Pellerhof-Fassade soll rekonstruiert werden

1.3.2016, 06:00 Uhr
Nur der Sockel im Erdgeschoss des in den fünfziger Jahren wieder aufgebauten Pellerhauses stammt noch vom historischen Gebäude.

Nur der Sockel im Erdgeschoss des in den fünfziger Jahren wieder aufgebauten Pellerhauses stammt noch vom historischen Gebäude. © Foto: Edgar Pfrogner

Die Altstadtfreunde schlagen eine kulturelle Nutzung vor. Ihr Vorsitzender Karl-Heinz Enderle schlägt in diesem Zusammenhang eine Rekonstruktion der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Fassade aus dem Jahr 1605 vor. Wir können uns gut vorstellen, dass kulturelle Veranstaltungen im Pellerhof und im Pellerhaus durchgeführt werden, auch zusammen mit der Egidienkirche. Das wäre dann eine richtige Kulturoase für die Stadt mit Theater- und Musikaufführungen", sagt Enderle. Der Vorsitzende weiß, dass Räume in dieser Größenordnung in der Stadt sehr gefragt sind. Der Ansturm etwa auf die Kulturscheune des Vereins sei enorm. Vielen Anfragen müsse man eine Absage erteilen. Im Pellerhof würden schon jetzt private Veranstaltungen stattfinden.

Von der Idee, dass in das Pellerhaus ein Jugendhaus einziehen soll, hält Enderle wenig: "Die Notwendigkeit eines Jugendhauses in der Altstadt ist unbestritten. Doch an dieser Stelle sehe ich es kritisch. Kulturelle Nutzung und Jugendhaus schließen sich aus.“ In der Jugendserie der NZ war vonseiten des Jugendamts vorgeschlagen worden, in das Pellerhaus ein Jugendhaus einzurichten, weil der Fünfeckturm nicht mehr den Sicherheitsvorgaben der Feuerwehr entspricht.

In das Pellerhaus sollte auch das Spielearchiv und der Verein Ali Baba integriert werden. Darüber hinaus schlägt Kulturreferentin Julia Lehner vor, die graphische Sammlung, die 8000 Bücher umfassende Sammlung zu Dürer und die Kunstsammlung der Stadt Nürnberg, die unter Raumnot leiden, im Pellerhaus unterzubringen. Insgesamt hat das Gebäude eine Nutzfläche von 6000 Quadratmetern. "Das Archiv könnte dann öffentlich werden", so Lehner.

Gegen die Unterbringung von Jugendlichen würde sich die Kulturreferentin nicht sperren. Das Kinder- und Jugendhaus Rädda Barnen sucht ebenfalls einen neuen Platz, weil die Holzhäuser aus der Nachkriegszeit marode sind. Rund 20 Millionen Euro soll die Sanierung kosten.

Neue Fassade steht unter Denkmalschutz

Enderle kann sich natürlich auch eine auf Dauer angelegte Zusammenarbeit mit dem Spielearchiv, mit Ali Baba oder mit den kulturellen Sammlungen vorstellen. Dass aber auf der Grünfläche neben dem Pellerhaus Spielmobile abgestellt werden, hält Enderle für falsch: "Die Anwohner haben doch Anspruch auf eine Grünanlage." Enderle würde gerne die Originalfassade des Pellerhauses wiederherstellen, wenn der Pellerhof abgeschlossen ist: "Der Egidienplatz war der schönste Platz Nürnbergs, er war ein Stück Weltarchitektur." Eine Rekonstruktion könnte er sich zusammen mit einem Hotel vorstellen. "Die Mehrzahl der Bevölkerung und der Besucher Nürnbergs versteht doch den Bau aus den fünfziger Jahren nicht mehr. Vor allem die Jüngeren können mit ihm nichts anfangen“, so Enderle.

Außerdem müsste der ab 1956 nach den Plänen von Fritz und Walter Meyer errichtete Neubau aufwendig saniert werden. Dann könnte man doch gleich das alte Pellerhaus in seiner Schönheit wiederherstellen, so der Vorsitzende der Altstadtfreunde. Das Hauptproblem ist, dass die neue Fassade des Pellerhauses als charakteristische Fassade aus den fünfziger Jahren unter Denkmalschutz steht.

Enderle sieht das nicht so: "Die Fassade des Pellerhauses ist doch ein Selbstzitat.“ Die Ehrenhalle im Luitpoldhain, die 1928/1929 nach den Entwürfen von Fritz Mayer zum Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs erbaut wurde, sei doch das Vorbild für das Pellerhaus. "Beide haben Tonnendächer.“ Wie auch viele Gebäude des italienischen Faschismus. Schaut man sich den eigentlichen Archivbau des Pellerhauses an, der westlich angebaut wurde und das im Krieg zerstörte Imhoff’sche Anwesen ersetzt, dann erkennt man im Erdgeschoss typische Fassadenelemente aus den dreißiger Jahren.

 

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