Schutz im Bahn-Bunker: Einblick in eine "absurde Anlage"

10.11.2017, 05:52 Uhr
Der Bunker unter dem Innenhof des DB Museums besteht aus insgesamt 28 Räumen. Dort sollten Bahn-Mitarbeiter den Zugverkehr in großen Teilen Nordbayerns aufrechterhalten.

Der Bunker unter dem Innenhof des DB Museums besteht aus insgesamt 28 Räumen. Dort sollten Bahn-Mitarbeiter den Zugverkehr in großen Teilen Nordbayerns aufrechterhalten. © Michael Matejka

Exakt 14 Tage hätten die Vorräte an Essen, Wasser, Frischluft und Diesel für den Stromgenerator gereicht. Danach hätten die Schutzsuchenden durch die Schleuse an der Lessingstraße ins Freie gehen müssen. "Die ganze Anlage war ein bisschen absurd", meint Ralf Arnold, der durch die einstige "Reichsbahn-Befehlsstelle Nürnberg" führt. Denn nach einem Atombombeneinsatz wäre die Luft nach zwei Wochen keineswegs wieder rein gewesen.

Mitarbeiter der Bundesbahndirektion hatten den Ernstfall "Dritter Weltkrieg" regelmäßig mit eintägigen Übungen geprobt. Die letzte Schulung fand 1989 statt. Doch die Schutzräume wurden nicht erst während des Kalten Krieges angelegt. Vielmehr hatte die Reichsbahn 1938 die Bunker-Leitstelle unter dem Innenhof des DB Museums eingerichtet: Niederländische Zwangsarbeiter waren bei dem Bau dieser nordbayerischen Kommandozentrale im Einsatz.

Die Befehlsstelle sollte den Bahnverkehr in Franken und der Oberpfalz sowie in Teilen Niederbayerns koordinieren. Auch die Truppenübungsplätze Hohenfels, Grafenwöhr, Hammelburg und Wildflecken gehörten zu ihrer Zuständigkeit. Schon ein Jahr vor Kriegsbeginn wollte man also für die mögliche Bombardierung von Zügen und Gleisstrecken gerüstet sein. Die dienstlichen Abläufe für insgesamt 99 Beschäftigte an 65 Arbeitsplätzen (im Zwei-Schicht-Betrieb) waren genau geregelt.

Der Bunker im DB Museum gegenüber dem Opernhaus ist mit einer zwei Meter dicken Betondecke geschützt. Einen direkten Bombentreffer hätte sie jedoch auch nicht ausgehalten, meint Experte Arnold, der seit Jahren durch die Nürnberger Felsengänge und Bunkeranlagen führt. Mit mehreren Um- und Ausbauten nach dem Zweiten Weltkrieg wollte man die Schutzräume ABC-waffentauglich machen. Riesige Aktivkohlefilter sollten für eine gesäuberte Atemluft sorgen, Sand war zum Abkühlen erhitzter Luft gedacht. Die Wasserversorgung sollte durch einen 100 Meter tiefen Brunnen gesichert sein.

Die "Befehlsstelle" ist die einzige, original erhaltene Anlage in Deutschland. Gruppen können Führungen buchen, für Einzelpersonen sind die Räume normalerweise verschlossen. Dass das Interesse an der verwinkelten Anlage groß ist, zeigte eine Sonderöffnung während einer "Blauen Nacht": Über 5000 Neugierige sahen sich in den Katakomben an der Lessingstraße um.

Führungen gibt es am Wochenende 18./19. November ab 11 Uhr bis 17 Uhr alle halbe Stunde. Anmeldung per Telefon 0800/32 68 73 86 oder E-Mail: info@dbmuseum.de

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