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Stadtmission: "Wir tun alles, was in unserer Macht steht"

Hinter jedem Formular steckt eine Lebenskrise - 18.12.2020 09:42 Uhr

Christina Schön sieht jeden Tag Krisen, es ist Teil ihrer Arbeit am Empfang in der Sexual- und Schwangerenberatung.

17.12.2020 © Stadtmission Nürnberg


Wie tief die Krisen sind, in denen sich Menschen wähnen, sieht Christina Schön jeden Tag, es ist Teil ihrer Arbeit. Sie empfängt die Hilfesuchenden, die in den fünften Stock der Krellerstraße kommen, in die Schwangeren- und Sexualberatung der Stadtmission.

Ist die rosarote Brille abgelegt, oder wollen die Werbebilder von einer glückstrahlenden Familie nicht verfangen, trägt der Optimismus nicht oder ist es einfach nur die nüchterne Realität? Fest steht: Verhütung muss bezahlt werden. Ein unerfüllter Kinderwunsch schmerzt tief. Ein Baby kostet Geld.

Ein Ranzen an Problemen

Die Frauen und Männer, die sich an die Stadtmission wenden, haben keines und meistens darüber hinaus noch einen ganzen Ranzen an ungelösten Problemen, die ihr Leben bereits ohne Kind verkomplizieren. „Diese Frauen sind in Not“, sagt Christina Schön. „Einige sprechen nur wenige Brocken Deutsch. Zunächst finde ich eine gemeinsame Sprache mit ihnen, meistens in einem Mischenglisch. Dann merken sie, dass ich ihnen entgegenkomme, das nimmt schon mal Druck raus.“

"Es ist schön, helfen zu können"

Neben ihrer Vollzeitstelle als Verwaltungskraft studiert die 30-Jährige Soziale Arbeit, um nach ihrem Abschluss als Sozialpädagogin zu arbeiten. Selbst wenn sie an manchen Tagen rund 30 verzweifelte Menschen sieht, die sich für einen Termin in der Beratung melden, die sich Geld von der bayerischen Landesstiftung „Hilfe für Mutter und Kind“ erhoffen, behält sie ihre Ruhe – und Anträge, Bescheinigungen und Fristen im Blick. „Wir tun alles, was in unserer Macht steht, um zu helfen“, sagt Schön. Manchen mag das tägliche Elend bedrücken, aber weil die junge Frau weiterhelfen kann, „finde ich das schön“.

Akzeptanz ist der Schlüssel

Die Doppelbelastung mit der emotional anstrengenden Arbeit und dem zeitlich fordernden Studium meistert sie mit dem Wissen, dass diese Zeit die richtige Investition für ihr Leben ist. „Es fällt alles einfacher, wenn man weiß: Das, was man tut, will man machen.“

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In Zeiten von Corona richtet sich der Blick der Öffentlichkeit auf viele Berufsfelder und -zweige, die gerad jetzt als besonders systemrelevant eingestuft werden und die Versorgung mit medizinischer Hilfe oder auch den Zugang zu Lebensmitteln in diesen Zeiten weiterhin garantieren. Oft unter Einsatz der eigenen Gesundheit. Doch wie hoch ist der Mittlere Jahresverdienst die Beschäftigten in Gesundheitswesen, dem Lebensmittelhandel oder auch in der Pharmazie eigentlich?


Neben dieser Überzeugung trägt Christina Schön die unschätzbare Fähigkeit, unabänderliche Dinge zu akzeptieren, durchs Leben: „Akzeptanz ist der Schlüssel. Kann ich was ändern, klemme ich mich dahinter. Kann ich was nicht beeinflussen, akzeptiere ich es.“

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