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Radkurier: "Das Mindeste wären breitere Radwege"

Patrick Herzog über gefährliche Strecken und rücksichtslose Parker - 25.04.2014 10:38 Uhr

Patrick Herzog ist seit 18 Jahren Radkurier. Ihn ärgern Autofahrer mit null Schuldgefühl: "Was würde wohl passieren, wenn ich mein Fahrrad auf der Straße abstellen würde, um in der Bäckerei einen Kaffee zu trinken?"

14.04.2014 © Hauke Höpcke


Herr Herzog, ist Nürnberg ein gutes Pflaster für Radfahrer?

Patrick Herzog: Im Vergleich mit anderen Städten schneidet Nürnberg schlecht ab. So gibt es zu wenig Fahrradwege und die vorhandenen enden häufig auf einer Straße oder sogar im Nichts. Ein Negativbeispiel ist die Ost-West-Verbindung von Nürnberg nach Fürth. Sie endet unvermittelt am Hauptmarkt. Radler müssen absteigen, schieben und dann erst geht es weiter. Kein Mensch käme auf die Idee eine Straße für Autos so zu konzipieren.

Wo sind besonders kritische Punkte?

Patrick Herzog: Da fallen mir sofort die Wege am Nordring ein. Sie sind viel zu schmal und dadurch gefährlich. Wenn ein Auto anhält und der Beifahrer die Tür öffnet, kann man nicht ausweichen. Im letzten Frühjahr habe ich mir dort bei einem solchen Unfall den Arm gebrochen.

Was sollte sich Ihrer Meinung nach ändern?

Patrick Herzog: Das Mindeste wären breitere Radwege, besser eine eigene Radler-Spur auf der Straße. Klar, damit macht sich eine Stadtverwaltung wenig Freunde, denn es fahren mehr Leute Auto als Rad. Aber in anderen Städten wie Freiburg oder Münster geht es auch, selbst in Berlin. Dort sind vergleichsweise mehr Menschen mit dem Fahrrad unterwegs als in Nürnberg obwohl die Entfernungen größer sind.

Einige Verkehrswissenschaftler schlagen vor, Radwege ganz abzuschaffen. Stattdessen sollen sich Autos und Radler die Straßen teilen. Was halten Sie davon?

Patrick Herzog: Die Idee hat viel für sich. Ich fühle mich manchmal auf der Straße sicherer als auf dem Radweg.

Dies liegt nicht zuletzt daran, dass man sich den wenigen Platz oft noch mit den Fußgängern teilen muss. Aber wenn ein Radweg vorhanden ist, muss er benutzt werden. Dabei haben Autofahrer null Schuldgefühl, wenn sie den Radweg zuparken. Was würde wohl passieren, wenn ich mein Fahrrad auf der Straße abstellen würde, um in der nächsten Bäckerei einen Kaffee zu trinken? Oder wenn eine Baustelle eingerichtet wird, ist scheinbar selbstverständlich, Container oder ähnliches auf dem Radweg abzuladen und ein Schild aufzustellen „Radfahrer absteigen“.

Interview: Hauke Höpcke

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