Schäden am Denkmal

Spendenkampagne soll Bröckeln von Nürnbergs Mauer stoppen

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Hartmut Voigt

Lokalredaktion Nürnberg

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7.8.2021, 05:46 Uhr
Neue Stützen helfen an der Stadtmauer, den durch den Verkehr verursachten Erddruck zu bewältigen.

Neue Stützen helfen an der Stadtmauer, den durch den Verkehr verursachten Erddruck zu bewältigen. © Michael Matejka/VNP

Rund fünf Kilometer ist die denkmalgeschützte Stadtmauer lang, sie prägt das Bild Nürnbergs. Schon in der Schedelschen Weltchronik von 1493 ist das massive Bollwerk zu sehen, das jahrhundertelang nicht eingenommen worden ist.

Wehrfunktion schon lange verloren

Erst 1945 wurde der Sandsteinwall überwunden, als die US-Army die Stadt vom Nationalsozialismus befreite. Damals hatte die Mauer schon lange ihre Wehrfunktion verloren, sie spielte als touristische Besonderheit eine Rolle.

Das "Schmuckstück" muss gepflegt werden, denn der massive Erddruck durch den Straßenverkehr, durch Verlegung von Leitungen, Frostschäden und Salz vom Winterdienst setzen ihr mächtig zu.

Der Stadtrat hatte bisher ein Zehn-Millionen-Euro-Programm genehmigt, um das Wehr-Bauwerk "in Schuss zu halten". Doch das reicht nicht, weiß Nürnbergs dritter Bürgermeister Christian Vogel jetzt schon: "Wir brauchen 25 Millionen Euro." Angesichts einer Verschuldung von über 1,76 Milliarden Euro ist es mehr als unwahrscheinlich, dass der städtische Haushalt dafür weiter belastet wird.

"Europaweit einmalig"

Daher startet die Stadtspitze gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) eine Spendenkampagne speziell für die Sanierung der Stadtmauer. "Sie gehört zur Identität Nürnbergs, es ist eine europaweit einmalige Anlage", betont Oberbürgermeister Marcus König und wirbt: "Helfen Sie mit, spenden Sie."

Der erste Sanierungsabschnitt am Spittlertorgraben steht bereits kurz vor dem Abschluss: Bis zum Oktober sind 1,47 Millionen Euro verbaut, die Hälfte der Summe wurde mit Hilfe von Zuschüssen und Stiftungen abgedeckt. Auch die DSD hat 70.000 Euro beigesteuert.

Zum Auftakt des zweiten, 1,9 Millionen Euro teuren Abschnitts am Neutorgraben schlägt die DSD die Werbetrommel: Mit einem Hochglanzprosekt stellt sie die Nürnberger Verteidigungsanlagen und ihre Probleme vor. Es geht neben dem Neutorgraben auch um den runden Laufertorturm beim Rathenauplatz, der schon seit langem eingerüstet ist - als Schutz vor herabfallenden Steinen.

Schwierige Situation

Beim Neutorgraben müssen die Handwerker mit einer schwierigen Situation zurechtkommen: Die Wand ist sehr hoch. Vorsatzpfeiler wie an anderen Stellen, die dem Erddruck entgegenwirken, sind hier nicht möglich. Spezielle aufwändige Tiefbaumaßnahen sind vorgesehen - und die kosten natürlich Geld.


Was die Deutsche Stiftung Denkmalschutz alles fördert


Doch die Zeit drängt: Untersuchungen im vergangenen Sommer haben ergeben, dass die komplette Vorsatzschale der Grabenfuttermauer hohl liegt und die Standsicherheit der Wand rechnerisch ungenügend ist. Die Grabenfuttermauer ist die äußere Stützmauer zur Straße hin.

Ein Spaziergang durch den Stadtgraben ist romantisch. Doch an manchen Stellen sperren Bauzäune Teile der Stadtmauer ab, um eine mögliche Gefahr für die Fußgänger durch herabfallende Steine auszuschließen.

Ein Spaziergang durch den Stadtgraben ist romantisch. Doch an manchen Stellen sperren Bauzäune Teile der Stadtmauer ab, um eine mögliche Gefahr für die Fußgänger durch herabfallende Steine auszuschließen. © Michael Matejka/VNP

Die Gefahr ist keineswegs theoretisch: Der Wall am Maxtorgraben war 1971 zwischen zwei Stützen komplett eingebrochen. Auch bei der Gaststätte "Hexenhäusle" hinter der Burg beulte sich 2002 die Sandsteinmauer um ganze acht Zentimeter aus, es bestand Einsturzgefahr.

Jeder Euro zählt

"Wir sammeln Geld für die Nürnberger Stadtmauer, weil sie eine bundesweit sichtbare Baustelle ist", erläutert DSD-Vorstand Steffen Skudelny, "und weil wir großen Respekt haben vor der mittelalterlichen Bautechnik, die hier zum Einsatz kam. Es ist aller Mühen wert, sie zu erhalten." Jeder Euro, der mit dem Stichwort "Nürnberger Stadtmauer" auf das Konto eingeht, komme dem Vorhaben zugute. Auf der Website der Stiftung wird das Vorhaben ebenfalls vorgestellt.

Nürnbergs Baureferent Daniel Ulrich hofft auf eine rege Beteiligung der Bürgerschaft. Denn in der Vergangenheit hätten sich die Zuwendungen der DSD gelegentlich als "Zünglein an der Waage" dafür erwiesen, ob eine Baumaßnahme durchgeführt werden kann oder zeitlich gestreckt werden muss. Andere private Geldgeber oder Stiftungen des Landes und Bundes waren bei der Gesamtfinanzierung natürlich ebenso wichtig.

"Arbeit an der Mauer hört nie auf"

Als vor 13 Jahren die letzten großen Kriegsschäden an dem Mauerring repariert waren - damals hatte man die Türme Maxtormauer 19 und 21 saniert - atmeten die Beteiligten tief durch. Doch für die verantwortliche Mitarbeiterin des Hochbauamts war klar: "Die Arbeit an der Mauer hört nie auf."


Wer sich an der Spendenkampagne beteiligen will: Empfänger ist die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, IBAN: DE 71 500 400 500 400 500 400, Verwendungszweck: "PR06555-01", Stadtmauer Nürnberg

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