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Pläne fürs Pellerhaus: Altstadtfreunde möchten neu bauen

Verein legt der Stadt ein überraschendes Angebot vor - 16.11.2018 18:53 Uhr

Vor allem die Dachkonstruktion des in den 50er Jahren am Standort des einstigen Pellerhauses errichteten Bibliotheksgebäudes besitzt hohe architektonische Qualität. © Foto: Eduard Weigert


"Wenn uns die Stadt das Pellerhaus ganz überlässt, würden wir sowohl die Innensanierung des Gebäudes als auch die Rekonstruktion von Vorder- und Rückfassade voll übernehmen – und den Wiederaufbau des Schwarzen Pellerhauses nebendran gleich mit dazu." Was Vereinsvorsitzender Karl-Heinz Enderle da im NZ-Gespräch sagt, ist schon ein überraschender Coup. Mit dem Schwarzen Pellerhaus ist das Anwesen an der Westseite des Pellerhauses gemeint, ein relativ schmaler gotischer Bau, der den Bomben des Zweiten Weltkriegs zum Opfer fiel. Das Grundstück wurde seitdem nicht mehr bebaut, sondern diente als kleine Grünanlage. Derzeit steht der Baukran der Altstadtfreunde darauf.

Enderle würde dort ein Gebäude zur künftigen Erschließung des komplett wiederaufgebauten Pellerhauses errichten lassen, mit Treppen, Aufzug usw. Nötig wäre das aus folgendem Grund: Der bisherige Zugang zum Pellerhaus über das rechts angrenzende Imhoff’sche Haus – das die Altstadtfreunde nicht anrühren wollen – würde wegfallen. "Das Erschließungsgebäude muss keine Rekonstruktion des gotischen Bauwerks sein", sagt Enderle, der sich an dieser Stelle auch einen neutralen, zeitgenössischen Bau vorstellen könnte.

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Die Stadtspitze lehnt bekanntlich eine Rekonstruktion der prachtvollen Pellerhaus-Fassade ab. Vor allem deshalb, weil der in den 1950er Jahren errichtete Nachfolgebau der Architekten Mayer unter Denkmalschutz steht und deshalb höchstwahrscheinlich nicht abgerissen werden kann. OB Ulrich Maly hält – wie berichtet – auch nichts von der Idee der Altstadtfreunde, eine Plane mit dem Bild der historischen Fassade in Originalgröße vor den Neubau zu hängen. Befürchtet er doch, das Pellerhaus in seiner jetzigen Form würde auf diese Weise für seinen eigenen Abriss werben.

Eine Ikone des alten Nürnberg

Enderle ist mittlerweile davon abgerückt, lediglich eine Schaufassade vor dem Mayer-Bau hochzuziehen: "Das ist Unsinn." Aber er verteidigt den Vorschlag mit der Simulation: "Sie würde den Bürgern die Gelegenheit geben, sich einen genaueren Eindruck zu verschaffen, wie sich das alte Pellerhaus in die übrige Bebauung an der nördlichen Seite des Egidienplatzes einfügen würde."

Der Vereinsvorsitzende plädiert dafür, den Großdruck im kommenden Frühjahr etwa zwei Monate lang anzubringen. So will er "eine offene Diskussion" über die mögliche Wiedererrichtung des Pellerhauses anstoßen. Dazu gehören für Enderle auch Rahmenveranstaltungen wie etwa Informationsabende oder Podiumsdiskussionen mit Fachleuten beider Seiten – der Befürworter und der Gegner.

Die historische Ansicht zeigt das Schwarze Pellerhaus (links), das an die Westseite des Pellerhauses angrenzt. Ganz links ist noch ein Teil des ehemaligen Peststadels zu sehen. © Foto: Archiv Erich Mulzer


Enderle sieht – im Gegensatz zum Oberbürgermeister – nicht die Gefahr, mit der Plane für den Abriss des Pellerhauses zu werben. Er räumt jedoch ein gewisses Dilemma ein: "In dem Gebäude stecken zwei Dinge drin: Es ist eine Ikone des alten Nürnberg und gleichzeitig ein Beispiel für die Architektur der Nachkriegszeit." Problematisch am 50er-Jahre-Bau sei, dass sich innen nur das erste Stockwerk nutzen lasse, bei den anderen handle es sich um Archiv-Geschosse mit niedrigen Decken. Daher sei das Gebäude für das von der Stadt geplante "Haus des Spiels" – im Unterschied zum Imhoffhaus – ungeeignet. Letztlich findet Enderle nur die Mayer’sche Fassade, den Lesesaal und den Fußboden mit dem "Knotenmuster" erhaltenswert.

Auch den Denkmalstadel soll der Verein übernehmen

Die Stadt rechnet für die Sanierung des Pellerhauses und den Umbau zum Spielehaus mit Kosten von rund 25 Millionen Euro. Die Altstadtfreunde wollen sich derzeit auf keine Summe für den gesamten Wiederaufbau festlegen. Nur für die Rekonstruktion der prachtvollen Vorder- und Rückfassade aus Sandstein wagt Enderle eine Schätzung: rund 1,5 Millionen Euro. Er ist überzeugt, diese Summe ebenso wie den ganzen Umbau durch Spenden finanzieren zu können: "Wir verzeichnen ständig Neueintritte in unseren Verein, die hauptsächlich wegen der Rekonstruktion von Pellerhaus und -hof kommen."

Abgesehen vom Pellerhaus bieten die Altstadtfreunde der Stadt weiterhin die Übernahme des Pilatushauses am Tiergärtnertorplatz an, dessen Innenräume sie in Eigenregie sanieren wollen. Außerdem sei seinem Verein von der Stadt der Denkmalstadel in der Nähe von Kettensteg und Kreuzgassenviertel angetragen worden. Dort lagern Bauteile und Trümmer von im Krieg zerstörten Gebäuden aus dem ganzen Stadtgebiet – Überreste des alten Nürnberg, die beim Wiederaufbau keine Verwendung fanden. Die Altstadtfreunde haben sich im Lauf der Jahre bei Restaurierungen immer wieder aus diesem Fundus bedient.

Ute Wolf E-Mail

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