Situation dramatisch: Im Nürnberger Westen fehlt eine Schule

10.3.2021, 05:41 Uhr
Hier soll eine neue Grundschule entstehen: auf dem Gelände des Zentrums für Hörgeschädigte in Muggenhof.

Hier soll eine neue Grundschule entstehen: auf dem Gelände des Zentrums für Hörgeschädigte in Muggenhof. © Eduard Weigert, NNZ

Der Westen wächst. Und wie. In den kommenden Jahren steigt die Einwohnerzahl an der Stadtgrenze zu Fürth um die Hälfte an, hat Michael Ziegler ausgerechnet, von 12.000 auf 18.000 Muggenhofer und Eberhardshofer. Der Grund dafür sind große Wohnbauprojekte, beispielsweise auf dem Quelle-Areal oder dem AEG-Gelände, zählt Ziegler auf. Der SPD-Stadtrat kennt das Viertel gut.

Schule "platzt aus allen Nähten"

Das gilt auch für seinen Fraktions- und Parteivorsitzenden Thorsten Brehm, der in Muggenhof wohnt. Gemeinsam schlagen die beiden Politiker nun Alarm. Denn so sehr sie sich über die Bevölkerungsentwicklung im Westen der Stadt freuen, so sehr sorgen sie sich um die Lage an den Schulen.

Insbesondere an der Friedrich-Wanderer-Schule. Die derzeit einzige Grundschule in den Stadtteilen stößt schon jetzt an ihre Grenzen. Die vierzügige Schule ist durch Container bereits um zwei Züge erweitert. "Trotzdem platzt sie aus allen Nähten", sagt Ziegler. Die Schule wird bereits erweitert, auf einer angrenzenden Fläche entstehen vier Unterrichtsräume, außerdem sollen hier die fünf Hortgruppen unterkommen. Statt in Containern.


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Die Schräglage, sagt Ziegler, ist längst da. "Und das Aufploppen der neuen Wohnräume steht noch bevor." Das treibt nicht nur die Sozialdemokraten um: Viele junge Eltern im Stadtteil sind beunruhigt. Das ist beim für Muggenhof, Eberhardshof und auch Doos und Gostenhof zuständigen Bürgerverein angekommen.

Als grüne Oase im dichtbebauten Eberhardshof ist der neue Quellepark von vielen begrüßt worden.

Als grüne Oase im dichtbebauten Eberhardshof ist der neue Quellepark von vielen begrüßt worden.

"Es entstehen, löblicherweise, sehr viele neue Wohnungen", sagt der Vorsitzende Heinz-Claude Aemmer. "Allerdings haben auch wir die Befürchtung, dass die notwendige Infrastruktur nicht im gleichen Maße mitwächst."

Das gilt in erster Linie für Schulen und Kitas. Hier muss "dringend eine angepasste Planung" her, sagt Aemmer. Oder eben eine neue Einrichtung. Die ist längst geplant, weiß Thorsten Brehm. 2018 hat die Stadt eine Vereinbarung mit dem Bezirk Mittelfranken unterschrieben. Wie berichtet, soll auf dem Gelände der Paul-Ritter-Schule eine neue Grundschule gebaut werden.

Schulen inklusiv verbunden

Auf dem Gelände des Zentrums für Hörgeschädigte in der Pestalozzistraße soll eine dreizügige Schule entstehen mit vielen inklusiven Ansätzen. "Innovativ und gut" findet Brehm die Idee, Pausenhof oder Mensa gemeinsam zu nutzen. Außerdem lautet der Plan damals, dass der Bezirk als Bauherr fungiert, was die Stadt und das Baureferat entlasten würde. Zudem sei der Standort perfekt, "weil die Kinder aus den nördlichen Teilen nicht mehr über die Fürther Straße müssen".

Doch die Pläne scheinen ins Stocken geraten zu sein, sagt Brehm. Oder gar geplatzt? Das Gerücht macht in den Stadtteilen die Runde. Deshalb fordert die SPD die Stadt auf, die Pläne für die Grundschulen im Westen darzustellen.

Gespräche zwischen Stadt und Bezirk

Das will Claudia Trinkl bald tun. Mit einem positiven Ergebnis. Die Gespräche mit dem Bezirk über eine Grundschule West laufen, sagt die Schulreferentin. Das bestätigt Wolf Dieter Enser, wenn auch verhaltener. "Grundsätzlich ja", sagt der Sprecher vom Bezirk Mittelfranken auf die Frage, ob der Plan noch steht.

Allerdings hat sich auf der Fläche bislang nichts getan, obwohl der Bezirk dort noch mehr geplant hatte. Die Räume des Zentrums für Hörgeschädigte sollten saniert werden, das aber sei "aus verschiedenen, insbesondere bautechnischen Gründen in der zweiten Jahreshälfte 2020 beendet" worden.

Wie - und wie schnell - es nun mit dem Grundschulbau weitergeht, kann Enser nicht sagen. Eine vierzügige Schule, wie sie die SPD angesichts der vielen Neubürger fordert, kann sich der Bezirk nicht vorstellen. Das weiß Cornelia Trinkl, die aber noch eine weitere Möglichkeit sieht, Schulkinder unterzubringen: in zusätzlichen Plätzen an der Reutersbrunnenschule.

Bleibt das Hörgeschädigten-Zentrum

Und wenn, wie manche befürchten, der Bezirk die Schule in Muggenhof auflöst? "Beim Zentrum für Hörgeschädigte handelt es sich um eine Pflichtaufgabe des Bezirks Mittelfranken", stellt Enser zunächst klar. Überlegungen das Zentrum aufzugeben, gebe es deshalb nicht.

Aber "im Zuge der nun neu beginnenden Planung prüft der Bezirk alle Möglichkeiten am jetzigen Standort und weitere, bezirkseigene Alternativen in Nürnberg". Zum Beispiel in Eibach, wo der Sozialdienst für Gehörlose des Bezirks sitzt?

Parkplatzprobleme - schon jetzt

Fragen, die mit der Stadt geklärt werden sollen. Geht es nach der SPD und dem Bürgerverein, muss das bald passieren. Heinz Claude Aemmer gibt zu bedenken, dass auch die Versorgungslage und der Nahverkehr angepasst werden müssen. Das gelte auch für den "wachsenden Bedarf an Parkplätzen". Schon jetzt "herrschen chaotische Zustände in diesem Bereich".

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