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Schlimme Folgen für Tiere und Pflanzen: Streusalz kann gefährlich werden

In Nürnberg und vielen anderen Städten ist der Einsatz von Salz verboten - 18.02.2021 18:12 Uhr

In großen Lagern liegt das Salz des Servicebetriebs Öffentlicher Raum. Die Stadt verwendet es zum Streuen der Hauptstraßen – Privatpersonen dürfen das nicht.

 

18.02.2021 © Eduard Weigert, NN


Mit Schnee und Eis ist es erst einmal vorbei. Aber teilweise zeugen zumindest Salzreste auf den Gehwegen noch vom Frost der letzten Tage. Die weiße Schlieren ziehen sich vielerorts über das Pflaster – und das, obwohl der Einsatz von Streusalz in den meisten Kommunen, so auch in Nürnberg, verboten ist.


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Aus gutem Grund, wie Wolfgang Dötsch vom Bund Naturschutz (BN) erklärt: "Streusalz schädigt massiv die Vegetation. Pflanzen nehmen das Salz gezwungenermaßen über die Wurzeln auf, können es aber nicht ausscheiden." Besonders betroffen seien davon Bäume. Für sie stelle gerade in Zeiten des Klimawandels das Salz ein besonderes Problem dar, so Dötsch. "Natürlich werden auch Blumen und Gräser geschädigt. Sie können sich jedoch schneller wieder regenerieren."

Braune, verbrannte Nadeln

Neben der Aufnahme über Wurzeln kommt es oft auch zu direkten Verätzungen von Pflanzen durch salzhaltiges Spritzwasser im Straßenverkehr. "An größeren Straßen fällt oft auf, dass Nadelbäume an der Straßenseite braune, verbrannte Nadeln nach der Streusalzperiode haben", stellt der Experte fest.

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Aber das Salz auf Gehwegen und Straßen ist nicht nur für die Flora ein Problem. "Bei Haustieren führt es zu Verätzungen an den Pfoten, die zu schweren Entzündungen führen können. Zudem nehmen die Tiere durch Lecken das für sie schädliche Salz auf", sagt Dötsch. Dieses Problem treffe vor allem auch im Winter aktive Wildtiere, die sich in der Frostperiode die Pfoten nicht baden können.

Besonders ärgerlich: "Was viele Nutzer nicht beachten, ist die fehlende Wirkung bei tiefen Temperaturen ab etwa minus zehn Grad Celsius. In der vergangenen Frostperiode konnte man wieder gut beobachten, wie selbst bei diesen Tiefsttemperaturen sinnlos große Mengen Streusalz ausgebracht wurden", sagt Dötsch. Besen, Schaufel und Splitt seien hier die bessere und ökologischere Möglichkeit, so der Naturschützer.

Verbot nur für Privatpersonen

Das Streusalz-Verbot gilt allerdings nur für Privatpersonen. Der Servicebetrieb Öffentlicher Raum (Sör) setzt Salz zur Sicherung der Hauptstraßen ein. "Hier gilt aber der Grundsatz: So viel wie nötig und so wenig wie möglich", sagt Sör-Sprecher André Winkel. Die Fahrzeuge verfügen über genau dosierbare Streuautomaten, die mit einer Kombination aus Salz und Salzlauge arbeiten. So wird die Wirkung maximiert und die Salzmenge minimiert. "Privatleute verfügen über solche Möglichkeiten nicht. Hier wird leider viel zu oft nach dem Motto ,Lieber ein Pfund zu viel als ein Gramm zu wenig‘ gestreut", so Winkel.

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Der Hauptgrund für den Einsatz von Salz auf Fahrbahnen ist, dass abstumpfende Mittel wie etwa Splitt in kürzester Zeit aus der Fahrbahn gefahren werden und somit keine anhaltende Wirkung haben. Auf Geh- und Radwegen setzt Sör hingegen meist abstumpfende Streumittel ein. "Hier bleibt der Splitt aufgrund der geringen Verkehrsbelastung und geringerer Geschwindigkeit gut liegen und erfüllt seinen Zweck. Sör setzt Salz nur da ein, wo es unbedingt notwendig ist", bilanziert Winkel.

Werden Privatpersonen übrigens beim Einsatz von Streusalz erwischt, wird ein Bußgeld fällig. Beim ersten Mal sind das 55 Euro, Wiederholungstäter zahlen bis zu 150 Euro. Nürnberger können Streugut in haushaltsüblichen Mengen bei den städtischen Wertstoffhöfen und den Betriebshöfen von Sör abholen.

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