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Paket-Flut wegen Corona: So arbeitet die Nürnberger Post

Wie Mitarbeiter geschützt werden - Keine Angst vor Übertragung durch Pakete - 26.05.2020 09:20 Uhr

In den vergangenen Monaten hatten die Mitarbeiter der Post deutlich mehr zu tun, als es sonst zu dieser Jahreszeit der Fall ist.

© Foto: Jan Woitas/dpa


Herr Bachmann, haben Sie zurzeit Bauchschmerzen, Ihre Zusteller loszuschicken?

Nein, überhaupt nicht. Als global operierendes Unternehmen sind Epidemie- und Pandemie-Risikoszenarien ein wesentlicher Bestandteil unserer Risikoplanung. Wir verfolgen einen Ansatz, der es unseren einzelnen Betriebsteilen ermöglicht, auch im Notfall den bestmöglichen Betrieb für unsere Mitarbeiter und Kunden sicherzustellen.

Albert Bachmann, 60, arbeitet seit 1991 für die Deutsche Post. Angefangen als ausgebildeter Volljurist im DPDHL-Betriebsdienst in den Niederlassungen Koblenz, Bamberg und Nürnberg, ist er nach diversen Leitungspositionen seit März 2019 Chef des Briefzentrums Nürnberg. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.


Wie bereiten Sie sich auf solche Fälle vor?

Wenn uns Fälle bekannt werden, ergreifen wir unverzüglich Maßnahmen. Wir arbeiten dabei eng mit den örtlichen Gesundheitsbehörden und dem Robert-Koch-Institut zusammen. Als Unternehmen halten wir Notfallpläne bereit, um die Sicherheit unserer Mitarbeiter, der Öffentlichkeit und unserer Kunden zu schützen und gleichzeitig den Betrieb aufrechterhalten zu können.


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Hat es denn schon Corona-Fälle gegeben?

Aktuell haben wir drei Corona-Fälle, die uns aus dem privaten Umfeld unserer Beschäftigten heraus betroffen haben, also nicht aus der Zustelltätigkeit vor Ort beim Kunden. Diese Kolleginnen und Kollegen befinden sich in häuslicher Quarantäne, aber nicht im Krankenhaus. Kontaktpersonen wurden nach den Vorgaben der Gesundheitsämter untersucht oder unter Quarantäne gestellt.

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Wie gehen Sie vor, wenn Corona-Infektionen bei Mitarbeitern auftreten?

Wenn ein Covid-19-Fall vorliegt, ist es existenziell, dass wir sehr zeitnah die Unsicherheit bei den übrigen Postbeschäftigten, die Kontakt mit einem infizierten Mitarbeiter hatten, beseitigen. Wir lassen die Mitarbeiter unverzüglich vom Gesundheitsamt untersuchen, ob sie infiziert sind. Zeitnahe Tests mit schnellen Ergebnissen helfen hier viel mehr als die Anordnung von Quarantäne. Wir arbeiten hier sehr eng und konstruktiv mit den örtlichen Gesundheitsbehörden zusammen. Wir haben als systemkritischer Betrieb Anspruch darauf, zeitnah unsere Mitarbeiter untersuchen zu lassen. Diese Zeitnähe wird aber in den einzelnen regionalen Bereichen der Gesundheitsämter unterschiedlich ausgelegt.

"Das ist eine sehr positive Erfahrung"

Wie hat sich die Arbeit in den Briefzentren und im Paketzentrum selbst verändert?

Die Prozesse laufen so wie vor der Corona-Krise. Wir haben aber dafür gesorgt, dass nicht mehr so viele Kollegen nahe beieinander arbeiten müssen und die Mindestabstände einhalten können. Schichten wurden auch dort, wo möglich, ausgedünnt. Insgesamt geht die Belegschaft seit dem Ausbruch der Corona-Krise viel bewusster miteinander um. Das ist eine sehr positive Erfahrung.

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Was hat sich noch getan?

In der besonders personalintensiven Zustellung haben wir ein Zwei-Schichtsystem eingeführt, um den Kontakt untereinander auf ein Minimum zu reduzieren. Die taggleiche Zustellung beim Kunden wird dabei nicht beeinträchtigt. Der Zusteller kann nur etwas später als gewohnt bei unseren Kunden ankommen. Empfängerkunden unter häuslicher Quarantäne bitten wir, Ablageverträge zu nutzen, um Pakete zu empfangen. Diese sogenannte kontaktlose Zustellung dient ebenfalls dem Schutz unserer Mitarbeiter.

Geschäft hat sich verändert

Wie hat sich Corona konkret auf das Brief- und Paketaufkommen ausgewirkt?

Wir sehen seit Beginn der Corona-Krise Mitte März zurückgehende Sendungsmengen im Brief- und deutlich steigende Mengen im Paketbereich. Der Bereich Waren tragende Sendungen wächst ähnlich wie der Paketbereich. Der Bereich der Dialogpost dagegen ist in den letzten Wochen stark zurückgegangen. Hier hat sich das Verhalten unserer Geschäftskunden stark verändert. Die Werbebranche ist im analogen Bereich sehr zurückhaltend unterwegs.

Wie hat sich die Personalsituation in den vergangenen Monaten entwickelt?

Im Gegensatz zu vielen Firmen, die in Kurzarbeit waren oder noch sind, stiegen bei uns in den letzten Wochen insbesondere die Paketmengen an, sodass wir als Folge auch neue Mitarbeiter einstellen konnten, um die höheren Mengen zu bearbeiten, aber auch gleichzeitig um Vorsorge zu treffen für mögliche Corona-Fälle. Derzeit sind alle Arbeitsposten sowie auch die dazugehörigen Vertreter voll besetzt. Der Krankenstand im März 2020 lag um 1,7 Prozent höher wie im März 2019 und im abgelaufenen Monat April 2020 um 0,3 Prozent höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres – also alles beherrschbare Größen. Im laufenden Monat Mai 2020 liegen wir aktuell leicht besser als im Vorjahr.

Verzicht auf Empfangsbestätigung

Befürchten Sie, dass das Virus über Briefe und Pakete übertragen werden könnte?

Das Risiko, dass sich Sars-CoV-2 durch Kontakt mit Scannern, Paketen oder Sendungen ausbreiten kann, ist gering. Eine Infektion mit dem Coronavirus durch Kontakt mit Objekten wurde bisher nicht nachgewiesen. Zudem verzichten wir bei der Paketübergabe derzeit auf die eigenhändige Empfangsbestätigung, so dass der Zusteller diese kontaktfrei für den Kunden übernimmt.

Die Geschäfte haben unter strikten Sicherheitsvorkehrungen wieder geöffnet. Rechnen Sie damit, dass bald wieder weniger Pakete verschickt werden?

In der Kalenderwoche 17 und 18 hatten wir bei den Paketen noch Mengensteigerungen von über 45 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Seit Ende April beruhigt sich mit der zunehmenden Öffnung des stationären Handels die stark gestiegene Paketmenge wieder etwas, liegt aber immer noch über 20 Prozent höher als im Vorjahr. Bundesweit hatten wir ja in den letzten Wochen an Spitzentagen bis zu neun Millionen Paketsendungen.


Hier finden Sie täglich aktualisiert die Zahl der Corona-Infizierten in der Region. Die weltweiten Fallzahlen können Sie an dieser Stelle abrufen. Über aktuelle Entwicklungen in der Corona-Krise


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