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Sportplätze mit Kunstrasen schaden der Umwelt erheblich

11.000 Tonnen Mikroplastik gelangen durch die Plätze in die Umgebung - 10.04.2019 18:33 Uhr

Experten des Fraunhofer-Instituts "Umsicht" machen Sportplätze erstmals als drittgrößte Quelle für Mikroplastik-Verschmutzung in Deutschland aus. © dpa (EPA/MAXIM SHIPENKOV)


Länger bespielbar, pflegeleicht und immer grün – Kunstrasen ist auf hiesigen Fußballplätzen kaum mehr wegzudenken. Auch der Turn- und Sportverein Heroldsberg ist dabei einen Kunstrasen zu verlegen, nachdem der Verein zuvor immer wieder Probleme mit einer Flechte hatte. Der neue Platz soll nun in spätestens drei Monaten von den 14 Mannschaften bespielt werden können, so die 1. Vorsitzende Stefanie Piegert.

Kunstrasen wie den in Heroldsberg nutzen in der Region viele Vereine. Neuesten Berechnungen des Fraunhofer-Instituts "Umsicht" zufolge sollen sie allerdings schädlicher für die Umwelt sein als bislang gedacht. Demnach machten die Experten Sportplätze erstmals als drittgrößte Quelle für Mikroplastik-Verschmutzung in Deutschland aus. 11.000 Tonnen der kleinen Plastikpartikel gelangen den Wissenschaftlern zufolge dadurch pro Jahr in die Umgebung. Den größten Anteil daran haben offenbar die Fußball-Kunstrasenplätze. Problematisch sind dabei weniger die Plastikgrashalme, sondern vielmehr das Kunststoff-Granulat, mit dem der Rasen aufgefüllt wird. Durch Abrieb und Wind gelangt der Stoff in kleinsten Teilen in die Umwelt.

Kunstrasenhersteller stellt Zahlen in Frage

Der bayerische Kunstrasenhersteller Polytan aus Burgheim kritisiert die Zahlen des Fraunhofer-Institut dagegen als "nicht belastbar", vor allem weil ein Teil der Daten von Studien aus dem europäischen Ausland stamme und dort andere Gegebenheiten herrschten. Zudem arbeite man in Deutschland überwiegend mit einer anderen Rasenstruktur, in der das Granulat wesentlich besser hafte. Das Fraunhofer-Institut betont dagegen, dass es sich bei den Zahlen um Hochrechnungen handle, die auf zahlreichen Daten und Literatur basieren. Die ganze Studie dazu soll im Juni veröffentlicht werden.

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Die bayerische SPD will allerdings schon früher handeln. In einem Antrag forderte der umweltpolitische Sprecher der Fraktion, Florian von Brunn, die Staatsregierung auf, umweltfreundliche Alternativen aufzuzeigen - insbesondere für die Städte und Gemeinden, die gerade neue Sportplätze planten.

In Heroldsberg freut man sich unterdessen trotzdem auf den neuen Platz, auch weil der Verein bei der Auswahl des Granulats genau hingeschaut hat: "Wir haben uns extra für ein hochwertiges Granulat entschieden, dass bei den aktuellen Prüfungen als gut befunden wurde", erklärt Piegert. Sollte sich aber auch dieses Material als problematisch erweisen, würde man das bei der nächsten Befüllung beachten.

In Fürth setzt man auf Kork-Granulat

Alternativen zum Kunstrasen gibt es bereits: Neben Naturrasen, verwenden einige Vereine zum Beispiel einen so genannten Hybridrasen, bei dem Natur- und Kunstfasern verwoben werden. Beim der Spielvereinigung Greuther Fürth wurde beim neuesten Trainingsplatz, der 2013 entstand, mit Kork-Granulat gearbeitet. Damals allerdings weniger aus umwelttechnischen Gründen, sondern weil der Boden durch den Kork im Sommer kühler bleibe und gleichzeitig natürlicher aussehe, so der Direktor des Stadionbetriebes Tobias Auer.

Doch auch diese beiden Bodenbeläge haben ihre Nachteile: Durch die dichte Verwebung beim Hybridrasen ist nicht nur dessen Pflege, sondern auch die spätere Entsorgung schwierig. Kork-Granulat kann dagegen bei Starkregen aufweichen und sich über den Platz verteilen.

In Fürth hatte man damit bislang noch keine Probleme. Der bayerische Kunstrasenhersteller Polytan ist aber noch nicht gänzlich überzeugt, vor allem weil laut dem Unternehmen nicht genügend Kork für alle Sportplätze vorhanden wäre. Eine echte Alternative zum Kunststoff scheint bislang also nicht gefunden.

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