Schneeweiße Sparmaßnahme

21.7.2013, 08:59 Uhr
Im Herbst ziehen die Ohm-Studenten und -Studentinnen in das fünfgeschossige Gebäude ein.

Im Herbst ziehen die Ohm-Studenten und -Studentinnen in das fünfgeschossige Gebäude ein.

Danach wird das Haus, falls von der Technischen Ohm-Hochschule nicht mehr benötigt, Büro oder Gewerbe aufnehmen (Architekten Löser, Körner und Partner). Für 18 Millionen Euro vergleichsweise billig erbaut, langfristig und solide vermietet, das lieben die Anleger von Immobilienfonds. Wer aber im wirklichen Leben an dem kalten Kubus mit den schmucklosen Fensterlöchern vorüberfährt oder -geht, wird die Sache anders sehen.

Ein schräggelegter Gitterkäfig: Das Parkhaus an der Bahnhofstraße gehört zum Ensemble.

Ein schräggelegter Gitterkäfig: Das Parkhaus an der Bahnhofstraße gehört zum Ensemble.

Spätestens beim Anblick des dazugehörigen Parkhauses für 270 Autos, das als schräger Gitterkäfig an die Nürnbergerer Einfallstraße postiert wurde, kann man nachvollziehen, warum sich der Nürnberger Baukunstbeirat in seinem Gutachten zu dem Bestellbau zu einem pathetischen „Wehret den Anfängen!“ hinreißen ließ. Das Nürnberger Expertengremium kritisierte, dass hier weder städtebauliche noch architektonische Anstandsregeln erfüllt seien. Dass es anders gegangen wäre, ist auf der anderen Straßenseite zu besichtigen.
 

Hier war der Freistaat noch selbst Bauherr, die Würzburger Architekten Grellmann & Leitl haben dort vor 14 Jahren einen filigranen Universitätsbau mit viel Glas kreiert, der sich auf drei schlanken Betonsäulen weit in die Bahnhofstraße hineinschiebt. Das wertet den Stadtraum langfristig auf. Rund 31 Millionen Euro hat der Bau damals gekostet.

Der große Atriumhof mit seinem Glasdach, der das Gebäude innen belichtet.

Der große Atriumhof mit seinem Glasdach, der das Gebäude innen belichtet.

Vom vorbildlich sanierten Milchhof-Verwaltungsbau Otto Ernst Schweizers gar nicht zu reden, der vis-à-vis schon seit 83 Jahren eine hervorragende Figur macht. Gegenüber jedoch ist nur nackte Nüchternheit, selbst das brutale Weiß der Fassadenfarbe ist eine Sparmaßnahme. Farbe kostet, der Quadratmeter Fassade mit Fenster auch. Also besser weniger Durchblick...

Dass unter den 1000 Studenten der Betriebswirtschaft, der Sozialwissenschaft, der Elektro- und Feinwerktechnik, die es ab Herbst bevölkern werden, viele Architekturstudenten und -studentinnen sein werden, gilt in der Branche längst als Treppenwitz.

Noch ein Zitat des empörten Baukunstbeirats: „Das tief gesunkene Kommerz-Objekt stellt — als Gehäuse zur Bildung junger Menschen — den daran Beteiligten kein gutes Zeugnis aus.“

Immerhin hat das Gremium erreicht, dass die Freiflächen ein wenig aufgewertet wurden (Büro Adler & Olesch). Zwischen Parkhaus und Bestellbau entstand ein kleiner gepflasterter Hain mit Bäumchen und Bänken, vor dem Eingang zur Dürrenhofstraße ebenfalls eine schlichte Sitzgruppe und ein abgestufter flächiger Platz.

Die hohle Gasse zwischen dem Baukörper und dem aufgeschütteten Schotter.

Die hohle Gasse zwischen dem Baukörper und dem aufgeschütteten Schotter.

Nicht zu ändern war die fatale Situation zur Bahn hin. Mit dem etwa 15 Meter breite Streifen zwischen Böschung und Baukante wusste man nicht mehr anzufangen, als ihn mit einer Betonmauer zu begrenzen und mit grobem Schotter aufzuschütten. Ein deprimierender Anblick. Universitäre Träume von einem Amphitheater-ähnlichen Begegnungsraum im Freien an dieser Stelle waren schnell ausgeträumt. Entstanden ist eine hohle Gasse ohne jede Aufenthaltsqualität.

Betritt man das viergeschossige Gebäude mit dem dunkelgrauen Sockel, erfüllt sich die Erwartung, die hinter den Mauern endlose Büroflure und dunkle Treppenhäuser vermutet, allerdings nicht. Stattdessen betritt der Gast einen großen Atriumhof, der mit Glas überdacht ist und die innenliegenden Räume belichtet.

Auch hier alles weiß. Vier Treppen, grob in Beton gegossen, steigen auf. Oben, im vierten Stock, sind die Fensteröffnungen größer, denn die Räume mit den Architektenarbeitsplätzen dort sind so hoch, dass noch ein Stockwerk eingezogen werden könnte. Nichts, was der Betrachter von außen erkennen könnte.

Nächste ArchitekTour: Die sanierte Aussegnungshalle am Westfriedhof
 

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