Speis und Trank unter baumelndem Totenkopf

4.6.2012, 20:08 Uhr
Motzt nicht nur Autos auf: Mike Löwel bietet Fastfood mal anders.

Motzt nicht nur Autos auf: Mike Löwel bietet Fastfood mal anders. © Michael Matejka

Denn hinter der Tür verbirgt sich neuerdings etwas, das weit weg von „fränkisch-traditionell“ ist. Wer weiß, wer dafür verantwortlich zeichnet, dem könnte da gleich was dämmern: Mike Löwel nämlich. Der 43-Jährige ist alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Mit seiner erfolgreichen Fachwerkstatt für Oldtimer-Restauration „Big Block“ in Boxdorf erlangte er spätestens seit den Jahren 2005 bis 2010 einen nicht unerheblichen Bekanntheitsgrad.

Rund zwanzig Autos wurden in Begleitung von Kamerateams fachmännisch restauriert, die Folgen der Serie auf DMAX, RTL2 und Pro7 ausgestrahlt und sind zum Teil auch heute noch zu sehen. Jetzt also das nächste Projekt. „Ich wollte immer schon mal eine Kneipe aufmachen“, sagt Löwel. Und deswegen war für ihn völlig klar, dass die Zeit gekommen war, als er zufällig beobachtete, wie aus dem einstmaligen Restaurant das Mobiliar hinausgeschleppt wurde. „Das hat mir zwar eigentlich grad gar nicht reingepasst, aber dann dachte ich mir: Wenn nicht jetzt, dann nie!“ Im Gegensatz zu dem Gespräch, das Big-Block-Mike wenige Jahre zuvor schon mit dem Vermieter geführt hatte, zeigte sich dieser mit dem neuen Konzept einverstanden.

Und das sieht so aus: Ein Rock’n’Roll-Wirtshaus, das sollte es sein. Ist es auch geworden. Die dunkle Holzvertäfelung, mit der alle Räume komplett verschalt waren, wurde bis zur unteren Hälfte entfernt, die darunter liegenden Wände in einem prächtigen Giftgrün gestrichen. An den Wänden hängen originale Fine-Art-Siebdrucke verschiedener Künstler, es trasht und kitscht gewaltig – was nicht zuletzt an allerlei Stücken aus Mike Löwels privater Sammlung liegt: pinke Pudel, winkende Queens, baumelnde Schrumpfköpfe, quietschbunte Blumengirlanden setzen, vorsichtig gesagt, farbliche Akzente. Ganz und gar herrlich.

Ebenso herrlich: der ehemalige Stammtisch ist genauso geblieben, wie er immer schon war – eine altmodisch runde, holzvertäfelte Nische. Auf den handbezogenen Bänken und Stühlen in schwarzer Krokoleder-Optik sollte man sich neben den zu wirklich fairen Preisen gereichten Longdrinks, Bieren und Schnäpsen unbedingt eins einverleiben: die Dogs und Burger. Die haben nämlich ebenfalls wieder nicht viel mit Herkömmlichem zu tun. Zwar sind die Angusrind-Burger noch relativ standardisiert, doch gilt es hier schon, sich zu entscheiden, ob der auf einem Bett normaler Fritten oder solchem aus Süßkartoffeln kredenzt werden soll. Die Dogs im „wild food“-Angebot heißen dann beispielsweise „Italian Dog“, was bedeutet, dass da kein Gurke-Zwiebel-Ketchup-Wienerle in der lätschigen Schrippe kommt, sondern eine frisch vom Metzger gelieferte Pinienkern-Wurst, die von Mozzarella, Tomaten und Rucola begleitet wird.

An dieser Stelle wird fleißig weiterexperimentiert, so dass immer wechselnde Specials herauskommen. Gerade in Arbeit: der Hirsch-Dog. Den wird’s dann auch für den späten Hunger geben, denn die Küche bleibt auf jeden Fall bis 23 Uhr warm. „Türsteher oder so will ich hier keine haben. Ich find‘ es witzig, wenn verschiedenste Menschen hier aufeinandertreffen“, versichert Löwel. Die Gelegenheit zur vielschichtigen Begegnung besteht vorerst nur Freitag und Samstagabend, bei gutem Wetter auch vor und hinter dem Haus draußen, um sich dort am „Bierkranz“ zu verlustieren. Keine Ahnung, was das ist? Hingehen und rausfinden!

Mehr Informationen über den Beckschlager in unserer Rubrik Essen und Trinken!

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