Regionale Eier-Betriebe profitieren vom Fipronil-Skandal

Martin Müller

Redaktion Metropolregion Nürnberg und Bayern

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9.8.2017, 06:00 Uhr
In Millionen von Eiern wurde eine zu hohe Dosis von Fipronil festgestellt. Einige davon sind auch nach Deutschland gelangt.

In Millionen von Eiern wurde eine zu hohe Dosis von Fipronil festgestellt. Einige davon sind auch nach Deutschland gelangt. © Carmen Jaspersen (dpa)

"Das hatten wir noch nie, dass im Sommer alle Eier weg waren", staunt Markus Winkelmann, der bei Schnaittach einen Öko-Geflügelhof mit 6000 Bio-Hühnern betreibt. Normalerweise gibt es in der heißen Jahreszeit immer einen Eier-Überschuss, erst im Winter werden die Backöfen wieder angeschmissen und Eiweiß und Eigelb in Kuchen und Plätzchen verarbeitet. 

Doch in diesem Sommer ist alles anders. Der Fipronil-Skandal hat die Verbraucher aufgeschreckt. Zu niederländischen Eiern greift kaum noch jemand, und auch deutsche Großbetriebe sind vielen suspekt. Die Verbraucher vertrauen den regionalen Kleinbetrieben, schauen auf der Eierschachtel plötzlich ganz genau nach, wo die Ware herkommt.

"Wussten nicht, was drin ist"

"Von so einem Skandal mag ich eigentlich nicht profitieren. Die holländischen Kollegen wussten ja nicht, was in dem Mittel drin ist, und stehen nun unschuldig vor dem Ruin. Bei so etwas kann man ganz schnell selbst drinstecken", sagt Christian Endres, dessen Betrieb in Großrinderfeld bei Würzburg noch einer der größeren in der Region ist und von zehn Partnerlandwirten beliefert wird.

Dass sein Hof nicht drinsteckt in dem Skandal, hat Endres den Verbrauchern schnell signalisiert, mit einem Informationsschreiben auf der Internetseite und vor allem damit, dass er Eier aus dem Betrieb sehr schnell von einem Labor untersuchen hat lassen. 

"Die Nachfrage nach Junghennen steigt bei den Geflügelhöfen in Franken und der Oberpfalz", berichtet Erich Seltsam von LSL Rhein-Main, dem größten deutschen Geflügelvermehrer. Auch er kann bestätigen, dass der Eier-Nachschub teilweise knapp wird bei den regionalen Erzeugern.

Milben können Hühner töten

Seltsam kennt fast alle Betriebe in der Region und weiß, dass viele mittlerweile Silikate und Gesteinsstäube einsetzen, um der Roten Vogelmilbe Herr zu werden. 

"Von allen Milbenarten, die bei Geflügel vorkommen können, ist die Rote Vogelmilbe die schlimmste", meint Claus Schmiedel vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen, das Geflügelhalter in ganz Franken berät. Die Milbe klettert nachts die Beine der Hühner hinauf, pikst sie an und saugt Blut. Die daraus entstehende Blutarmut kann bis zum Tod führen. 

"Gegen die Milbe empfehlen wir zunächst einmal Staubbäder", sagt Schmiedel. Den Hühnern werden an mehreren Stellen im Stall Bäder aus einem Gemisch aus Sand und dem gegen die Milben wirksamen Urgesteinsmehl angeboten. Sie reinigen sich darin und bekämpfen gleichzeitig die Milbe.

Bei einem größeren Befall reichen die Staubbäder nicht mehr. Dann muss das Urgesteinsmehl in Wasser gelöst und großflächig versprüht werden. Diese Methode kommt ohne Chemie aus und schadet den Hühnern nicht. Die Milben aber trocknen aus und gehen ein.

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