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"Ökokonto": Seltene Tierarten am Nürnberger Bahndamm

Damit will das Unternehmen der Natur etwas zurückgeben - 14.08.2020 05:51 Uhr

Um den Sandmagerrasen an den Bahndämmen der Tullnau zu erhalten, schneiden Mitarbeiter der Bahn regelmäßig die nichteinheimischen Robinien zurück, die mit den trockenen Bedingungen gut zurecht kommen und in kurzer Zeit alles überwuchern.


Wenn Mitarbeiter der Deutschen Bahn (DB) mit ihren Mähgeräten am sandigen Bahndamm quer zur Nürnberger Tullnaustraße entlanglaufen, springen nach jedem ihrer Schritte kleine Heuschrecken meterweit in die Höhe. Das karge Stück Land entlang eines alten Abstellgleises, das der DB gehört, wirkt auf den ersten Blick nicht wie die blühende Heimat zahlreicher Tierarten, doch dieser Eindruck täuscht.

Mausohr-Habichtskraut mitten in Nürnberg

Denn gerade um Lebensraum für seltene Insekten, wie die Blauflügelige Ödlandschrecke oder den Walker, eine Käferart, zu schaffen, schneiden die Mitarbeiter der Bahn die wuchernden Robinien und Brombeeren regelmäßig zurück. Sie hinterlassen die magere Einöde, mit viel Licht für wärmeliebende Tiere wie die Zauneidechse und pflanzliche Überlebenskünstler wie das Mausohr-Habichtskraut mitten in Nürnberg.

Die rund 10.000 Quadratmeter große Fläche in Tullnau ist ein "Ökokonto" der Bahn. Für jedes Grün, das die DB durch Bauprojekte zerstört, muss sie, vorgeschrieben durch das deutsche Naturschutzgesetz, Ausgleich schaffen.

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"Sparbuch für die Natur"

Normalerweise beginnt die Suche nach Ausgleichsflächen, wenn der Bau, etwa einer neuen Werkshalle, bereits feststeht. Dann wird in der gleichen Region der neu versiegelten Fläche Ackerland gekauft und zum Beispiel zur Blühwiese für Wildbienen umfunktioniert. Rund drei Millionen Quadratmeter Ausgleichsfläche besitzt die Bahn in Bayern, davon 80.000 Quadratmeter allein im Stadtgebiet Nürnberg.

Der Bahndamm an der Tullnau stellt dabei eine Ausnahme dar. Er ist für die DB ein "Sparbuch für die Natur", denn mit der biologischen Aufwertung einer Fläche, die die Bahn nicht weiter sinnvoll nutzen kann, sammelt sie bereits Umweltpunkte für das nächste potenzielle Bauprojekt.

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Die Aufwertung eines zugewachsenen Grundstücks neben dem Bahndamm bringt dabei mehr Umweltpunkte als der Kauf einer Wiese, die bereits vorher Lebensraum von Tierarten war. "Der unterschiedliche Wert von Grundstücken in Umweltpunkten führt dazu, dass die Ausgleichsfläche normalerweise größer sein muss, als die durch ein Bauprojekt versiegelte Fläche, die viele Umweltpunkte kostet", sagt Daniel Jentsch, Referent der Bahn-Tochterfirma DB Immobilien GmbH. Kontrolliert wird das "Ökokonto" vom Landschaftspflegeverband Nürnberg, der zuständigen Behörde.

"Als wir hier 2014 die Fläche untersucht haben, konnten wir 214 Tierarten entdecken, ein Drittel von ihnen auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten in Bayern", sagt Petr Mlnarik vom Landschaftspflegeverband.

Man könne davon ausgehen, dass am Bahndamm an der Tullnau fünf Mal so viele Insektenarten leben, wie gezählt, also rund 1000 Arten. Um ihnen und größeren Tierarten wie der Zauneidechse Lebensraum zu bieten, mähen die Mitarbeiter der Bahn die Fläche mindestens zwei Mal im Jahr und transportieren den Schnitt ab. Als Sonnenterrassen für Eidechsen wurden neben dem Bahnsteig Steine geschichtet und die Arbeiter müssen das Grundstück regelmäßig von Müll (wie leeren Farbdosen der Graffiti-Sprayern) befreien.

Bernd Honerkamp, Pressesprecher der DB Bayern, betont den Wert der Biotope. "Die Flächen entlang der Gleise sind manchmal die einzigen verbliebenen Grünflächen im Stadtgebiet und sie werden von Tierarten genutzt, um zu wandern und neue Lebensräume zu erschließen."


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Andrea Beck

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