Freitag, 22.11.2019

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"Oper bietet etwas für Hirn und Herz"

Der neue Präsident der Freunde der Staatsoper hat viele Zukunftspläne. - 08.10.2019 17:19 Uhr

Neuer Präsident der Opernfreunde: Hans-Ullrich Kraft. © Foto: privat


Zusammen mit der ebenfalls neuen Geschäftsführerin Annemarie Wiehler möchte der Präsident der etwa 800 Opernförderer eine Rundumerneuerung des Vereins ansteuern.

"Wir müssen uns für die digitalen Zeiten rüsten und werden sicher an einem Facebook-Account nicht vorbeikommen. Und natürlich müssen wir besonders die Jugend in den Blick nehmen", gibt Kraft zwei programmatische Schwerpunkte seiner künftigen Tätigkeit vor.

Die ist bislang auf ein Jahr begrenzt, weil der Stabwechsel von Fleck zu Kraft mitten in der Wahlperiode stattfand. Vorgänger Roland Fleck, der das Amt 2014 von Hans-Peter Schmidt übernommen hatte, muss aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten. Kraft will die restliche Amtsperiode aktiv ausfüllen. Und er ist optimistisch, dass er mit seiner zupackenden Art auch längerfristig überzeugen kann.

"Ich hoffe auf tausend Mitglieder"

"Eine erste Zielmarke, die ich mir gesetzt habe, ist, dass wir auf tausend Mitglieder wachsen", erklärt der gebürtige Bochumer, der als gut vernetzter Wirtschaftsmann über viele Kontakte verfügt, die er natürlich für die Sache nutzen möchte.

Ein kleines Problem hat der Verein schon im Namen: Eine Staatsoper Nürnberg gibt es gar nicht und für jüngere Leute hört sich der Vereinsname auch ziemlich staatstragend an. Die frühere Bezeichnung "Opern- und Konzertfreunde" drückte viel sinnfälliger aus, worum es den Förderern geht: Besondere Inszenierungsideen zu ermöglichen, die Mitglieder des Opernstudios zu unterstützen oder es der Staatsphilharmonie zu erleichtern, besondere Konzertvorhaben zu schultern.

Darüberhinaus organisiert der Verein Künstlerbegegnungen, Werkstattbesuche oder veranstaltet das jährliche "Drei-Königs-Menü" an Epiphanias (6. Januar) im Gluck-Saal. "Wir sollten uns aber nicht nur auf das schöne Opernhaus konzentrieren", meint Kraft. "Mir schwebt vor, Talkabende auch an anderen Orten in der Stadt abzuhalten, sozusagen an gesellschaftlichen Hotspots, die vordergründig gar nichts mit Oper zu tun haben."

Denn das ist dem 60-Jährigen eine echte Herzensangelegenheit: Jüngeren, aber auch Älteren zu vermitteln, welch eine emotional bewegende und geistig anregende Erfahrung ein Opernbesuch sein kann. "Da wird live gesungen und gespielt. Das trifft ganz anders in die Magengrube als durch Medien vermittelt", ist sich Kraft sicher, dass sich das Theatererlebnis an sich durch keinen Streaming-Dienst oder eine Kinoübertragung ersetzen lässt.

"Nur wer selbst begeistert ist, kann begeistern. Auf unsere Generation kommt eine große Verantwortung zu, die faszinierende Welt der Musikdramatik auch den nach uns Kommenden zu erschließen", nennt Kraft die im Grunde wichtigste Aufgabe seiner Vereinigung. So denkt der Westfale an die Gründung einer speziellen Jugendabteilung, die altersgerechte Events organisiert und die zum Freizeit-Treffpunkt für Gleichgesinnte werden kann.

In der Rheinoper sozialisiert

Er selbst wurde durch viele Besuche an der Düsseldorfer Rheinoper für das Genre gewonnen. Seine Heimatstadt Bochum ist bekanntlich eher Schauspiel- als Opernstadt. Mittlerweile sind für ihn und seine Frau auch der Besuch auf den Festivals in Bayreuth oder Salzburg geliebte Sommer-Routine.

Die Expertise der Opernfreunde wird in den kommenden Jahren in Nürnberg sehr gefragt sein: Gilt es doch, die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass nicht nur das neue Konzerthaus neben der Meistersingerhalle seine Daseinsberechtigung hat, sondern auch die dann anstehende Opernsanierung eine lohnende Angelegenheit ist. Die meisten Beobachter sind sich darin einig, dass dafür sicher ein dreistelliger Millionenbetrag aufgewendet werden muss. Viel Gelegenheit also für die "(Staats-)Opernfreunde" ordentlich für die Relevanz von Oper zu trommeln. . .

Infowww.freunde-der-staatsoper-nuernberg.de

JENS VOSKAMP

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