ProWal, der Tiergarten - und zwei Becken ohne Wasser

22.8.2014, 19:32 Uhr
ProWal fordert unter anderem einen Sonnen- und Wetterschutz für die Delfine und Besucher.

ProWal fordert unter anderem einen Sonnen- und Wetterschutz für die Delfine und Besucher. © Roland Fengler

Zwanzig Seiten umfasst der Brief, den die Tierschutzorganisation ProWal an das Nürnberger Ordnungsamt geschrieben hat. Zwei Delfine solle der Tiergarten abgeben. Mindestens. Es geht um nicht-öffentlichliche Außenbecken, die nach Meinung der Tierschützer illegal sind, gegen die Mindesanforderung für Delfinhaltung verstoßen. "Wir fordern die endgültige Stillegung", sagt ProWal-Geschäftsführer Andreas Morlok.

"Tatsächlich muss ich Herrn Morlok in diesem Fall Recht geben", erklärt Tiergarten-Chef Dag Encke. "Die Becken haben wirklich zu wenig Wasser für Delfine - nämlich gar keines." Seit dem 15. Mai 2012 liegen die Becken trocken, werden nicht mehr genutzt. Delfine schwimmen dort also seit Jahren nicht mehr. Encke kann die Tierschützer allerdings beruhigen: "Die Mindestanforderung für die Haltung heimischer Spinnen sind dort jedoch erfüllt."

Überdachung für den Winter

Auch fordert ProWal eine teilweise Überdachung der Delfinlagune, um die Tiere und Besucher "vor allen Wetterbedingungen" schützen zu können. "Ein Witz", sagt Encke. "Wenn Delfine vor 'allen Wetterbedingungen zu schützen' sind, dann frage ich mich, wie die armen Tiere im Meer bisher überleben konnten? Und wie übersehen werden konnte, dass sie dort einem offensichtlich unbedingt zu beendenden Leid ausgesetzt sind?"

Auch wenn die bemängelten Becken nicht mehr genutzt werden: Demonstrieren möchte ProWal trotzdem, am kommenden Sonntag von 10 bis 16 Uhr. Vor dem Tiergarten wollen sie sich versammeln - und auf ihre "umfangreichen Forderungen aufmerksam machen".

Zu den Forderungen gehört auch ein "Konzertverbot im gesamten Tiergarten". Dies gehe auf ein Konzert im letzten Jahr zurück erklärt der Tiergarten-Chef am Telefon. Damals hätte dort, wo normalerweise die Trainer stehen, ein Konzert stattgefunden. Encke weiter: "Für die Tiere war dies einer der schönsten Tage im Jahr, immer wieder sind sie neugierig und bester Laune zu der Bühne geschwommen, obwohl sie sich zurückziehen hätten können."

Bereits im Mai diesen Jahres wurde gegen die Delfinhaltung in Nürnberg demonstriert. Statt der von den Tierschützern erwarteten 270 Demonstranten kamen jedoch nur etwa 50, die vor dem Zoo schwarze Grabsteine aus Pappe auf den Boden legten und Grablichter aufstellten.

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