Dienstag, 12.11.2019

|

zum Thema

Regenwälder und Artensterben: Tiergarten will mehr aufklären

Schon Zoo-Azubis lernen Kundengespräch - Bildungsauftrag wird ernst genommen - 24.08.2019 05:45 Uhr

Christane Thiere kümmert sich nicht nur um Tiere, sondern auch um die Besucher des Zoos. © Günter Distler


"Die brennenden Regenwälder in Brasilien beunruhigen die Menschen derzeit: Wie viel wertvoller Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen wird ein Raub der Flammen? Das ist nur ein aktuelles Beispiel für den Verlust von Gebieten. In vielen Teilen der Erde verschwinden die Reviere wilder Tiere, der Mensch ist häufig die Ursache dafür.

Zahllose Tierarten sind akut vom Aussterben bedroht, manche konnten nur durch Erhaltungszuchtprogramme der Zoos weltweit überleben. Die Artenvielfalt zu bewahren, ist eine ihrer wesentlichen Aufgaben. Darauf machen die Pflegerinnen und Pfleger des Tiergartens Nürnberg aufmerksam.

Tiergarten nimmt Bildungsauftrag ernst

Eine offensivere Informationsarbeit will der Zoo am Schmausenbuck erreichen. Der Tiergarten ist eine öffentliche Einrichtung und daher auskunftspflichtig, argumentiert Helmut Mägdefrau, stellvertrtetender Tiergarten-Direktor. Und weil man den Bildungsauftrag ernst nehme, gehöre das Gespräch mit Passanten einfach dazu. Viel stärker und zielgerichtet als in früheren Jahren.

Bilderstrecke zum Thema

Grüne Lunge in Gefahr: Tausende Waldbrände wüten im Amazonas

Es sind Bilder einer Flammenhölle: Im Amazonasgebiet wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren und bringen die grüne Lunge in Gefahr. Insgesamt wurden seit Januar 72.843 Brände registriert - besonders betroffen: der Amazonas Regenwald. Derzeit kämen aufgrund der Trockenheit täglich mehr als 1000 neue Brandherde dazu. Frankreichs Präsident Macron hat zu einem Krisen-Gipfeltreffen aufgerufen.


Christiane Thiere, stellvertretende Revierleiterin für Lagune und Manatihaus, spricht Passanten im Manatihaus gelegentlich auch von sich aus einmal an und erklärt. Aber nicht zu lange: Die 51-Jährige hat oft erlebt, dass die Neugier oder die Bereitschaft, mehr über ein Lebewesen zu erfahren, Grenzen hat. "Bei Gruppen geht die Hälfte nach drei, vier Sätzen weiter", meint sie. Man dürfe die Leute nicht überfordern, schließlich sehen die meisten den Spaziergang im Zoo als Freizeitbeschäftigung.

"Der Prüfer spielt den lästigen, ignoranten Kunden"

Schon die Zoo-Auszubildenden lernen mittlerweile, dass nicht nur Ausmisten der Gehege und Beobachten der Tiergesundheit zu ihren Aufgaben gehört. In der Prüfungsordnung für die Berufsschulen ist auch "ein Kundengespräch“ zwingend vorgeschrieben. Dabei geht es nicht nur um freundliches Nachhaken.

"Der Prüfer spielt den lästigen, ignoranten Kunden, und der Auszubildende muss darauf reagieren“, erzählt Biologe Helmut Mägdefrau, „eine Aufgabe kann beispielsweise folgende Aussage eines Besuchers sein: ,Dem Hirsch geht es schlecht, er blutet am Geweih.‘ Der Azubi muss dann erläutern, dass der Paarhufer sein Geweih regelmäßig abwirft und er dabei blutet. Das ist ganz normal.“

Zoopädagoge Christian Dienemann coacht die künftigen Tierpfleger mit Rollenspielen: "Das Kundengespräch wird immer wichtiger. Der Zoo ist schließlich nicht abgeschirmt in einer Extra-Welt.“

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Nürnberg