Mittwoch, 01.04.2020

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Schrebergärten: Zufluchtsort für Pächter zu Zeiten von Corona

Rest muss draußen bleiben: Gärten für Öffentlichkeit nicht zugänglich - 26.03.2020 14:09 Uhr

Harald Weigand mit seiner Mutter Helga und Ehefrau Angelika - und Familienhund Bella. © NNZ


Die Sonne scheint, die ersten Blumen sorgen für bunte Farbtupfer im Gras - und in ihrer Parzelle der Kleingartenanlage an der Oedenberger Straße werkeln Simone H. und ihr zwölfjähriger Sohn Samu herum. Eine scheinbar alltägliche Szene - doch was ist in Zeiten von Corona schon noch normal? Denn wegen der aktuellen Lage hat die Stadt Nürnberg angeordnet, dass Kleingartenanlagen für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich sein dürfen.

Die Tore zu den Schrebergärten sind verschlossen zu halten, nur die Pächter und deren engsten Familienangehörigen haben Zutritt. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen: Die Pächter, die in der Regel daheim keinen eigenen Garten haben, werden in der kommenden Zeit besonders glücklich sein, mit dem Schrebergarten einen kleinen grünen Zufluchtsort zu haben.

"Ich bin froh, dass ich in den Garten kann"

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Ein eigenes kleines Fleckchen Natur mitten in der Stadt, das man selbst bewirtschaft: Für die vierfache Mutter Simone H., die mit der Familie in einer Wohnung lebt, ist dies ein Stück Lebensqualität: "Bei schönem Wetter bin ich fast jeden Tag hier." Und ihr zwölfjähriger Sohn Samu ergänzt: "Ich kann hier spielen und Geburtstag feiern, wir grillen auch gerne." Doch Treffen mit Freunden oder Feiern gehören erstmal der Vergangenheit an. Noch ist ungewiss, wie lange die Ausgangsbeschränkungen gelten werden. Simone H. sagt: "Ich bin froh, dass ich in den Garten kann."

Ein gepflegter Rasen, Gewächshaus, Hollywoodschaukel, Mini-Teich und viele Deko-Figuren: Einige Meter weiter haben sich Pächterin Angelika Weigand und ihr Mann Harald ein grünes Paradies geschaffen. Wobei - ihre Schwiegermutter Helga Weigand mache schon den Hauptteil der Arbeit, wie Angelika Weigand sagt. Sie witzelt: "Wir kommen dann in den Schrebergarten, wenn der Kaffee fertig ist." Alle drei lachen.

Der zwölfjährige Samu hilft seiner Mutter gerne im Garten. © NNZ


Natürlich ist Schwiegermutter Helga Weigand nicht nur ständig am Gärtnern: Die 77-Jährige sitzt entspannt auf der Liege und blinzelt vergnügt in die Sonne. "Das hier ist mein Lieblingsplatz", sagt sie und streichelt dabei Bella, den niedlichen kleinen Hund von Sohn und Schwiegertochter.

Draußen sein, im Garten herum werkeln, ins Schwitzen kommen, mit Familie und Freunden schöne Momente in der frischen Luft teilen: Jochen Obermeier nennt viele Gründe, warum man einen Schrebergarten pachten sollte. Der 65-Jährige engagiert sich für den Stadtverband Nürnberg der Kleingärtner, dem 44 Vereine angehören, als ehrenamtlicher Vorsitzender. Insgesamt 8500 Parzellen gibt es in Nürnberg - im Stadtverband der Kleingärtner sind die meisten Pächter mit 5980 Parzellen vertreten.

"Nur Klopapier haben wir leider nicht angepflanzt!"

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Jochen Obermeier ist in Sachen Corona durchaus sturmerprobt. Zur Stadtverwaltung hat er einen kurzen Draht, die neue Corona-Verordnung für die Kleingärten trägt er mit. Und auch organisatorisch bringt das Virus das Vereinsleben durcheinander: Die laufenden Vorstandswahlen der Mitgliedsvereine wurden wegen Corona gestoppt. Im Sommer will der Stadtverband seinen 100. Geburtstag feiern - doch ob die Festivitäten im historischen Rathaussaal sowie in der Meistersingerhalle wirklich stattfinden werden, ist mehr als fraglich.

In Sachen Corona sturmerprobt: Jochen Obermeier vom Stadtverband der Kleingärtner. © NNZ


Corona zeigt aber auch, wie wichtig es sein kann, sich selbst versorgen zu können. "Ich muss keine Hamsterkäufe tätigen", sagt Jochen Obermeier. Der Vorratsraum seiner Familie sei gut gefüllt. "Wir essen gerade unsere Blaukraut-Vorräte auf. Dann haben wir zum Beispiel noch vom Vorjahr tiefgefrorenen Kohlrabi, süß-sauer eingelegte Zucchini und Marmelade", zählt er auf. Und scherzt: "Nur Klopapier haben wir leider nicht angepflanzt!"

In seinem Garten sieht Obermeier jetzt die ersten blühenden Blumen - und am Ende des Gesprächs wird der 65-Jährige ein kleines bisschen philosophisch: "Wir sehen den Frühling kommen. Die Natur zeigt uns, dass sie stärker ist als Corona. Es geht weiter - trotz allem."

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