Verlust für den Stadtpark

Nürnbergs gestohlener Frosch: Eine Spur führt nach Fürth

6.8.2021, 17:13 Uhr
Im Fürther Stadtpark steht ein ganz ähnlicher Bronze-Frosch.

Im Fürther Stadtpark steht ein ganz ähnlicher Bronze-Frosch. © Hans-Joachim Winckler/VNP

Seit kurzem steht das Kunstwerk "Faun und Frosch" aus dem Nürnberger Stadtpark ohne die beliebte Erdkröte da. Irgendjemand hat sie einfach entwendet, die Stadt hat Anzeige bei der Polizei wegen Diebstahls erstattet. Auf die Nachricht hin haben etliche Park-Besucher ihrer großen Enttäuschung und ihrem Ärger über den Frosch-Dieb Luft gemacht.

Frosch weckt Erinnerungen

Ein Rentner wollte sogar 500 Euro ausloben, um den Frosch wieder an seinen ursprünglichen Aufstellungsort zurück zu bringen. Die Mögeldorferin Angelika W. erinnert sich an ihre Kindheit: "In den 1960ern habe ich dem Frosch oft am Kopf gestreichelt. Wenn ich mit meiner Mutter im Stadtpark war, mussten wir immer dorthin. Das war unser Ritual!" Eine weitere Zeitungsleserin berichtet, dass sie das Kunstwerk auf ihrem täglichen Schulweg gesehen hat: "Ich habe den Frosch richtig gern gemocht."

Für etliche Kinder-Generationen war das Bronze-Tier der 1994 in Fürth verstorbenen Künstlerin Gudrun Kunstmann ein beliebtes Maskottchen. Die knuffige Form, die großen Augen, der kleine Wasserstrahl, der aus seinem Maul spritzte, machte den Mini-Brunnen zu etwas Besonderem.

Eine Seniorin: "Sollten etwa die Fürther ..."

Eine Seniorin, die namentlich nicht genannt werden will, glaubt, den Frosch (oder ein fast identisches Exemplar) beim Spaziergang im Fürther Stadtpark entdeckt zu haben. "Sollten etwa die Fürther ...", beginnt sie ihren Satz, lässt ihn aber unvollendet. Nein, die Bewohner aus der Nachbarstadt haben ihn natürlich nicht geklaut. Genauso wenig, wie das Bronze-Geschöpf von allein aus dem Nürnberger in den Fürther Stadtpark gehüpft ist.

Da war das Kunstwerk

Da war das Kunstwerk "Faun und Frosch" im Nürnberger Stadtpark noch komplett. Seit kurzem ist die Erdkröte verschwunden. © Mathias Orgeldinger / Tiergarten Nürnberg

Landschaftsplanerin Birgit Auerswald, die für den Unterhalt der Grünflächen in der Kleeblatt-Stadt zuständig ist, hat eigens in den Archiven gekramt. Der Froschbrunnen mit Vogelhaus wurde dort zur Gartenschau 1951 aufgestellt, seither freuten sich die Fürther daran. "Ich selbst kenne ihn schon seit 21 Jahren, seit ich im hiesigen Grünflächenamt arbeite", berichtet sie.

In der Tat sieht der Fürther Bronze-Frosch dem verschwundenen Nürnberger Exemplar recht ähnlich. Ob allerdings die Fränkin Gudrun Kunstmann die Schöpferin ist, verraten die alten Aufzeichnungen nicht.

Probleme mit Schaum und Farbe

Allerdings haben auch die Fürther ihre Probleme mit dem Kunstwerk: "Ein 'sehr aktiver' Unbekannter hat vor Jahren mehrfach Farbe oder Schaum eingebracht, so dass das Brunnenwasser ganz farbig oder voller Schaum war", berichtet Auerswald, "das hat genervt, nachdem es immer wieder passiert ist. Daher haben wir den Brunnen vor zwei Jahren stillgelegt."

Sie hofft, dass der zeitliche Abstand genügt und man den Frosch in Kürze wieder sprudeln lassen kann.

"Vandalismus hat zugenommen"

Auch Stephan Fink, Leiter des Nürnberger Hochbauamts und unter anderem zuständig für die städtischen Brunnen, kennt das Vandalismus-Problem. "Wir haben auch mit Verschmutzungen und Sprühaktionen zu kämpfen. Und leider muss ich feststellen, dass es zugenommen hat."

Große Hoffnung, dass der verschwundene Bronze-Frosch wieder in den Stadtpark zurückkehrt, macht er sich nicht: "Wir warten die polizeilichen Ermittlungen ab. Aber leider sind unsere Erfahrungen mit Vandalismus nicht gut. Oft verläuft es sich im Sand."

Trotzdem will er den verwaisten Faun im Stadtpark nicht allein lassen. Es sei durchaus denkbar, einen Abguss anfertigen zu lassen, sagt sein Mitarbeiter Andreas Wissen. Dazu könnte man mit den Fürther Kollegen Kontakt aufnehmen, falls der Nürnberger Frosch nicht mehr auftaucht.

Skulpturen im Tiergarten

Eine weitere Möglichkeit ist, beim Tiergarten anzuklopfen. Gudrun Kunstmann hat viele ihrer Tier-Skulpturen dem Zoo am Schmausenbuck vermacht. Die Künstlerin war nämlich der Tierwelt sehr zugetan. Etliche ihrer Werke sind auf dem weitläufigen Gelände aufgestellt, aber einige werden noch im Depot des Tiergartens verwahrt. Vielleicht findet sich auch dort etwas Passendes.

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