Corona-Lockerungen:

Öffnung der Biergärten: Nürnberger Wirte bereiten sich vor

6.5.2021, 05:55 Uhr
Brotzeit und ein kühles Helles im Biergarten genießen - das ist bei einer stabilen Inzidenz unter 100 bald wieder möglich.

Brotzeit und ein kühles Helles im Biergarten genießen - das ist bei einer stabilen Inzidenz unter 100 bald wieder möglich. © Tom Weller, dpa

Wer durch die Stadt geht, reibt sich mancherorts die Augen: Huch, werden Biergärten und Außengastronomie bald wieder öffnen? Auf der Insel Schütt sind die Sonnenschirme bereits aufgestellt, auf der Wöhrder Wiese stehen die Verkaufsbuden für Eis und Drei im Weckla bereit. Nach sechs Monaten Zwangspause sitzen die Gastronomen ganz offenbar in den Startlöchern.

Anmeldung fürs Radler

Sie und ihre Gäste werden sich in Nürnberg wohl noch gedulden müssen. Erst ab dem 10. Mai und erst bei einer Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 100 darf die Außengastro wieder öffnen, das hatte Ministerpräsident Markus Söder angekündigt. Für ein Radler im Biergarten braucht der Gast außerdem einen negativen Test, einen Termin und er darf zunächst nur bis 22 Uhr sitzen bleiben. Nürnberg liegt aktuell bei 178,3 (Stand 5. Mai).

"Es ist grundsätzlich richtig, dass wir eine Öffnungsperspektive bekommen. Das ist für uns sehr wichtig", sagt Thomas Förster, Vizepräsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Bayern. Der Wirt des Gasthauses "Bratwurströslein" am Rathausplatz unterstreicht, dass man seit vielen Monaten der Landesregierung Strategien zur Öffnung vorgelegt habe. Jetzt endlich bekomme die Branche eine Aussicht.
Es sei höchste Zeit, dass die Gastwirte ihr Geschäft wieder betreiben dürfen, meint Förster. Die Menschen seien in den Wirtshäusern sicherer als bei privaten Treffen zuhause.


Inzidenz unter 100: Hier stehen ab Montag Lockerungen an.


Das "Bratwurströslein" hat 550 Plätze im Gastraum, 240 im Außenbereich. Die neue bayerische Regelung gilt aber nur für die Plätze unter freiem Himmel. Das könne schwierig werden, erklärt Förster: "Wenn alle Tische draußen belegt sind und dann kommt ein heftiger Regenschauer, wo sollen die Gäste dann hin?"

Tobias Teichmann vom "Dampfnudel-Bäck" im Stadtteil St. Johannis begrüßt die Öffnungsperspektive: "Irgendwann muss man schließlich den ersten Schritt tun, ohne den gibt es den zweiten nicht. Allerdings: Richtig effektiv wird das wohl nicht. Ich würde Geld sparen, wenn ich zulassen würde."

Teichmann sieht die Ankündigung der Staatsregierung perspektivisch als "kleinen Streifen am Horizont". Er ist jedoch skeptisch, ob seine Gäste nur für einen Cappuccino eigens einen Termin vereinbaren und den Corona-Test machen lassen. Da werde man die breite Masse nicht erreichen. Lieber würde der 44-Jährige "mit Pauken und Trompeten" öffnen. Aber die jetzige Ankündigung sei besser als nichts.

Der "Stadtstrand" ist fast fertig

"Wir gehen auf volles Risiko", sagt Lorenz Kalb, einer der Macher des "Stadtstrands" an der Pegnitz. "Wir können den ja nicht einfach aufsperren, hier müssen Küchen, Schließfächer, Toiletten stehen", erklärt er den unbeirrten Fortgang der Aufbauarbeiten. "Nur noch die restliche Bestuhlung fehlt, in fünf, sechs Tagen sind wir fertig." Eine Viertelmillion Euro hätten er und seine Mitstreiter schon jetzt investiert, noch bevor überhaupt klar ist, wann der Strand in Nürnberg öffnen darf.

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Der "Stadtstrand" auf der Insel Schütt ist fast fertig - und das, obwohl Nürnberg von einer stabilen Inzidenz unter 100 noch weit entfernt ist © Michael Matejka, NNZ

"Lebensfremder Irrsinn"

Kalb, der auch Vorsitzender des Süddeutschen Schaustellerverbands ist, setzt bei der Außengastro auf die Luca-App, mehr Abstand zwischen den Bänken, ein Hygienekonzept – Test und Anmeldung, wie jetzt zusätzlich gefordert, nennt er einen "Irrsinn, völlig lebensfremd". Er hofft darauf, dass der Stadtstrand viel länger öffnen darf als in den vergangenen Jahren. Da mussten Kübelpflanzen, Sand und Liegestühle stets weichen, wenn das Bardentreffen am ersten Freitag der bayerischen Sommerferien begann. Das aber ist heuer wegen Corona abgesagt.

Öffnung im Juni?

Um der Gastronomie zu helfen, erlässt Nürnberg den Wirten die Sondernutzungsgebühren, die für die Außenbestuhlungsflächen fällig wären. Bis zum Jahresende muss für diese kein Cent bezahlt werden. Wirtschaftsreferent Michael Fraas zeigt sich verhalten optimistisch: "Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung hat eine Simulation für die Entwicklung der Inzidenzwerte entwickelt. Bei dem aktuellen R-Wert von 0,91 könnte Nürnberg rechnerisch eine Inzidenz von unter 100 Anfang, Mitte Juni erreichen."