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Donnerstag, 25.04.2019

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Spendenbetrug? Wirbel bei Obdachlosenhilfe "Little Home"

Staatsanwaltschaft Köln ermittelt gegen Vereinsgründer - Nürnberger enttäuscht - 29.01.2018 05:48 Uhr

Mit Hilfe von "Little Home" sollten Menschen eine Chance bekommen, aus den Obdachlosenheimen herauszukommen und sich eine eigene Existenz aufzubauen. Der Startschuss dafür ist ein eigenes kleines Zuhause. © Stefan Hippel


"Wir distanzieren uns in aller Form und Deutlichkeit von Little Home und seinem Vereinsgründer und ersten Vorstand Sven Lüdecke", erklären die bisherigen Nürnberger Unterstützer Andreas Fiek und Reinhard Lamprecht. Sie wollen künftig nicht mehr für den Verein tätig sein und ihn "in keinster Weise" mehr unterstützen.

Die beiden sind total enttäuscht und entnervt von den Vorgängen der vergangenen Wochen. Ende November hatten sie den hiesigen Medien noch voller Elan das erste Nürnberger "Little Home" vorgestellt. Vereinsgründer Lüdecke war zu dem Termin gekommen. Zu diesem Zeitpunkt war die Kommunikation zwischen allen Beteiligten noch völlig in Ordnung.

Das Ziel des Kölner Vereins, Obdachlosen für nur 800 Euro eine eigene, winterfeste Behausung zu verschaffen, hatte die Nürnberger Helfer überzeugt. Sie bauten eine 3,2 Quadratmeter kleine Holzhütte, die mit fünf Zentimeter starkem Styropor gegen Kälte gedämmt ist.

Begeisterung der Bürger

Fiek und Lamprecht warben außerdem eifrig in ihrem Bekanntenkreis sowie bei befreundeten Unternehmen für das Projekt. Mit Hilfe von "Little Home" sollten Menschen eine Chance bekommen, aus den Obdachlosenheimen herauszukommen und sich eine eigene Existenz aufzubauen. Firmen und Bürger begeisterten sich für die Idee und spendeten für das Vorhaben.

Allerdings wurden die Nürnberger Helfer nach einiger Zeit stutzig: "Zugesagt war ein eigenes Spendenkonto für Nürnberg, Transparenz über die Spendeneingänge, die saubere Abwicklung und Versendung von Spendenquittungen und vollste Unterstützung vom Verein, um weitere Häuser bauen zu können", erklären sie, aber: "Nichts davon wurde eingehalten."

Alarmglocken gingen an

Auf immer dringlichere E-Mails erhielten die beiden — aus ihrer Sicht — unbefriedigende, ausweichende Antworten. Sie hatten den Eindruck, nur vertröstet zu werden. Als sie im Internet einen Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers entdeckten, der über staatsanwaltliche Ermittlungen berichtete, schrillten bei ihnen die Alarmglocken.

Die Staatsanwaltschaft Köln erklärt auf Nachfrage, dass gegen Sven Lüdecke ein Verfahren wegen des Verdachts der Veruntreuung von Spendengeldern läuft. Der Rechtsanwalt des Beschuldigten weist den Vorwurf zurück: "Es gibt Anzeigen von enttäuschten Unterstützern aus dem Dunstkreis von Herrn Lüdecke", sagt Rechtsanwalt Philipp Obladen, "da ist aber nichts Wahres dran. Es handelt sich um eine Racheaktion." Sein Mandant sei Opfer einer "Diffamierungskampagne", durch die ihm erheblicher Schaden entstanden sei.

Keine Klarheit

Auch den Vorwurf mangelnder Transparenz beim Umgang mit Nürnberger Spendengeldern lässt Lüdecke nicht gelten. Man habe entsprechende Unterlagen zugeschickt. Doch für Fiek und Lambrecht war dennoch keine Klarheit gegeben: "Wir wurden nur vertröstet."

Das Verhältnis zwischen dem Kölner Vereinschef und seinen Nürnberger Mitstreitern ist zerrüttet, die Zusammenarbeit beendet. Für die Nürnberger ist dieses Kapitel abgehakt: Sie wollen sich jedoch weiter für das Thema Obdachlosigkeit in Nürnberg engagieren und "führen bereits Gespräche mit seriösen Partnern".

Das will übrigens auch Lüdecke tun: Er hat nächste Woche einen Termin mit einer Nürnberger Berufsschule: Die Jugendlichen sollen weitere "Little Homes" bauen — für Nürnberger Obdachlose. 

Hartmut Voigt Lokalredaktion Nürnberg E-Mail

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