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Nürnbergs Linke startet Bürgerbegehren für 365-Euro-Ticket

"Es ist einfach zu wenig passiert bisher", sagt Mit-Initiator Felix Heym - 06.11.2019 18:41 Uhr

Die Nürnberger Linke hat ein Bürgerbegehren für ein 365-Euro-Jahresticket in Nürnberg gestartet. © Michael Matejka


Das sagt Titus Schüller, Linken-Stadtrat und erster Vertreter des Bürgerbegehrens. Das Thema 365-Euro-Ticket gärt seit Jahren in der Stadt. Die Linke Liste, zu der die Partei Die Linke bis vor Kurzem noch gehörte, forderte in der Vergangenheit regelmäßig ein billigeres und einfacheres Tarifsystem nach dem "Wiener Modell". Dort kann man für einen Euro pro Tag die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen.

Anfangs wurden die Nürnberger Befürworter dieses Modells von manchen belächelt, doch mittlerweile ist diese Forderung auch bei den großen Parteien angekommen, wenn auch in unterschiedlichen Ausprägungen. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens werten manche Aussagen der politischen Konkurrenz allerdings als "Sonntagsreden" und haben vor allem eines nicht mehr: Geduld. "Es ist einfach zu wenig passiert bisher", sagt Mit-Initiator Felix Heym. "Wir wollen das 365-Euro-Ticket zeitnah und wir wollen es nicht nur für Schülerinnen und Schüler, sondern für alle Menschen", ergänzt Schüller.

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"Das wird kein Spaziergang, sondern ein Kraftakt"

Das 365-Euro-Jahresticket soll zusätzlich zu den bestehenden VAG-Tarifen kommen. Daneben fordern die Initiatoren auch ein 15-Euro-Monatsticket für Schüler, Studierende, Alleinerziehende oder Aufstocker, also für Menschen mit geringem oder keinem Einkommen. "Für uns ist das vor allem eine soziale Frage", erklärt Schüller. Öffentliche Verkehrsmittel sollten für alle bezahlbar sein. Wird der Preis attraktiver, steigen mehr Menschen auf die öffentlichen Verkehrsmittel um, so seine Hoffnung. "Das ist ein Beitrag zum Umweltschutz." Die Initiatoren des Bürgerbegehrens müssen rund 15.500 Unterschriften in Nürnberg sammeln, um einen Bürgerentscheid beantragen zu können. "Das wird kein Spaziergang, sondern ein Kraftakt", meint Schüller. "Aber wird sind optimistisch." Die Stadt gehört zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg.


Bald 365-Euro-Ticket in Nürnberg? "Ich wäre sofort dabei"


Theoretisch hat Nürnberg dennoch die Möglichkeit, ein eigenes Ticket ein zuführen. Sollten dadurch Verluste für andere Verbundpartner entstehen, müsste die Stadt diese ausgleichen, so die Macher des Bürgerbegehrens. Ein 365-Euro-Ticket käme Nürnberg wohl teuer zu stehen. Laut einem Gutachten von 2015 würde das "Wiener Modell" bis zu 20 Millionen Euro Verlust für die VAG jährlich bringen. Für die Initiatoren des Bürgerbegehrens ist die Finanzierung aber eine Frage der Prioritätensetzung. "Wenn es politisch gewollt ist, ist es auch machbar", meint Linken-Stadträtin Özlem Demir. Konkret plädieren die Bürgerbegehren-Befürworter für einen Stopp des Ausbaus des Frankenschnellwegs. Sie könnten sich auch vorstellen, mehr Parkplätze jenseits der Innenstadt kostenpflichtig zu machen und die Gewerbesteuer moderat zu erhöhen. Zumindest Letzteres wird es mit SPD und CSU in den nächsten Jahren wohl nicht geben.

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Unterschriftenlisten und Sammelstellen sind auf der Website www.365vag.de zu finden.

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