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Osterbotschaften trotz Corona: Das sagen Nürnbergs Geistliche

Digitales Angebot der Kirchen ist groß - Osterlichter zum Mitnehmen - 10.04.2020 11:45 Uhr

Pfarrer Martin Battert feiert die Messe in St. Michael Nürnberg seit Wochen mit der Gemeindereferentin Lena Neidlein vor der Smartphone-Kamera für den Livestream. © Seelsorgeverbund St. Anton, St. Michael, St. Ulrich


Mit einer gemeinsamen Osterbotschaft wenden sich die beiden Stadtdekane von Nürnberg, Hubertus Förster und Jürgen Körnlein, an die Menschen in der Stadt. Die frohmachende Botschaft des zentralen Festes der Christenheit bleibe "die Verheißung von Heil-Sein und davon, dass der Tod nicht das letzte Wort hat", so der katholische Stadtdekan Förster. In der Beziehung zu Christus könnten Menschen befähigt werden, sich den Mitmenschen, ihren Ängsten und Leiden zuzuwenden. "So wünsche ich uns allen, dass das diesjährige Osterfest sich in besonderer Weise als lebensbejahender, hoffnungsvoller Impuls erweist", teilt Förster mit.


Kommentar: Warum das Verbot von Gottesdiensten an Ostern richtig ist


Der evangelische Stadtdekan Körnlein betont in seinem öffentlichen Ostergruß: "Ostern als gemeinsamer Gottesdienst in der Kirche ist abgesagt, aber Gott sagt Ostern nicht ab. Es bleibt dabei: Gott führt das Leben zum Sieg!" Manches aktuelle Szenario sei beängstigend und "schmeckt zu sehr nach Karfreitag". Er hoffe, sagt Körnlein, dass sich das Leben nach der Corona-Krise wieder mehr darauf konzentrieren könne, "was zählt", vor allem "das Miteinander und das Füreinander".

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Um Rücksicht auf die bedrückende Lage vieler Menschen durch die Virus-Pandemie werben Nürnberger Geistliche ebenfalls. "Der Satz, Corona sei auch eine Chance, kann ich nicht mehr hören, und er geht mir nicht über die Lippen", sagte Ansgar Wiedenhaus von der Offenen Kirche St. Klara unserer Redaktion. Das könne sogar zynisch klingen, wenn jemand gerade wirtschaftlich oder gesundheitlich ums Überleben kämpfe. "Für viele Leute ist Corona eine Katastrophe."


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Die Kirchen könnten im Veranstaltungsbereich durch neue Digitalangebote vieles ausgleichen, aber nur schwer in der Seelsorge, weil die Einzelbegleitung entfallen müsse. "Pastoral geht nicht nur online", sagt der Jesuitenpater. "Für die, die uns am meisten brauchen, können wir nicht da sein. Das tut weh." Auch die Lorenzer Pfarrerin Claudia Voigt-Grabenstein erfährt bei ihren Telefondiensten: "Für die Abgehängten ist diese Zeit der ,Worst Case‘." Angehörige von Pflegebedürftigen oder von Verstorbenen und beispielsweise Schwangere vor der Entbindung seien durch die Kontaktsperren oft verzweifelt. Mehrere Pfarrer beobachten außerdem Abspracheprobleme zwischen Bestattern, Friedhofsverwaltungen und Kirchengemeinden – Beerdigungen würden derzeit zur Belastungsprobe für Familien.

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Die Hoffnung auf Auferstehung nach einer Leidenszeit, von der Grabesruhe des Karfreitags ins neue Leben – die christliche Ostererzählung scheint Parallelen zur aktuellen Situation während der Coronavirus-Pandemie zu bergen. Er hüte sich davor, die Lage zu "spiritualisieren", meint dazu Jesuit Wiedenhaus. Die handfesten Probleme der von Corona Betroffenen hätten ihre eigenen, weltlichen Dimensionen.

Persönliches Gebet erlaubt

Aufgrund der Gottesdienstverbote können die Kar- und Osterfeierlichkeiten der Christen weltweit erstmals in der Geschichte nicht stattfinden. In Nürnberg werden in den Kirchengemeinden trotzdem die Osterkerzen ohne Publikum entzündet, und die meisten von ihnen haben sich auf Ersatzangebote verlegt. Die Gotteshäuser sind fürs persönliche Gebet geöffnet.

Neben interaktiv im Internet übertragenen Gottesdiensten, Video- und Audiobotschaften im Internet und in den sozialen Medien zählen dazu auch Osterlichter zum Mitnehmen. Viele katholische und evangelische Gemeinden werfen Osterpost in die Briefkästen oder verteilen Anleitungen für einen "Gottesdienst to go". Die Altstadtkirche St. Egidien kooperiert mit der derzeit auftragslosen Club-Szene und will am Karsamstag ab 19 Uhr unter dem Motto "Church goes Clubbing" einen zehnstündigen Livestream aus einer ihrer Kapellen zum Mittanzen zu Hause senden. Am Ostersonntag um 10 Uhr stimmen alle Kirchen ein gemeinsames Festgeläut an. Danach sind Menschen eingeladen, von ihren Balkonen oder Fenstern "Christ ist erstanden" zu singen.

Osterkerze vor der Sebalduskirche

Die evangelischen Regionalbischöfe Elisabeth Hann von Weyhern und Stefan Ark Nitsche erinnern in ihrer Osterbotschaft daran, "dass Ostern dem Tod die Macht über den gekreuzigten Christus genommen wurde". Das sei nicht leicht zu glauben, "wenn einem die Angst vor dem Virus die Kehle zuschnürt oder wenn die Grundlage der eigenen Existenz wegbricht". Für sie beide bedeute Ostern: "Mit Gott müssen wir in unserem Leid nicht stehenbleiben, der Weg Gottes mit uns geht weiter." Nitsche hat als Online-Angebot einen Kreuzweg aus St. Sebald gestaltet. Hann von Weyhern enzündet am Ostermorgen um 6 Uhr die Osterkerze vor der Sebalduskirche.

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