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Nürnberger S-Bahn: Gewerkschaft warnt vor "Fiasko"

Umstrittene Vergabe an Briten: Zieht die Bahn vor das Oberlandesgericht? - 04.08.2016 08:19 Uhr

Der RegioPanter kommt: So könnten die S-Bahnen in und um Nürnberg ab 2018 aussehen.

© Skoda


Die Entscheidung der Vergabekammer war laut eines Betriebsrats von DB Regio Franken "ein Schlag vor den Kopf" für die Mitarbeiter. Dort wurde am vergangenen Freitag der Einspruch von DB Regio zurückgewiesen, den Betrieb des Nürnberger S-Bahn-Netzes ab 2018 an das Unternehmen National Express zu vergeben. Im vergangenen Frühjahr hatte die Vergabekammer noch anders entschieden und NX wegen finanzieller Ungereimtheiten vom Wettbewerb ausgeschlossen. In der nächsten Instanz gab das Münchner Oberlandesgericht der für die Ausschreibung zuständigen Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) auf, das Angebot NX nochmals zu überprüfen. Daraufhin erhielt NX erneut den Zuschlag, was die Vergabekammer jetzt billigte.

Bayerns Regio-Chef Hansrüdiger Fritz hat bisher aber nur erklärt, dass die Juristen einen Einspruch prüfen werden. In jedem Fall würden die 450 Mitarbeiter der S-Bahn in Nürnberg jetzt aber das klare und schnelle Bekenntnis erwarten, dass die DB-Spitze nichts unversucht lässt und erneut vor das OLG zieht, so der Betriebsrat. Bei der Verunsicherung der Belegschaft spielt wohl auch der Blick auf die Münchner S-Bahn eine Rolle.

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Hier hatte sich die BEG, die im Auftrag des Freistaats den Nahverkehr auf der Schiene ausschreibt und finanziert, zuletzt dazu entschieden, das Netz vorerst nicht aufzuteilen und im freien Wettbewerb zu vergeben. Erst wenn die zweite Stammstrecke fertig ist und eine neue Fahrzeugflotte mit 300 Zügen zur Verfügung steht, soll es so weit kommen. Bis dahin wird wohl die DB am Zug bleiben.

Das Versprechen von der Mitgliederversammlung

So fühlen sich viele Nürnberger Bahn-Mitarbeiter offenbar als Opfer eines überzogenen Wettbewerbs in Franken. Auch vor diesem Hintergrund fordert Frank Hauenstein von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ebenfalls von DB Regio, die bereits zur Hälfte abgelaufene, zweiwöchige Beschwerdefrist nicht verstreichen zu lassen. Schließlich sei den Beschäftigten in der Vergangenheit bei einer Mitgliederversammlung versprochen worden, dass alle rechtlichen Mittel ausgeschöpft würden. Alles andere "würde auf absolutes Unverständnis stoßen".

Hauenstein warnt auch erneut vor einem "Fiasko" für die Pendler. "Egal, wer hier in Zukunft fährt, der Betriebsstart wird nicht ohne Schwierigkeiten funktionieren." Damit spielt Hauenstein auch auf den missglückten Start von National Express im vergangenen Dezember in Nordrhein-Westfalen an. Tatsächlich reißt dort die Kritik von Fahrgästen auf den beiden von NX betriebenen Linien nicht ab. Auch die dortigen Aufgabenträger erklärten jetzt, die Probleme seien nicht mehr zu tolerieren.

NX-Geschäftsführer Tobias Richter relativiert auf Nachfrage die Kritik. Insgesamt sei die Betriebsqualität aber "besser als ihr Ruf". In Nordrhein-Westfalen kämpfe das Unternehmen vor allem auch mit den vielen und zu spät von DB Netz gemeldeten Baustellen und dem allgemein schlechten Zustand der Infrastruktur, der mit Bayern nicht vergleichbar sei.

Arno Stoffels E-Mail

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