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Stadt gibt den Südring für Radfahrer frei

Radwegbenutzungspflicht aufgehoben — Kritik an Beschriftung der Schilder - 03.12.2014 07:59 Uhr

Der Radweg in der Ulmenstraße muss nicht mehr benutzt werden und ist zudem durch eine Baustelle versperrt.

02.12.2014 © Günter Distler


Die Schilder „Radwegbenutzungspflicht aufgehoben“, von denen eines etwa am Beginn des südlichen Radwegs Ulmenstraße am Dianaplatz steht, sollen laut Hugo Walser, Fahrradbeauftragter der Stadt Nürnberg, weniger die Radler informieren, als vielmehr die Autofahrer darauf aufmerksam machen, dass sie entlang des Südrings nun mit Radfahrern auf der Straße rechnen müssen. „Die Schilder werden nach einer gewissen Zeit wieder entfernt“, kündigt Walser an. Auslöser für die Beschilderung ist laut Walser die Beschwerde eines Radfahrers gewesen, der die Radwegpflicht an der Stelle nicht hinnehmen wollte.

Der Hintergrund: 1997 wurde die Straßenverkehrsordnung geändert und die generelle Radwegpflicht aufgehoben. „Seitdem werden die Radwege in der Stadt von uns überprüft, ob die Benutzungspflicht entfallen kann“, erläutert Walser. Dies umso mehr, als das Bundesverwaltungsgericht 2010 geurteilt hat, dass die Radwegpflicht nur bei besonderer Gefährdung gelten darf.

Als besonders gefährlich gelten etwa die Regensburger Straße, die Münchener Straße oder die Erlanger Straße. Hier werde mit höherer Geschwindigkeit gefahren, Verkehrsbelastung und Lkw-Anteil seien ebenfalls hoch, begründet dies Walser.

Aufgehoben hat die Stadt die Radwegpflicht dagegen beispielsweise in der Gebersdorfer Straße, Schweinauer Hauptstraße, Zollhausstraße, Rollnerstraße und auf der Südseite der Äußeren Sulzbacher Straße, die Nordseite wird laut Walser noch folgen. Ein Kriterium sei zudem, ob die Signalsteuerung an Kreuzungen mit den langsamer fahrenden Radfahrern in Einklang gebracht werden kann.

In der Ulmen-/Frankenstraße habe auch eine Rolle gespielt, dass der Radweg „teilweise nicht einmal die Mindestbreite hatte“. Zwischen Markgrafen- und Katzwanger Straße existierte bisher nur ein besonders schmaler gemeinsamer Rad-/Gehweg. An der Vogelweiherstraße wiederum hat der Radweg gar ein Lücke.

Ausbau angemahnt

Hier setzt die Kritik von Jens Ott vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Nürnberg an. Die Aufhebung der Radwegpflicht sei vom Prinzip her zu begrüßen. Es sei gut, wenn langsame Radfahrer sich für den Radweg, schnelle Radler dagegen für die Straße entscheiden könnten. „Ziel der Stadt sollte es allerdings sein, den Radfahrern an der Ulmen-/Frankenstraße ein vernünftiges Angebot zu machen“, so Ott, etwa in Form eines Radstreifens auf der Fahrbahn oder eines ausreichend breiten Rad-/Gehwegs. Die Aufhebung der Radwegpflicht wäre hier besser mit einem Radwegausbau einhergegangen, mahnt Ott.

Die Beschilderung „Radwegbenutzungspflicht aufgehoben“ hält Ott für nicht ideal: „Um die Autofahrer zu warnen, wäre ,Achtung! Radfahrer auf der Fahrbahn!‘ die bessere Beschriftung.“

In einem Punkt ist die Stadt bereits auf Kritik vom ADFC eingegangen. An der Frankenstraße in Höhe MAN-Gelände, also kurz vor der Kreuzung Pillenreuther/Katzwanger Straße, ist ein reiner Gehweg ausgewiesen worden, der für Radler somit tabu ist.

Hier wird nun ein Zusatzschild „Radfahrer frei“ angebracht, so dass langsame Radler weiterhin die Möglichkeit haben, neben der sich an dieser Stelle verengenden, stark befahrenen Frankenstraße auf dem Gehweg zu fahren — allerdings nur in Schrittgeschwindigkeit und auf die Fußgänger Rücksicht nehmend. „Wegklingeln“ ist verboten.

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CHRISTINE ANNESER E-Mail

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