Offener Brief von "Geschichte für alle"

Opernhaus: Kritik an Ausweichquartier in Kongresshalle reißt nicht ab

28.11.2021, 16:03 Uhr
Das Nürnberger Opernhaus muss saniert werden, daran führt kein Weg mehr vorbei. Nach aktuellen Schätzungen (Stand: November 2021) wird das runde 500 Millionen Euro kosten.

Das Nürnberger Opernhaus muss saniert werden, daran führt kein Weg mehr vorbei. Nach aktuellen Schätzungen (Stand: November 2021) wird das runde 500 Millionen Euro kosten. © Maria Inoue-Krätzler

Bekommt Nürnbergs historisches Opernhaus eine Ausweichspielstätte im Innenhof der Kongresshalle und damit auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände der Nationalsozialisten? Seit Wochen wird darüber diskutiert, der Stadtrat soll Mitte Dezember entscheiden. Doch nach wie vor gibt es heftige Kritik an den entsprechenden Plänen. Jetzt melden sich die Rundgangsleiterinnen und -leiter des Vereins "Geschichte für alle", die regelmäßig Führungen über das Reichsparteitagsgelände organisieren, mit einem offenen Brief an den Stadtrat zu Wort .

"Sinnlich erfahrbares Symbol des Größenwahns"

Sie sehen durch die Pläne die Aufklärung über die Machtdemonstration, die Ideologie und Propaganda der Nazis beeinträchtigt. „Hierbei ist der unverstellte Blick auf die authentischen Fassaden und in den Innenhof der Kongresshalle als sinnlich erfahrbares Symbol des Größenwahns, aber auch seines Scheiterns, ein wichtiger Bestandteil des pädagogischen Konzeptes unserer Führungen“, teilte der Verein mit.


Architekt fordert: Nürnbergs Opernhaus besser abreißen als sanieren


Dabei gehe es auch um das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in der Kongresshalle. Für dessen Architekten, Günther Domenig, sei die Kongresshalle nicht nur Standort, sondern wichtigstes Ausstellungsstück gewesen. "Entscheidend für ihn war, dass die ursprüngliche Architektur unverändert zur Schau gestellt und der Blick darauf nicht verstellt wird", heißt es in dem offenen Brief. Dabei komme dem Innenhof besondere Bedeutung zu: Wenn die Besucher am Ende des Ausstellungswegs auf die Spitze des 130 Meter langen Pfahls geführt werden, der die rechtwinklige Geometrie des NS-Baus aufbricht, schweben sie über dem Innenhof der Kongresshalle. "Die Monumentalität und gleichzeitige Ödnis des Ortes haben eine starke Wirkung auf die Betrachter." Gerade diese einzigartige Wirkung würde durch einen architektonischen Eingriff zerstört.

Die Kongresshalle sollte ursprünglich 80 Meter hoch werden und 50 000 Menschen Platz bieten. Mit Kriegsbeginn kamen die Bauarbeiten aber zum Erliegen. Übrig geblieben ist ein 38 Meter hoher denkmalgeschützter Rohbau, in dessen Hof die Ausweichspielstätte für das sanierungsbedürftige Opernhaus einziehen könnte. Am 15. Dezember soll der Stadtrat über das weitere Vorgehen entscheiden. Eine Vertagung sei wegen der kurzen Zeit, bis die Betriebserlaubnis für das Opernhaus endet, eigentlich nicht mehr möglich, erläuterte ein Kulturexperte der Stadt auf Anfrage. Das Staatstheater drängt deshalb auf eine schnelle Entscheidung. Eine Alternative zur Kongresshalle sehe man allerdings nicht, hieß es in einem offenen Brief der Personalvertretung. Das Ensemble traue sich demnach einen zeitgemäßen Umgang mit dem historischen Kontext durchaus zu.

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