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Prozess in Nürnberg: 17-Jährige zur Prostitution gezwungen

Junge Frau durfte Wohnung nicht verlassen und musste Geld abgeben - 25.06.2019 09:05 Uhr

Zehn bis fünfzehn Freier musste Lorena B. (Name geändert) am Tag bedienen. Und das über Wochen hinweg. Sie sollte alle Wünsche der Männer befriedigen, auch ohne Kondom. "Die deutschen Männer wollen das so", habe ihr Zuhälter gesagt, berichtete die 18-jährige Ungarin der Polizei. Diese hatte sie im Oktober aus einer Modellwohnung in der Nürnberger Austraße abgeholt und als wichtige Belastungszeugin vernommen.

Lorena war erst 17, als sie eine etwa gleichaltrige Bekannte und deren zwanzig Jahre älterer Zuhälter und späterer Lebensgefährte für einen lukrativen Job anwarben. Sie solle für das Paar in Deutschland anschaffen, dafür bekäme sie umgerechnet 1200 Euro für etwa zwei Wochen. "Mir blieb nichts anderes übrig, als mich zu prostituieren. Bei uns gibt es keine Arbeit. Ich habe das Geld für meine Familie gebraucht", sagte sie den Polizisten. Sie stammt aus sehr ärmlichen Verhältnissen in einem ländlichen Teil Ungarns, der von hoher Arbeitslosigkeit geprägt ist.

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Mehrmals in den Jahren 2017 und 2018 fuhr Lorena B. nach Deutschland und bot sexuelle Dienstleistungen unter einem Künstlernamen in Wohnungen in Nürnberg, Erlangen und Regensburg an. Das Geld, das ihr die Freier gaben, musste die junge Frau abgeben. Sie bekam nur einen kleinen Teil davon. Die Wohnung durfte sie alleine nicht verlassen. Geschlagen oder bedroht worden sei sie jedoch nie, so die Zeugin.

Werbung auf Sex-Portalen im Internet

Neben dem Paar, das sie angeworben hatte, belastet die junge Ungarin noch eine dritte, 41 Jahre alte Frau. Diese hatte sich um Organisatorisches, etwa die Verhandlungen mit Freiern und Anzeigen mit Fotos auf einschlägigen Internet-Sex-Portalen, gekümmert.

Der 39-jährige Zuhälter und seine mittlerweile 18-jährige Lebensgefährtin wurden im Oktober 2018 in Nürnberg festgenommen und sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Die 41-Jährige, die in Ungarn als Trödlerin auf Flohmärkten arbeitet, stellte sich freiwillig dem Verfahren. Alle drei legten vor der Jugendkammer II des Landgerichts ein Geständnis ab.

Aus diesem Grund mussten weder Lorena B. noch eine zweite heranwachsende Zeugin persönlich vor Gericht erscheinen. Von beiden Frauen wurden nur die Polizeiprotokolle verlesen.

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Am Ende verurteilte das Gericht alle drei Angeklagten wegen schwerer Zwangsprostitution und schweren Menschenhandels. Der 39-jährige Hauptangeklagte muss für insgesamt vier Jahre und drei Monate hinter Gitter. In seine Verurteilung wurde eine noch nicht bezahlte Geldstrafe mit einbezogen.

Seine 18-jährige Lebensgefährtin kassierte zwei Jahre Jugendstrafe auf Bewährung. Sie wurde direkt nach dem Prozess auf freien Fuß gesetzt und konnte nach Ungarn reisen. Die 41-jährige Angeklagte, die nur eine untergeordnete Rolle in dem Fall spielte, kam ebenfalls mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe davon. 

Clara Grau

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