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Sanierung in Langwasser: Eigentümer bangen um Existenz

Die Anwohner müssen für die Fassadensanierung selbst aufkommen - 31.10.2018 05:56 Uhr

Hiobsbotschaft: In Neuselsbrunn bei Langwasser wurde an den Außenfassaden von fünf Hochhäusern brennbares Material als Dämmung eingebaut. Nun ist ein Teil der Fassade bereits freigelegt und Fachfirmen haben damit begonnen, die Baustoffe zu entfernen.

30.10.2018 © Stefan Hippel


Viele der Bewohner der insgesamt 390 betroffenen Wohnungen wurden von der Nachricht eiskalt überrascht. An den fünf Hochhäusern Neuselsbrunn 7, 31, 32, 53 und 54 in Langwasser müssen die Fassaden entfernt werden, weil dahinter brennbares Material verbaut wurde. Die Vonovia Immobilien Treuhand (VIT) wurde als Verwalterin der Eigentümergemeinschaft bei einer Brandschutzüberprüfung darauf aufmerksam gemacht, dass sich hinter der Außenfassade entzündliches Styropor, eingebaut in Hartfaserplatten, befindet. "Wir haben dann zusammen mit der Stadt ein Konzept erarbeitet, um zumindest zu verhindern, dass die Häuser geräumt werden müssen", sagt Bettina Benner, Pressesprecherin der VIT. Außerdem sind fünf Sicherheitskräfte im Einsatz, die den ganzen Tag um die Häuser laufen, etwa um zu verhindern, dass jemand in der Nähe der mittlerweile teilweise freigelegten Fassade raucht.

Gearbeitet wird zudem komplett ohne elektrische Geräte, denn auch diese könnten das Material entzünden. Zwischen zwei der betroffenen Hochhäuser stehen einige Anwohner und schauen ungläubig auf die eingerüstete Hauswand. Sie alle sind Wohnungseigentümer, sie alle wissen gerade nicht so recht, was noch auf sie zukommt. "Die von der Vonovia veranstaltete Eigentümerversammlung hat nicht wirklich unsere Fragen beantwortet", sagt einer von ihnen. Es sei natürlich eine sehr emotionale Veranstaltung gewesen, rechtfertigt sich Bettina Benner. Vorstellen kann man sich das gut, wenn man die Sorgen mancher Eigentümer hört.

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"Ich werde meine Wohnung verkaufen müssen"

Einer von ihnen ist Frührentner und hat monatlich nur wenig Geld zur Verfügung. Obwohl derzeit noch nicht klar ist, was die Bewohner die neue Hausfassade kosten wird, sagt er: "Ich denke, ich werde meine Wohnung verkaufen müssen." Die Anwohner rechnen mit Kosten in Höhe von 20.000 bis 50.000 Euro. Bis zum 20. Dezember müssen die brennbaren Materialien abgebaut sein. Eine zeitliche Vorgabe der städtischen Bauordnungsbehörde, die VIT-Geschäftsführer Matthias Stock derzeit als "machbar" einstuft, "aber natürlich ist das alles hier gerade ein zeitkritisches Thema“.

Was die Anwohner erwartet, wenn der 20. Dezember nicht eingehalten werden kann, darüber will Stock nicht spekulieren. Gerhard Steinmann kann außerdem beruhigen: "Ich gehe nicht davon aus, dass die Häuser doch noch geräumt werden müssen." Der Leiter der Bauordnungsbehörde hat zudem eine Antwort auf die Frage, wie der verbotene Dämmstoff einst überhaupt an die Hauswand gekommen ist. 1965 wurden die Gebäude von der Deutschbau, eine ehemals gemeinnützige Gesellschaft des Bundes und der Post, gebaut. "In dieser Zeit stand es im Gesetz, dass keine brennbaren Materialien verbaut werden dürfen, deshalb gibt es keine gesonderte Auflage dazu", erklärt Steinmann. Sowohl das Bauunternehmen selbst als auch der Architekt hätten das Gesetz natürlich gekannt, "aber in Zeiten des Baubooms hat da wohl keiner so genau hingeschaut". Ähnlich oberflächlich hingeschaut wurde 1995.

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Sind weitere Gebäude betroffen?

Ebenfalls die Deutschbau erneuerte in diesem Jahr die Dämmung, verwendete aber kein neues Material, sondern brachte auf die brennbare Styropor-Hartfaserplatten-Kombination lediglich eine weitere Schicht auf. "1995 waren Fassadenarbeiten nicht genehmigungspflichtig, deshalb wussten wir auch davon nichts. Erst seit 2008 müssen auch diese Arbeiten bei uns angemeldet werden", sagt Steinmann, der aber überzeugt ist, dass die Mitarbeiter damals gesehen haben müssten, dass die Dämmung nicht in Ordnung ist.

Die VIT, die die Gebäude 1997 von der Deutschbau kaufte, wusste natürlich ebenfalls von nichts, als sie die einzelnen Wohnungen an neue Eigentümer weiterverkaufte. "Ich hatte, ehrlich gesagt, auch nicht erwartet, dass wir so einen Fall in Nürnberg noch haben", sagt Steinmann. Ob noch weitere Gebäude in der Stadt betroffen sind, kann er nicht sagen. "Wir können nicht alle Hochhäuser auf einmal überprüfen", stellt der Behördenleiter klar. Aber zumindest die Objekte, die in derselben Zeit gebaut wurden, sowie die Bauten, die der damals in Neuselsbrunn zuständige Architekt geplant hat, wolle man sich sukzessive genauer ansehen. "Ich hoffe allerdings, dass wir nicht noch einmal etwas finden", so Steinmann.

Stefanie Taube E-Mail

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