Rentner kämpft gegen Tauben auf dem Balkon

22.6.2013, 07:59 Uhr
Ob Windrad, Rabe, Flatterbänder oder Zacken — Helmut Gruschka hat schon alles versucht.

Ob Windrad, Rabe, Flatterbänder oder Zacken — Helmut Gruschka hat schon alles versucht. © Horst Linke

Helmut Gruschka ist des Kampfes müde. Regelmäßig suchen Tauben die Balkone des 82-jährigen Mannes heim, hinterlassen dort ihren Kot oder fangen gar an, ein Nest zu bauen. Um die Tiere zu vertreiben, hat der Rentner glitzernde CDs aufgehängt, eine Raben-Attrappe montiert, Flatterbänder und Zacken an der Balkonbrüstung angebracht und ein Windrad in den Blumenkasten gesteckt. Alles zwecklos!

Gruschka ist mit seinem Problem offenbar nicht allein. Fast an jedem dritten Balkon der Hochhaus-Wohnanlage in der Imbuschstraße 4—12 haben die Mieter ähnliche Utensilien zur Taubenabwehr installiert. Vielfach sind schwarze Plastikraben sichtbar, vereinzelt auch Netze.

„Die Tauben lachen uns alle aus, die sind schlauer als wir“, sagt Gruschka resigniert. Helfen würden auch ihm wohl nur Netze, doch die kann und will er sich nicht leisten. Was den alten Mann aufregt: „Niemand fühlt sich zuständig und will uns helfen.“ Anrufe und Beschwerden bei der Stadt, der Polizei und dem Vermieter hätten kein Ergebnis gebracht. „Hier im Haus wohnen lauter alte Leute. Was ist, wenn jemand von dem Taubendreck krank wird?“, fragt der geplagte Mieter.

Das städtische Gesundheitsamt scheint diese Gefahr nicht zu sehen. „Leider können wir Ihnen bezüglich Ihres Hilferufs keine befriedigende Lösung anbieten. Auch Stadttauben dürfen nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden“, schreibt die Behörde und rät zu „baulichen Vergrämungsmaßnahmen“ wie das Spannen von Netzen, das Anbringen von Drähten oder Spikes. Diese könnten von Firmen, die auf Taubenabwehr spezialisiert sind, angebracht werden.

Mietminderung möglich

Helmut Gruschka würde sich jedoch wünschen, dass der Vermieter etwas gegen die Taubenplage unternimmt und auf seine Kosten Netze an den Balkonen montiert. Das Gesetz ist hier auf seiner Seite. Gunther Gailer, Geschäftsführer des Deutschen Mieterbunds Nürnberg und Umgebung e.V., weist darauf hin, das eine Taubenplage auf dem Balkon als Schädlingsbefall gilt und der Mieter Anspruch auf Mängelbeseitigung durch den Vermieter hat. Unter bestimmten Umständen sei eine Mietminderung bis zu zehn Prozent denkbar. Dazu gibt es diverse einschlägige Gerichtsurteile, etwa vom Amtsgericht München oder Altenburg.

Eigentümerin der 380 Wohnungen in der Imbuschstraße 4—12 ist die BGP Norddeutschland S.à.r.l. & Co. KG. Vertreten wird das Unternehmen durch die Hermes Hausverwaltung AG, die im Haus ein Büro unterhält. Auf Anfrage des Stadtanzeigers will der zuständige Hausmeister Dirk Gottschalk zunächst jedoch nichts von einer Taubenplage wissen.

„Uns ist bewusst, dass bei uns drei Taubenpaare fliegen, diese aber nicht zur Plage werden“, schreibt Gottschalk. Nicht alle Flächen, die den Tauben als Brutstätten dienen könnten, würden wöchentlich begangen und gereinigt. Zudem habe es bisher nur zwei mündliche Beschwerden über „angeblich“ brütende Tauben gegeben. Eine vollständige Vergrämung sei „nicht umsetzbar“. Auch eine komplette Vernetzung sei „keine Option“, unter anderem wegen der „optischen Beeinträchtigung“.

Einige Tage später erreichte den Stadtanzeiger eine weitere Stellungnahme des Hausverwalters. Der „Schwachpunkt“ sei nun ausgemacht, schreibt Gottschalk. „Wider Erwarten mussten wir feststellen, dass eine Mietpartei die Tauben füttert und den Balkon in eine Art Schlag umgewandelt hat.“ Hierzu habe die Hausverwaltung „Sofortmaßnahmen ergriffen“. Der betroffene Balkon werde vernetzt und fachmännisch gereinigt. Die verantwortliche Mietpartei werde „gemahnt und zur Unterlassung aufgefordert“. Gottschalk kündigt verstärkte Kontrollgänge auf den Balkonen an.

Elisabeth Mederer vom Verein Menschen für Tierrechte Nürnberg rät betroffenen Mietern, sich bei der Stadt zu beschweren. „Betreute Taubenschläge würden helfen, dann gäbe es das Problem nicht mehr“, glaubt die Tierschützerin. In Augsburg funktioniere das wunderbar.

„Die Tiere haben immer weniger Rückzugsmöglichkeiten“, hat auch Franziska Fuchs, Abteilungsleiterin bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft wbg, als Ursache der Taubenplage ausgemacht, die diverse Straßen in Langwasser betreffe. Die Mieter würden über das Fütterungsverbot informiert, die Kosten für nötige Abwehrmaßnahmen übernehme die wbg.


 

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