Sicht desolat. Man habe die Hotellerie überhaupt nicht mehr auf dem Schirm gehabt, sagt Hüttinger. "Es ist erstaunlich, wie schnell eine Gesellschaft akzeptiert, dass ein kompletter Berufsstand nicht mehr arbeitet." Dabei wären Öffnungen mit den entsprechenden Hygienekonzepten längst möglich gewesen, sagt Hüttinger. So aber fürchtet sie, dass etlichen Betrieben in naher Zukunft auch die Fachkräfte fehlen werden. Schon vorher sei das Personal knapp gewesen. "Und jetzt kann man noch gar nicht absehen, wie viele Mitarbeiter abgesprungen sind."

Immerhin, die Nachfrage steige derzeit wieder leicht an, sagt Omar Schmelzer, der mit seinem Hotel Melter auch auf Gäste setzt, die sich selbst versorgen: Die Apartments sind mit Küchen ausgestattet. Drei Monate lang, von Dezember bis Februar, war sein Haus geschlossen, jetzt sind wieder Geschäftsreisende zu Gast. Im Sommer rechnet Schmelzer außerdem mit Touristen, doch werden aus seiner Sicht vor allem viele ausländische Gäste fehlen. Der Hotelier hofft, dass die Impfungen dazu beitragen, dass die Inzidenzen wenigstens bis Mitte Juni unter die entscheidende Grenze sinken werden - schließlich soll bald auch sein zweites Hotel im Augustinerhof samt großem Gastronomiebereich an den Start gehen.


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Auch Falk Bartels steht quasi in den Startlöchern. Er leitet das neue Leonardo Royal im Tafelhofpalais, das Ende des Monats öffnen soll. Eine gewisse Erleichterung angesichts der Lockerungen sei zwar da. "Aber ich hätte mir Öffnungen unabhängig von der Inzidenzzahl gewünscht." So sei das Geschäft schwer planbar.

Die Neuerungen seien immerhin "ein schönes Signal, auch für die Mitarbeiter", sagt Christoph Holzhauer, Direktor des Le Méridien Grand Hotel. Wichtiger wäre ihm aber eine Perspektive für das Tagungsgeschäft. Die Nachfrage sei groß, "wir haben sehr viele Anfragen von Firmen". Und im vergangenen Jahr habe man bewiesen, dass Veranstaltungen mit dem entsprechenden Hygienekonzept funktionieren. "Man kann berufliche Treffen nicht mit einem Discobesuch verglichen", sagt Holzhauer. "Aber diese Differenzierung findet nicht statt."


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Auch Yvonne Coulin hofft auf das Messegeschäft, das für den Nürnberg-Tourismus eine große Rolle spielt. "Es ist wichtig, dass hier eine Öffnungsstrategie kommt", sagt die Leiterin der Congress- und Tourismuszentrale. Für Privatbesucher sei zudem eine klare Informationspolitik wichtig. "Der Kunde will genau wissen, was er darf und was nicht." Außerdem müssten sämtliche Anbieter auf digitale Buchungssysteme setzen, etwa, wenn es um Eintrittskarten und bestimmte Zeitfenster für den Besuch eines Museums geht. "So etwas muss ich digital lösen können."

Die Nürnberger Stadtführer haben sich darauf schon vorbereitet, ihre Führungen lassen sich digital buchen. Nur wann die Besucher das System nutzen können, wissen die Gästeführer noch nicht. "Wir haben überhaupt keine Informationen", sagt Antje Schirmer vom Verein der Gästeführer. "Dabei haben wir uns schon einige tolle Sachen überlegt." Viele Fahrradtouren stehen auf dem Programm, auch der 550. Geburtstag Albrecht Dürers soll gewürdigt werden. Doch noch ist kein Starttermin in Sicht. Deshalb überwiege derzeit der Frust, sagt Schirmer. "Wir sind verzweifelt."