Lehrkräftemangel

Nürnbergs Schulamtsleiter schlägt Alarm

NN-Redakteurin Kathrin Walther
Kathrin Walther

Ressort Kinder, Familie und Bildung

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21.10.2021, 14:50 Uhr
Nicht nur in Nürnberg, auch in anderen deutschen Städten wie hier in Erfurt gingen Lehrkräfte vor dem Ausbruch der Pandemie auf die Straße, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. 

Nicht nur in Nürnberg, auch in anderen deutschen Städten wie hier in Erfurt gingen Lehrkräfte vor dem Ausbruch der Pandemie auf die Straße, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.  © Martin Schutt/ZB/dpa

Es ist wenig überraschend, wenn sich Gewerkschaften und Verbände für ihre Klientel einsetzen. Doch auf Verwaltungs- und Behördenebene ist man eher zurückhaltend mit der Offenlegung von politisch-bedingten Missständen. Zumal in Bayern und erst recht im Bildungswesen. Nicht so Thomas Reichert im Schulausschuss der Stadt Nürnberg. Denn er und sein Schulamt verwalten mehr und mehr: den Mangel an Lehrkräften.

Schulamtsleiter Thomas Reichert

Schulamtsleiter Thomas Reichert © Staatliches Schulamt Nürnberg

Seine fünfminütige Redezeit hat der Leiter des Nürnberger Schulamts ein wenig überschritten, und dafür bittet er um Entschuldigung. Denn bevor er zum eigentlichen Punkt seines Berichts kommt - der Bekanntgabe der Schülerzahlen an den Grund-, Mittel- und Förderschulen - muss er etwas loswerden. Es war, zwar sachlich formuliert, aber doch ein Notruf.

1,3 Millionen Euro stehen seinen Schulen aus dem Förderprogramm "Gemeinsam.Brücken.Bauen" der Staatsregierung zur Verfügung. 50 Prozent davon seien auch "bestellt, aber noch nicht abgerufen". Das Konzept sei gut, sagte Reichert. Zum einen, um Lernrückstände aufzuholen, zum anderen, um das soziale Miteinander der Kinder und Jugendlichen wieder zu stärken. Vor allem diesem Thema müsse man "höchste Aufmerksamkeit" schenken. "Und wenn wir das entsprechende Personal im Hintergrund hätten, könnten wir das Geld auch sofort abrufen."

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Bislang stehe jeder Klasse "pädagogisches Personal" als Klassenleitung zur Verfügung. Die Staatsregierung hat zwar die mobile Reserve erhöht, trotzdem geht diese Reserve schon jetzt zur Neige. 33 Lehrerinnen seien schwanger oder krank, so Reichert, zehn können vor Ort über Teamlehrkräfte vertreten werden. Die anderen? Reichert: "Wir haben summa summarum ein Problem und versuchen uns an der Quadratur des Kreises. Ich hoffe, wir bekommen keine Grippe-Welle." Wenn doch? "Dann sieht es düster aus." Schon jetzt mussten aufgrund der angespannten personellen Situation Deutschklassen sowie Zusatzangebote wie Förderstunden für Vorschulkinder in Kindergärten gestrichen werden.

Auch der Bericht von Sonja Bauhus lässt aufhorchen. Sie leitet im Amt für Allgemeinbildende Schulen den Bereich Gymnasien und Realschulen. Noch könne man mit der Stundenaufstockung von Teilzeitkräften und anderen Alternativen den Personalbedarf decken. Die Alternativen: Gerade wurde eine Kunstlehrkraft eingestellt, die 71 Jahre alt ist. Doch schon jetzt steht fest: "Die Realschulen werden im Halbjahr keine Fünftklässler aus den Gymnasien aufnehmen können. Sie sind voll."

Denn: Zum Personalproblem gesellt sich das Platzproblem. Räume und Menschen fallen nicht vom Himmel, formulierte es CSU-Stadträtin Catrin Seel, die diesen Schulausschuss leitete, treffend. Die Stadt wird die nächsten Jahrzehnte mit dem Bau und der Sanierung ihrer Schulgebäude beschäftigt sein. Die Ausstattung der Schulen mit ausreichend Personal ist Aufgabe der Staatsregierung.

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