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Nürnbergs nächster Star? Sven Andrews Weg zur Musikkarriere

Leidenschaft, Fleiß, Kontakte - Was braucht ein junger Musiker heute? - 22.09.2019 16:22 Uhr

Der junge Nürnberger Sven Andrew hofft auf die Karriere im Musikgeschäft. © Julia Roszczyk


Sven Andrew arbeitet derzeit als selbstständiger Mediengestalter in seinem Büro in Nürnberg. Ursprünglich erlernt hat er allerdings den Beruf des Mediengestalters. Durch diverse Jobs kam der 25-Jährige bereits in Kontakt mit der Musikbranche. So war er bei den Touren von Unheilig und Limp Bizkit als Cutter dabei.

Das Leben von Konzert zu Konzert, jeden Tag in einer anderen Stadt, begeisterten Andrew. Im Backstagebereich hatte er die Möglichkeit, die Künstler nach ihrem eigenen Karriereweg zu befragen. Für den Nürnberger war danach klar, dass es keinen Masterplan für den Erfolg gibt: “Mit Strategien kann man selbstverständlich auf bestimmte Meilensteine hinarbeiten, aber am Schluss entscheidet das wohlbekannte Quäntchen Glück.”

Authentizität ist das Wichtigste für Andrew

Doch auf den herkömmlichen Karriereweg eines jungen Musikers hat der Nürnberger keine Lust. Denn das würde bedeuten, sich alleine auf die Wünsche des Marktes ausrichten zu müssen, das Abhängigsein von Talentscouts, Castingshows und damit schlussendlich auch den Einfluss eines Managements.

Sven Andrew will vielmehr einen Ratschlag befolgen, den ihm Fred Durst von Limp Bizkit ans Herz legte: "Wenn du hinter dem Kern der Musik stehst, wenn du versuchst, etwas Eigenes künstlerisch zu erschaffen und das über einen langen Zeitraum machst, dann kann das mit der Bühnenkarriere klappen."

Nach einem ersten erfolgreichen Linkin Park Cover, das Andrew größere Aufmerksamkeit verschaffte, wollte er sich bei seinen eigenen Tracks von klaren musikalischen Vorbildern lösen. Dabei kann oder will er seine Musik genretechnisch nicht genau einordnen.

Die Lieder entstehen aus der Kombination verschiedener Instrumentals und Textideen, an welchen der 25-Jährige laufend in seinem zum Studio umfunktionierten Wohnzimmer arbeitet. "Musik ist ein Handwerk! Man hat oft keinen Bock drauf, aber wenn man will, dass die Zeile geil wird, und zwar richtig geil, dann muss man sich dafür auch mal ein paar Tage mehr hinsetzen, bis sich das Ganze perfekt anhört."

Das Team ist entscheidend

Sein Handwerk umfasst neben der Musik aber auch die visuelle Sparte. Zu jedem neuen Track will Andrew ein eigenes Video produzieren. Als gelernter Mediengestalter hat er nicht nur den Anspruch, professionelle Musikvideos zu machen. Er hat auch die Möglichkeit, auf Freunde aus diesem Bereich zurückgreifen zu können.

Diese Kontakte sind für sein Vorhaben ungemein wichtig. Alleine für eine Sequenz sind mindestens fünf Mitarbeiter nötig. Dazu gehören der Kameramann, ein Lichtassistent, eine Person, die sich um das Playback kümmert, einen Darsteller und natürlich der Künstler selbst, der dazu noch Regie führt, singt und das Video selbst schneidet.

Sein neuestes Video, ein Cover von "Numb" der Band Linkin Park, ist eine Erinnerung an den verstorbenen Sänger Chester Bennington. © Julia Roszczyk


Doch wofür diese große Hingabe für das Visuelle? Ein aufwendiges Musikvideo bekommt selbstverständlich mehr Aufmerksamkeit als ein Song, der nur mit schwarzem Hintergrund auf YouTube ausgespielt wird. Allerdings verdient Andrew mit den Klicks kein Geld. Selbst mit Millionenaufrufen wäre es schwer für ihn, die Produktionskosten seiner Videos decken zu können.

Außerdem kann Andrew nicht konstant neue Inhalte präsentieren, da die Produktion sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Dies wäre jedoch notwendig, um die Aufmerksamkeit auf seine Musik halten zu können, eine größere Bindung zu den Fans aufzubauen und mehr Menschen durch eine große Bandbreite an Inhalten zu erreichen.

Vom Beruf zur Berufung

Bei den Videos wie bei der Musik geht es für Sven Andrew vor allem um die Verwirklichung der eigenen Ideen. Ideen, die ihm in seiner Freizeit, wie auch bei der Arbeit für andere Künstler einfallen. Und die er eigenständig umsetzen will: "Diese Konstellation gibt es einfach nicht: ein Typ, der Mediengestalter ist und gleichzeitig singt, Musik produziert, Regie macht und das eigene Musikvideo dann auch noch schneidet."

Andrew gibt zu, dass die Musik gerade mehr ein kostspieliges Hobby ist. Doch er träumt weiterhin davon, von seinem eigenen Werk leben zu können. Die Aussicht, einmal selbst auf Tour zu gehen, ist der große Antreiber hinter seinem Wunsch, Musiker zu werden.

Auch für die Coverversion von "Numb" legt sich Andrew gesangs- und videotechnisch ins Zeug. © Julia Roszczyk


Der Durchbruch ist bisher noch ausgeblieben. Nach über 24.000 Aufrufen für sein erstes Musikvideo erreichten die weiteren noch etwa die Hälfte. Für den jungen Nürnberger ist das aber nicht gleichbedeutend mit Misserfolg: "Es wird immer jemanden geben, der sich meine Musik anhört. Und wenn es nur fünf Leute sind. Alles was ich kann, steck ich da rein!"

Und für seinen nächsten, eigenen Song, den er schon bald veröffentlichen will, hat er Großes geplant. Neben ausgefallenen Locations für den Dreh und einem neuen musikalischen Sound, soll die Zusammenarbeit mit einem bekannten Künstler neue Fans anziehen.

Alexander Lang

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