Räumung von Hochhaus in Langwasser wirft Fragen auf

4.10.2018, 05:24 Uhr
Wegen gravierender Brandschutzmängel wird das Hochhaus Leuschnerstraße 6 generalsaniert. Dafür sollen die Mieter aller 47 Wohnungen umgesiedelt werden. Dass es in den offenbar identischen Hochhäusern in der Nachbarschaft keine so schwerwiegenden Mängel geben soll, wundert einige Betroffene.

Wegen gravierender Brandschutzmängel wird das Hochhaus Leuschnerstraße 6 generalsaniert. Dafür sollen die Mieter aller 47 Wohnungen umgesiedelt werden. Dass es in den offenbar identischen Hochhäusern in der Nachbarschaft keine so schwerwiegenden Mängel geben soll, wundert einige Betroffene. © Foto: Anestis Aslanidis

Denn mit "gravierenden Brandschutzmängeln" hat das Evangelische Siedlungswerk (ESW) seine Entscheidung begründet, die etwa 90 Bewohner des Anwesens Leuschnerstraße 6 bis Ende 2019 umzusiedeln. Ende August fand eine Begehung der Feuerwehr (Abteilung Vorbeugender Brandschutz) und von Mitarbeitern eines Sachverständigen-Büros statt. Das Ergebnis lautete allerdings: Es sind Brandschutzmängel vorhanden, aber keine so gravierenden, dass das Wohnhaus nicht mehr genutzt werden könnte, sagt Feuerwehr-Sprecher Thomas Schertel. Vielmehr handle es sich um durchaus typische Mängel für Gebäude aus der Bauzeit 1960er Jahre.

In unmittelbarer Nachbarschaft des Gebäudes Leuschnerstraße 6 stehen drei praktisch baugleiche Hochhäuser: das Anwesen Leuschnerstraße 5, in dem das Eichstätter St. Gundekar-Werk Wohnungen vermietet, sowie die Hochhäuser Schulenburgstraße 6 und Stauffenbergstraße 53, die jeweils Eigentumswohnungen beherbergen. Das St. Gundekar-Werk hat sein Wohnhaus im Jahr 2009 "umfassend modernisiert", sagt Geschäftsführer Peter-Stephan Englert. Dabei sei "alles überprüft" worden, nennenswerte Mängel beim Brandschutz seien damals nicht zutage getreten. "Aber wir lassen das sicherheitshalber nochmal neu prüfen."

Keine gravierenden Mängen festgestellt

Auch im Anwesen Stauffenbergstraße 53 sind keine größeren Probleme bekannt, berichtet ein Mitglied des Verwaltungsbeirates, das ungenannt bleiben möchte. Bei der jüngsten Begehung vor rund vier Jahren – der sogenannten Feuerbeschau – habe die Berufsfeuerwehr einige Hinweise gegeben.

So muss die Feuerwehr-Umfahrt um den Bau erneuert werden, damit die schweren Einsatzfahrzeuge im Ernstfall an das Gebäude herankommen, ohne im Boden einzusinken. Und im Keller muss eine zweite Pumpe eingebaut werden, die bei Bedarf genügend Löschwasser bis in das zwölfte Obergeschoss drücken würde. Doch gravierende Mängel habe die Feuerwehr seinerzeit nicht festgestellt.

Sanierung oder gar Abriss?

Das Interessante an der Sache: Verwalterin des Anwesens Stauffenbergstraße 53 ist das ESW – das die Bewohner-Umsiedlung aus der Leuschnerstraße 6 mit gravierenden Brandschutzmängeln begründet. Betroffene fragen sich deshalb, weshalb in der Stauffenbergstraße 53 niemand ausziehen muss: Ob das ESW dort nicht genau genug hingeschaut hat, obwohl im "Schwestergebäude" Leuschnerstraße 6 die Mängel doch so groß sind. Oder ob die Umsiedlung der Bewohner dort am Ende ganz andere Gründe hat – etwa weil das ESW das Haus eigentlich abreißen und dann neu bauen will.

Robert Flock, Architekt und Technischer Geschäftsführer des ESW, sagt auf NZ-Anfrage, über die Alternative Sanierung oder Abriss der Leuschnerstraße 6 sei noch nicht entschieden. In jedem Fall sei es Ziel des Unternehmens, an dieser Stelle auch in der Zukunft bezahlbaren Wohnraum anzubieten.

Die großen Unterschiede beim Ausmaß der Brandschutzmängel führt Flock darauf zurück, dass die Nachbarhochhäuser einfach noch nicht so eingehend untersucht worden seien. Er geht davon aus, dass diese Wohnhäuser "vermutlich ähnliche" Brandschutzprobleme aufweisen wie die Leuschnerstraße 6. Für dieses Gebäude habe das ESW bereits vor gut einem Jahr eine Bestandsaufnahme erarbeitet – und die Ergebnisse zuletzt nochmal eingehend überprüfen lassen.

Die ESW-Wohnungsverwaltung, die für das Hochhaus Stauffenbergstraße 53 zuständig ist, wurde offenbar bislang nicht über die Brandschutzprobleme in Kenntnis gesetzt, lässt der ESW-Geschäftsführer durchblicken. Das soll nun nachgeholt werden.

Peter-Stephan Englert wiederum hat eine ganz andere Erklärung für die deutlichen Brandschutz-Unterschiede zwischen den vier benachbarten Hochhäusern. Vielleicht, so meint der Geschäftsführer des St. Gundekar-Werks, seien die Gebäude doch nicht so baugleich, wie man dies auf den ersten Blick vermuten könnte.

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