Orchideentraum vor dem Aus? BN bangt um Nürnbergs geheimste Wiese

26.8.2020, 05:48 Uhr
Orchideen in Nürnberg. Die Naturschützer fürchten so sehr um den Fortbestand, dass sie den genauen Standort der wertvollsten Wiese im Osten der Stadt nicht verraten wollen.

© Foto: Wolfgang Dötsch/BN Orchideen in Nürnberg. Die Naturschützer fürchten so sehr um den Fortbestand, dass sie den genauen Standort der wertvollsten Wiese im Osten der Stadt nicht verraten wollen.

Nürnberg gilt nicht gerade als Eldorado für heimische Orchideen, teilt der Bund Naturschutz mit. Im Gegenteil: Die Orchidee hat es in der Noris schwer. Viele Standorte seien in der Nachkriegszeit verschwunden. Auch jetzt können Orchideenwiesen meist nur mit Hilfe von Schutzmaßnahmen existieren, heißt es. Und selbst dann sei die Gefahr noch groß.


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Die BN-Ortsgruppe Langwasser kann das beurteilen, betreut sie doch die bisher einzige Orchideenwiese der BN-Kreisgruppe. "Der kleine Bestand des Gefleckten Knabenkrauts wurde von Naturfrevlern systematisch geplündert, nachdem der BN Führungen angeboten hatte", beklagen sie. "Dann wurde die Wiese von schwersten Forstgeräten befahren, tiefe Bodenrinnen haben sie hinterlassen." Die bittere Folge: Heute kann Ortsgruppensprecher Richard Stry dort nur noch wenige von den ursprünglich 120 Exemplaren entdecken.

Jene Orchideenwiese im Osten der Stadt, die der BN als "Nürnbergs bedeutendste" einstuft, erscheint hier noch als Idyll. Etwa 10 000 Exemplare des Breitblättrigen und des Kleinen Knabenkrauts konnte Orchideenexpertin Monika Fischermeier hier im Frühjahr 2020 bei intensiven Begehungen ausmachen. Für das seltene Kleine Knabenkraut sei es sogar das einzige Vorkommen in Nürnberg. Es gilt auf der Roten Liste Bayern als stark gefährdet. Häufig finde sich hier das Breitblättrige Knabenkraut, das zugleich den Titel "Orchidee des Jahres 2020" tragen darf.

Das Kleine Knabenkraut gilt als stark gefährdet.

Das Kleine Knabenkraut gilt als stark gefährdet. © Foto: Wolfgang Dötsch/BN

Doch auch hier können sich die Naturschützer nicht zufrieden zurücklehnen: Schwere Ackergeräte haben 2019 Bereiche der Wiese zerstört. Mittlerweile ist man so vorsichtig, dass der genaue Standort nicht in der Zeitung stehen soll, um den Publikumsverkehr in Grenzen zu halten. Heimbucher: "Wir sind sicher, dass wahre Orchideenliebhaber dafür auch Verständnis haben."

Extrem anspruchsvolle Pflanze

Bevor weiterer Schaden angerichtet wird, will der BN schnell handen: Er hat eine Initiative gestartet, das Kleinod über einen Ankauf rasch zu sichern. "Orchideen kann man nicht mit ein paar Samentütchen erhalten," erläutert der BN-Vorsitzende Otto Heimbucher. "Sie sind extrem anspruchsvoll und benötigen in der Regel ungedüngte Flächen und spezielle Pilze im Boden. Sie zu schützen, heißt, die vorhandenen Standorte für die Nachwelt zu bewahren."

Der BN hofft nun auf zahlreiche Naturfreunde, die die Rettung mit großzügigen Spenden ermöglichen. Otto Heimbucher appelliert daher: "Uns fehlen noch etwa 10.000 Euro für den Ankauf, dann sind wir am Ziel. Mit einem Euro kann man also etwa eine Orchidee bewahren."

Unter dem Stichwort "Spende Flächenkauf" kann man per Überweisung auf das Konto BIC: SSKNDE77, IBAN: DE75 7605 0101 0001 0085 51 einen Beitrag leisten.

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