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Sicherheit im Internet: Alexa ist eine eifrige Datensammlerin

Museum für Kommunikation: Kinder lernen, wie sie sich online richtig verhalten - 29.08.2017 14:41 Uhr

Holger Weber von webhygiene.de zeigt den Kindern: Das Internet vergisst nichts, und "Alexa" (Amazon Echo, das kleine runde Gerät) sammelt fleißig Daten. Noch immer wissen Familien zu wenig über die vielen Fallstricke im Netz. © Roland Fengler


Dabei sind die Kinder mit dem Internet aufgewachsen, das Smartphone gehört zu ihrer Grundausstattung. Doch der vielfältigen Gefahren sind sich die wenigsten bewusst. Das soll sich heute im Rahmen des Ferienprogramms ändern. An vier verschiedenen Stationen im Museum für Kommunikation lernen die Neun- bis Zwölfjährigen, welche Fallstricke es gibt und wie diese sich am besten vermeiden lassen.

Die Initiatorin ist Elke Reiss, die beim Polizeipräsidium Mittelfranken für Cyberkriminalität zuständig ist. Sie hat verschiedene Fotos ausgedruckt und lässt die Kinder anhand von Smileys entscheiden, welche man veröffentlichen darf und welche nicht. Nacktfotos oder solche, die eine peinliche Situation abbilden, sind dabei ebenso tabu wie Fotos, deren Urheberrecht man nicht besitzt. "Dass man etwa das Bild einer Disney-Figur nicht als Profilbild nehmen darf, ist den meisten gar nicht bewusst", weiß Reiss. Sie empfiehlt dann gern ein Foto des Haustiers.

Cybermobbing ist ein großes Thema

Florian Drechsler, der sich um den Social-Media-Auftritt des Polizeipräsidiums kümmert, erarbeitet mit den Gruppen Verhaltensregeln in den sozialen Netzwerken. In allen Altersgruppen ist Cybermobbing ein großes Thema. Schnell entstehen Gruppen in Nachrichtendiensten, die etwa den Titel "Alle außer Klara" tragen. Oder ein Mädchen veröffentlicht ein Youtube-Video, in dem sie ein anderes als hässlich bezeichnet. Dass man sich an solch öffentlichem Mobbing nicht beteiligt, aber auch keine Bikinifotos von sich teilen sollte, gibt Drechsler den Kindern mit auf den Weg.

Wie man gute Passwörter erstellt, damit beschäftigt sich Claudia Fryckowska an einer anderen Station. Sie erzählt von der Verschlüsselung im Zweiten Weltkrieg durch die Maschine "Enigma". Im Anschluss erklärt die Museumspädagogin, wie man selbst ein schwer knackbares Passwort erstellt. "Denkt euch ein Lied aus, zum Beispiel 'Hänschen klein'. Dann nehmt ihr von der ersten Liedzeile jeweils die beiden Anfangsbuchstaben, also Haklgial. Das g sieht ein bisschen aus wie eine 9, damit haben wir auch eine Zahl in unserem Passwort." Als Satzzeichen ein Ausrufezeichen dahinter und eventuell noch die Anfangsbuchstaben der Seite, für die man es verwendet (bei Facebook also fa), und schon hat man mit Hakl9ial!fa ein schwer zu erratendes Passwort, das man sich trotzdem gut herleiten kann.

Apps hängen zusammen

Anhand eines leeren U-Bahn-Fahrplans macht Katharina Sandmann an einer anderen Station deutlich, wie die verschiedenen Apps auf dem Smartphone zusammenhängen. Google und der App-Store sind Knotenpunkte wie der Plärrer und der Hauptbahnhof, an dem man vorbei muss, um an die anderen "Stationen" zu gelangen. Auf einer Linie liegen alle sozialen Netzwerke, auf einer anderen die Informations-Anwendungen, die Spiele und die Basis-Apps wie die Einstellungen und die Kamera. Je wichtiger eine Anwendung ist, desto dichter ist sie am "Zentrum".

Fast alle Kinder nutzen WhatsApp, viele auch Twitter, Snapchat oder Instagram. Dass die Daten, die sie dort, aber auch auf Einkaufsportalen hinterlassen, für immer gespeichert sind, dafür versucht sie Holger Weber vom Unternehmen webhygiene.de zu sensibilisieren. Er zeigt, dass man heute noch nachschauen kann, wie eine beliebige Internetseite in den 1990er Jahren aussah. Sprachgesteuerte Computer wie Echo ("Alexa") von Amazon speichern die Anfragen als Tonaufnahmen. Und schon wird an einer Technologie gearbeitet, die es ermöglicht, allein anhand der Stimmlage Charakterzüge zu erkennen. "Unternehmen registrieren bereits, wie wir die Maus bewegen und erkennen daran, in welcher Stimmung wir uns befinden", erklärt Weber.

Er zeigt auch, wie Seiten untereinander persönliche Daten der Nutzer austauschen. "Wenn ich bei zalando.de nach einem T-Shirt in XXL suche, weiß auch otto.de bei meinem nächsten Besuch, dass ich XXL trage." Besonders abschreckend finden die Kinder jedoch die elektrische Zahnbürste mit Internetverbindung und Kamerafunktion. "Und dass Amazon will, dass wir uns 'Alexa' ins Schlafzimmer stellen", sagt der zehnjährige Noah. Er will jetzt auf jeden Fall die Kamera auf seinem Laptop abkleben. Immerhin hat er gerade gelernt, dass manche Hacker sonst sehen können, was er gerade macht. "Und ich benutze jetzt nur noch Handzahnbürsten", sagt die neunjährige Elina.
 
 

Stephanie Siebert

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