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Rucksackwurf am Aufseßplatz: Festnahmen in München

Polizei prüft, ob Aktion nur für Youtube inszeniert wurde - 23.05.2016 19:50 Uhr

War auch der Vorfall im Januar ein Scherz? Ein Spezialist des Landeskriminalamtes stellte damals in Nürnberg fest, dass der Rucksack im Café am Aufseßplatz keinen Sprengstoff enthielt.

© Foto: Stefan Hippel


Prank-Filme gehören auf Youtube mittlerweile zu den beliebtesten Formaten. Das englische Prank bedeutet auf Deutsch "Dummer-Jungen-Streich". Kern des Ganzen: Sich einen Riesenspaß auf Kosten anderer zu machen.

Da werden auf offener Straße Schlägereien inszeniert, Leute dumm angeredet oder bezirzt. Mit dabei ist immer auch jemand, der die Szene filmt. Das Video laden die Macher dann hoch und hoffen, damit bei möglichst vielen Nutzern von YouTube zu landen.

Im Internet wimmelt es von solchen Filmchen, auch aus Nürnberg: In einem wirft ein arabisch gekleideter junger Mann Passanten eine Tasche vor die Füße und ruft "Allahu akbar". In einem anderen Video täuscht derselbe Mann mit Axt und Maske Angriffe auf Spaziergänger an der Wöhrder Wiese vor.

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Sprengstoffkommando am Aufseßplatz im Einsatz

Am Donnerstagnachmittag hatten zwei junge Männer einen Rucksack in einer Bäckerei am Aufseßplatz geworfen und dabei "Allah ist groß" gerufen. Ein Sprengstoffkommando konnte nach der Untersuchung Entwarnung geben.


Es gibt harmlose Pranks und weniger harmlose. Manche ziehen sogar einen Polizeieinsatz nach sich - so wie Mitte Januar auf dem Aufseßplatz in Nürnberg, als Unbekannte einen gefüllten Rucksack in eine gut besuchte Bäckerei warfen und "Allah ist groß" riefen. Das Café musste evakuiert werden, so wie die umliegenden Gebäude, der Platz wurde abgeriegelt. Der geworfene Rucksack löste einen Großeinsatz aus, Sprengstoffexperten des Bayerischen Landeskriminalamtes mussten extra aus München anreisen. Sie untersuchten das Gepäckstück - und gaben Entwarnung.

Einen ähnlichen Vorfall hat es kürzlich auch in München gegeben. Dort ging bei der Polizei ein Notruf ein. Der Anrufer sprach von "komisch aussehenden" Leuten, die in der Altstadt Passanten ansprachen. Nach Polizeiangaben waren drei Männer in arabischen Kaftanen unterwegs. Zwei trugen auf dem Rücken dicke Rucksäcke, aus denen Kabel hingen. Sie sprachen immer wieder Fußgänger an, ob sie ihnen nicht beim Zünden der Bomben behilflich sein könnten. Der Dritte im Bunde filmte dabei eifrig mit seinem Handy.

Sechs Streifen rückten an

Immer mehr Notrufe gingen bei der Einsatzzentrale ein, sechs Streifen rückten in der Fußgängerzone an, die drei Männer wurden festgenommen. Die zwei Akteure, die den Passanten Bombenattrappen vor die Nase hielten, sind 31 und 24 Jahre alt. Die Männer sind afghanische Staatsbürger aus München und Augsburg. Der Dritte im Bunde, der Filmer, ist ein in der Landeshauptstadt lebender Russe. Die Polizei beschlagnahmte die Kamera und das technische Equipment. Dem Trio blüht nun eine saftige Strafe unter anderem wegen Vortäuschens einer Straftat und Störung des öffentlichen Friedens. Außerdem werden sie die Kosten des Polizeieinsatzes tragen müssen — da geht es um mehrere Tausend Euro.

In Nürnberg erinnert man sich bei der Polizei an den schlechten Scherz vom Januar noch sehr genau. Das war’s dann aber auch schon. Denn anders als in München, verlief in Nürnberg die Fahndung im Anschluss an den Rucksackwurf ergebnislos. "Wir arbeiten daran. Bei der Ermittlung wurden noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft", so Polizeisprecher Bert Rauenbusch. Geprüft wird jetzt auch, ob die drei Männer, die in München gefasst wurden, etwas mit dem üblen Witz am Aufseßplatz zu tun haben.

In der Nürnberger Polizeipressestelle ist man sich jedenfalls einig: "Die Vorfälle sind instinkt- und geschmacklos. Sie verhöhnen die Opfer der jüngsten Bombenanschläge in Paris und Brüssel."

Alexander Brock

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