So wird das Spielzeugmuseum künftig aussehen

27.2.2021, 20:15 Uhr
Karin Falkenberg, Direktorin des Spielzeugmuseums, hält ein Warnschild in Händen: Das Erdgeschoss des Hauses wird komplett neu gestaltet.

Karin Falkenberg, Direktorin des Spielzeugmuseums, hält ein Warnschild in Händen: Das Erdgeschoss des Hauses wird komplett neu gestaltet. © Eduard Weigert/NNZ

Die Riesen-Geburtstagsparty findet nicht statt und auch die für Juni geplante Wiedereröffnung des neuen Erdgeschosses wird auf Dezember verschoben. Rund eine Million Euro - finanziert aus Erbschaften, Spenden und Fördermitteln - wird die neue Optik kosten. Die oberen Stockwerke sind geöffnet, sobald die Lockdown-Beschränkungen wieder aufgehoben sind. Der Zugang erfolgt dann über das Anwesen Karlstraße 17 und den historischen Innenhof. Allerdings ist das Spielzeugmuseum während der Bauarbeiten nicht barrierefrei zugänglich.

Drei besondere Veranstaltungen

Im Jubiläumsjahr sind drei "Countdown-Veranstaltungen" geplant. Ein 3-D-Drucker soll im Mai die 700 Jahre alte Kruseler-Puppe in Holz nachformen. Dieses älteste Nürnberger Spielzeug aus Ton wurde 1856 beim Straßenbau in der Äußeren Laufer Gasse gefunden. Im Frühjahr sollen Liebhaber die Replik erwerben können, der Preis steht noch nicht fest.

Die Kruselerpuppe ist eine absolute Rarität: Das Spielzeugmuseum will sie im Jubiläumsjahr als Holzreplik herstellen lassen.

Die Kruselerpuppe ist eine absolute Rarität: Das Spielzeugmuseum will sie im Jubiläumsjahr als Holzreplik herstellen lassen. © Spielzeugmuseum

Als zweite Überraschung wird im Juni das "Kabinett Lydia Bayer" eröffnet - für beide Frauen gleichen Namens: Die Mutter hatte mit ihrem Mann den Grundstein für die umfangreiche Spielzeugsammlung gelegt, ihre Tochter brachte diesen Schatz an Puppen, Eisenbahnen und Blechspielzeug als Gründungsdirektorin des Museums ein. Im neuen "Kabinett" erinnern Fotografien, Texte und Objekte an die beiden. Und die bekannte Gobelin-Tasche von Lydia Bayer jr., in der sie Spielzeug zum Verschenken oder Tauschen mit sich herumtrug, "erzählt" aus ihrem Alltag.

Rassistisches Spielzeug

Eine Ausstellung zu rassistischem und antirassistischem Spielzeug ist als dritte Aktion im Juli geplant. Eine US-amerikanische Besucherin hatte sich entsetzt über die schlaksige Spielzeug-Figur eines schwarzen Mannes geäußert und damit die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema angestoßen.

"Es gab großen Handlungsbedarf bei problematischem Spielzeug", meint Direktorin Falkenberg. Rund zehn Exponate wurden aus der Ausstellung genommen - aber nicht, um als Tabu dauerhaft zu verschwinden. Mit einer bewussten Warnung bei der Präsentation will man das Thema Rassismus beim Spielzeug ansprechen.

Viele Anregungen

Die drei Aktionen sollen auf das "neue Spielzeugmuseum" hinführen. Die Besucher konnten über eine lange Zeit hinweg ihre Eindrücke und Veränderungswünsche auf Postkarten notieren und im Spielzeugmuseum abgeben. Über 4000 Rückmeldungen kamen zusammen.

Vor allem drei Punkte waren den Gästen wichtig: Das Haus soll heller werden, auch wenn gedämpftes Licht zum Schutz der Schaustücke erforderlich ist. Immer wieder wurden mehr Möglichkeiten zum Spielen eingefordert. Und ein weiterer Wunsch war, neuestes Spielzeug neben den historischen Puppen und Blechspielwaren zu präsentieren: Alle drei Wünsche will das neue Haus erfüllen.

"Mit Spielzeug die Welt erklären"

"Wir wollen mit Spielzeug die Welt erklären", betont Direktorin Falkenberg, "und allgemeingültige Aussagen mit Leben füllen - wie etwa: Alle Menschen müssen essen und trinken. Alle Menschen sind überall anders und überall gleich. Alle Menschen haben Träume und Sehnsüchte."

Ein großer Anspruch. Die Beschäftigten müssen daran arbeiten, dass die Sätze nicht als Plattitüden in irgendeinem Projektordner abgeheftet werden. Die Chance zur Gestaltung ihres Haues als "Weltmuseum", wie Falkenberg es nennt, besteht. Mit einem Bestand von derzeit 93.000 Exponaten, von denen die meisten im Depot schlummern, lässt sich ein bunter Raum der Phantasie und der Träume formen.

Virtuelles Depot

Auch wenn in den nächsten Tagen noch kein Besuch in der Karlstraße möglich ist: Das virtuelle Depot des Spielzeugmuseums hat immer geöffnet. Allerdings benötigt die Darstellung dringend ein umfassendes Update, denn die Präsentation ist kärglich. Hier geht es zum virtuellen Depot.

Keine Kommentare