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Rouladen zum Auftakt: Vesperkirche startet in die vierte Saison

Sechs Wochen lang gibt es täglich eine Mahlzeit für einen Euro - 13.01.2019 10:03 Uhr

Bernd Reuther geht mit großem Optimismus in die vierte Saison der Vesperkirche. Das Sozialprojekt habe sich inzwischen als „Marke“ in Nürnberg etabliert, findet der Pfarrer und Cheforganisator. © Stefan Hippel


Sechs Wochen lang gibt es dann in der Kirche in der Allersberger Straße 116 täglich eine Mahlzeit für einen Euro. Der immense logistische Aufwand, den Reuther und die rund 500 ehrenamtlichen Mitarbeiter dann wieder bewältigen müssen, bereitet dem Pfarrer keine Sorgen. Der 55-Jährige sucht nach dem richtigen Wort, mit dem er die Routine, in der man die Herausforderungen inzwischen angeht, beschreiben kann: "Es ist nicht 'eingespielt', 'institutionalisiert' oder 'selbstverständlich'. Aber es ist eine Mischung aus allen drei Begriffen. Wir wissen, was auf uns zukommt."

Luft nach oben sieht der Cheforganisator in einer Kategorie, die er "Fehlerfreundlichkeit" nennt. Bei der Vesperkirche handele es sich um ein Projekt, das auf ehrenamtlichem Engagement basiert. Deswegen müsse nicht immer alles glattlaufen. Reuther appelliert daher an seine Mitarbeiter, nicht zu streng mit sich selbst und anderen zu sein, nicht zu perfektionistisch zu denken. Fehler seien kein Drama, man könne aus ihnen lernen. So hat man zum Beispiel entschieden, das Dessert, das der dem Sozialprojekt verbundene Starkoch Alexander Herrmann den Vesperkirchenbesuchern spendiert, diesmal für den 3. Februar zu terminieren. 2018 haben Reuther und Co. es für den letzten Vesperkirchentag bestellt, was dann zu Zeitnöten führte, weil noch das Abschiedsfest für die Mitarbeiter anstand.

Mehr Süender, mehr Zusatzangebote

Außer solchen Kleinigkeiten ändert sich wenig im Ablauf. Reuther freut sich indes, dass die Zahl der kostenlosen Zusatzangebote (zum Beispiel Friseur, Rechtsberatung, Bewerbungstraining) von rund 40 auf nunmehr 48 angewachsen ist. Auch die Zahl der Spender wächst. Der Pfarrer hofft daher, dass am Ende der sechs Wochen eine "rote Null" steht. Der Etat liege diesmal bei 170.000 Euro. Reuther betont, dass die Vesperkirche nicht von der Landeskirche bezuschusst werde.

"Wir bekommen lediglich vom Dekanat 10.000 Euro aus den Kirchgeldeinnahmen." Ansonsten müsse sich das Projekt über die Einnahmen aus dem Verkauf der Mahlzeiten (jeder kann freilich mehr als einen Euro geben) sowie über Sponsoren und den Erlösen aus den Benefizkonzerten finanzieren. Wenn am Ende ein Defizit bleibt, müsste das aus den Mitteln der Kirchengemeinde und des Diakonievereins Lichtenhof beglichen werden.

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Am Sonntag um 10 Uhr startet die Vesperkirchensaison mit dem Eröffnungsgottesdienst unter dem Motto "Wagemutig und bedacht". Traditionell wird wieder Regionalbischof Stefan Ark Nitsche zu Gast sein. Um 17 Uhr treten dann junge Sängerinnen und Sänger aus dem Internationalen Opernstudio des Staatstheaters Nürnberg auf. Wie immer bei den Benefizkonzerten ist der Eintritt frei, Spenden sind aber erwünscht.

Neben dem Staatstheater gehört auch die Nürnberger Zeitung zu den Partnern des Projekts. Die Nürnberger Zeitung liegt wieder jeden Tag in der Kirche aus. Abgesehen von den Sonntagen, an denen jeweils am frühen Abend kulturelle Veranstaltungen stattfinden, hat die Vesperkirche täglich zwischen 10.30 und 15.30 Uhr geöffnet. Reuther rechnet damit, dass im Schnitt über 500 Mahlzeiten über die Theke gehen. Zum Auftakt gibt es am Sonntag Rouladen und ein vegetarisches asiatisches Gericht zur Auswahl. 

Marco Puschner

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