Freitag, 22.01.2021

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Pizza-Partei kontra NPD und Merkel auf dem Sofa bei der CSU in Eibach

Statt Angela saß Karoline beim Interview - Die «Nationalen Pizza-Deutschen» machen sich über die Rechtsextremen lustig - 26.09.2009

Satire über die NPD: Mit Pizza «für eine tolerante und bunte Gesellschaft».

06.02.2011 © Noah Schuller


Auch CSU-Kandidat Michael Frieser ist einer Krise auf der Spur. Am Aufseßplatz warb er mit dem «Krisenbewältigerteam» der Jungen Union um Stimmen. Wie eine Kinder-Hüpfburg und Popcorn dazu passen, bleibt offen.

Eher amüsiert dürfte Frieser den Brief des Schwabacher CSU-Ortsverbands Forsthof zur Kenntnis genommen haben, der ihn zur Schafkopf-Stadtmeisterschaft als «Michael Fieser» eingeladen hat.

Auch diese Einladung ließ den flüchtigen Leser stutzen: Zum «Talk auf dem Sofa mit Merkel und Frieser» bat der CSU-Ortsverband Eibach-Röthenbach-Maiach, und manch ein Besucher pilgerte tatsächlich zum TSV Südwest, weil er die Kanzlerin dort erwartete. «Einige wenige haben sich täuschen lassen», berichtet ein Parteimitglied. Dabei war solch hoher Besuch doch allein schon aufgrund der Örtlichkeit «eher unwahrscheinlich». Statt Angela saß denn auch Karoline Merkel auf dem Sofa, Mitglied im Eibacher Ortsverband und Lehrerin. Sie interviewte den Kandidaten Michael Frieser, der sich an diesem Abend «gut rübergebracht» habe, wie jener Parteifreund meint. Er schreibt das amüsante Gespräch vor allem der geschickten Interviewtechnik der Frau Merkel zu, die eine «top gescheite und sehr attraktive Dame» sei, die mit der Kanzlerin nur den Nachnamen gemeinsam habe. Schön sei’s gewesen und ein «wirklich toller Gag». Das Interesse allerdings hätte größer sein

können: 50 Zuschauer wollten Merkel sehen.

Zu Beginn des Wahlkampfs war der Eindruck, den Nürnberg auf Auswärtige machte, beschämend. Gerade an den Einfallstraßen in die Stadt stand ein Plakat der rechtsextremen NPD hinter dem anderen. Das hat sich auf nahezu wundersame Weise entscheidend gebessert: Viele der rechten Werbeständer sind entweder verschwunden oder entstellt. Mehr noch: Erfrischend wirken vielerorts am Straßenrand Plakate der «Nationalen Pizza-Deutschen», die sich auf gelungene Weise über die NPD lustig machen und mit denen offenbar Pamphlete der Rechten überklebt worden sind. «Ich will Pizza!», heißt es darauf, denn im Vergleich zu den Italienern würden Deutsche stets nur ein kleines Tortenstück des üppig belegten Teigfladens verzehren. Motto: «Für eine tolerante und bunte Gesellschaft.» Dem ist nichts hinzuzufügen.

Hans Peter Reitzner und Silke Roennefahrt

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